Nur Platz acht nach Kurzprogramm: Eiskunstlauf-WM: Deutsches Paar unterbewertet
zuletzt aktualisiert: 15.03.2005 - 12:08Moskau (rpo). Nach dem Klasse-Auftritt im Kurz-Programm bei der Eiskunstlauf-WM in Moskau saß die Enttäuschung über die schwache Wertung der Punktrichter beim deutschen Paarlauf-Duo Aljona Sawtschenko/Robin Szolkowy tief. Selbst die dreimalige Olympiasiegerin Irinia Rodnina konnte die Noten nicht nachvollziehen.
"Ich hätte die beiden Deutschen im Kurzprogramm besser eingestuft", bekannte sie und stand mit dieser Meinung nicht allein. Sawtschenko und Szolkowy gehen nun als Achte in die Kür-Entscheidung am Mittwoch, doch die gefühlte Platzierung der beiden Chemnitzer war eigentlich höher angesiedelt.
Dönsdorf: "Das war eine magere Bewertung"
Waren die EM-Vierten von Turin noch um Fassung bemüht, machte Trainer Ingo Steuer aus seinem Herzen keine Mördergrube. "Für mich waren diese Wertungen völlig unverständlich, wir hätten mehr Punkte bekommen müssen", formulierte der ehemalige Weltmeister aufgebracht. Udo Dönsdorf, Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union (DEU), pflichtete ihm bei: "Das war eine magere Bewertung, wenigstens sind sie beim Publikum gut angekommen."
Ein eher schwacher Trost für die blonde Ukrainerin und ihren Partner, die ungeachtet des neuen Wertungssystems bei ihrem gemeinsamen WM-Debüt erst einmal hinter die arrivierten Konkurrenten eingereiht wurden. Wo früher in solchen Fällen die B-Note für die Präsentation herhalten musste, um die Hierarchien zu wahren, sind es nun die sogenannten "Components", die dafür genutzt werden. Präsentation, Interpretation, Choreographie - Dinge, die sich nie völlig objektiv bewerten werden lassen.
Hohe Ansprüche
Doch gerade diese Elemente gelten als Stärken seiner Schützlinge, deshalb gab sich Steuer auch spürbar resigniert: "Das ist eben Eiskunstlauf, da wird sich nie etwas ändern." Sawtschenko hingegen, in Turin ob des Verpassens der EM-Medaille noch ins Tal der Tränen gestürzt, wollte von derlei Fatalismus nichts wissen und kratzte alle ihre noch rudimentären Deutschkenntnisse zusammen, um ihrem Kampfgeist verbalen Ausdruck zu verleihen: "Ich denke nicht über das nach, was war. Ich weiß nur, dass meine Ansprüche hoch sind."
Keinen Einfluss hingegen hat die 21-Jährige auf die Dauer ihres Einbürgerungsverfahrens. Nach jetzigem Stand ist es eher unwahrscheinlich, dass die in Kiew geborene Athletin rechtzeitig zu den Olympischen Winterspielen in Turin in elf Monaten einen deutschen Pass und damit die Startberechtigung erhält. Eine Belastung ist diese Ungewissheit für Sawtschenko, zusammen mit Stanislaw Morosow Olympia-15. 2002 in Salt Lake City, nach eigenem Bekunden aber nicht: "Es ist ein merkwürdiges Gefühl, aber mehr als hoffen kann ich nicht."
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