Duell der russischen "Überirdischen": Eiskunstlauf-WM: Olympiatickets statt Medaillen im Visier
zuletzt aktualisiert: 16.03.2001 - 12:21Vancouver (rpo). Medaillen sind wohl unerreichbar, statt dessen kämpfen Deutschlands Eiskunstläufer bei den Weltmeisterschaften in Vancouver um ihre Olympia-Tickets. Knapp ein Jahr vor den Spielen in Salt Lake City müssen die Athleten der Deutschen Eislauf-Union (DEU) beweisen, dass der leichte Aufwärtstrend bei der EM in Bratislava nicht nur eine Verkettung glücklicher Umstände war.
"Ich glaube, dass die Talsohle durchschritten ist. Dennoch müssen alle an die Leistungsgrenze gehen, um passable Ergebnisse zu erzielen", meint DEU-Sportdirektorr Udo Dönsdorf, der realistischerweise mit einem eher übersichtlichen Olympia-Aufgebot rechnen muss. Eine sichere Bank sind nur die Berliner Eistänzer Kati Winkler und Rene Lohse, die bei dem Versuch, näher an die absolute Weltspitze heranzukommen, in Bratislava mit Rang sechs allerdings einen kleinen Rückschlag erlitten.
"An der Spitze ist die Luft sehr dünn", beklagt Kati Winkler, die beim Originaltanz wie schon beim Grand-Prix-Finale in Tokio wieder die von einigen Preisrichtern monierten Strapse trägt. Lohse: "Wenn wir weiter nach vorne wollen, müssen wir einfach etwas riskieren und uns von den anderen Paaren abheben."
Kein Risiko hingegen ist der Start von Stefan Lindemann. Der gerade entthronte Junioren-Weltmeister hat seine Knie- und Sprunggelenksprobleme überwunden und geht nach seinem einstimmigen Sieg bei der internen WM-Ausscheidung in Mannheim gegen den deutschen Vizemeister Andrejs Vlascenko (Füssen) mit Selbstbewusstsein im seit fast einem Jahr ausverkauften General Motors Palace auf das Eis.
Auch ohne den vierfachen Toe-Loop, der wegen der langen Trainingspause nach Absprache mit Trainerin Ilona Schindler nun erst im olympischen Winter präsentiert werden soll, glaubt der Erfurter an eine Top-Ten-Platzierung. "Wenn ich meine Leistung bringe, kann ich das schaffen", sagt der Thüringer, der damit auch Vlascenko - dessen immer noch ausstehende Einbürgerung vorausgesetzt - die Olympia-Chance erhalten würde.
Zehnte müssen auch die Berliner Paarläufer Mariana Kautz und Norman Jeschke werden, um der DEU vorbehaltlich der Nominierung durch das Nationale Olympische Komitee zwei Startplätze in dieser Disziplin zu sichern. Im kommenden Winter wird Vereinskollege Mirko Müller, zusammen mit Peggy Schwarz vor drei Jahren letzter deutscher WM-Medaillengewinner, mit seiner neuen Partnerin Sarah Jentgens wieder ins Wettkampfgeschehen eingreifen, die nationale Konkurrenz somit härter werden.
Noch hinten anstellen muss sich voraussichtlich Susanne Stadlmüller aus Stuttgart. Die deutsche Meisterin geht ihr WM-Debüt dennoch verhalten optimistisch an: "Wenn ich meine Nervosität unter Kontrolle halten kann, wird es schon gut gehen. Als noch unbekannte Läuferin darf ich mir aber fast gar keine Fehler erlauben."
Patzer leisten können sich auch die russischen "Überirdischen" Ewgeni Pluschenko und Alexej Jagudin nicht, wenn sie das spektakulärste Duell dieser Welttitelkämpfe für sich entscheiden wollen. In diesem Winter hatte Europameister Pluschenko regelmäßig die Nase vorn, doch Titelverteidiger Jagudin will vor dem Eiskunstlauf-verrücktesten Publikum der Welt zum vierten Mal in Folge triumphieren: "Keiner gewinnt jeden Wettbewerb, ich werde bis zur letzten Sekunde kämpfen."
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