Winkler und Lohse selbstbewusst: Eiskunstlauf:Die stillen Stars werden lauter
zuletzt aktualisiert: 03.01.2001 - 15:59Hamburg (sid). Seit mehr als einem Jahrzehnt dienen sie sich leise nach oben, im vorolympischen Winter werden Kati Winkler und Rene Lohse lauter - in eigener Sache. "Die anderen Spitzenpaare haben in dieser Saison zum ersten Mal gesehen, dass man mit uns rechnen muss", sagt Lohse betont selbstbewusst. Der Berliner Eistänzer meint damit die absolute Weltklasse, denn der fünfte nationale Titel bei den deutschen Meisterschaften am Wochenende in Oberstdorf ist für die letztjährigen WM-Sechsten nur Formsache.
Wurden die Schützlinge von Trainer Martin Skotnicky in der Vergangenheit ob ihrer eher zurückhaltenden Art von der Konkurrenz nicht so recht ernst genommen, so hat sich das mittlerweile spürbar geändert. Im November besiegten die Wahl-Allgäuer beim Grand Prix in Gelsenkirchen im Originaltanz erstmals die früher unerreichbaren Kanadier Shae-Lynn Bourne und Victor Kraatz. Das gab letztlich den Ausschlag dafür, dass sich Winkler/Lohse als erstes deutsches Tanzpaar für das Grand-Prix-Finale im Februar in Tokio qualifizierten.
Zum sportlichen Erfolg hat sich ein flotteres Image gesellt. Der Disput der Preisrichter um Katis auf internationaler Ebene mittlerweile verbotene Strapse im Originaltanz kann sich sogar positiv auswirken, auch wenn die Enttäuschung bei der 26 Jahre alten Blondine noch nicht überwunden ist: "Ich finde diese Entscheidung schade, die Strapse passen einfach zu meiner Rolle auf dem Eis."
Eine Kür zu Gospelklängen dürfte bei den Europa- und Weltmeisterschaften für Aufsehen sorgen, selbst die Top-Paare sollen über diesen Einfall der beiden Bundeswehrsoldaten mehr als erstaunt gewesen sein. Lohse: "Viele haben uns zu der Idee gratuliert, das werten wir als Anerkennung."
Diese positive Entwicklung hätte vielleicht nosch schneller vonstatten gehen können, wenn sich Kati und Rene nicht in der Vergangenheit im wahrsten Sinne des Wortes auf den Schlittschuhen gestanden hätten. Mehrfach drohte wegen persönlicher Differenzen die Trennung, Skotnicky war binnen der letzten drei Jahre oftmals mehr Bändiger denn Coach. "Es waren schwierige Zeiten", erinnert sich der Slowake mit Schaudern.
Die sind überwunden, und spätestens nach den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City sind sogar Medaillenträume nicht völlig unrealistisch, wenn andere Top-Paare ihren angekündigten Rücktritt wahr machen. Krönender Abschluss einer Laufbahn, die 1990 mit dem Titel der DDR-Eistanzmeister begann, könnten die Weltmeisterschaften 2004 sein. Für die Ausrichtung des Championats hat sich die Deutsche Eislauf-Union mit der Dortmunder Westfalenhalle beworben, die Entscheidung fällt im Sommer 2001.
Eiskunstlauf-DM ohne Lindemann
Titelverteidiger Stefan Lindemann hat seine Teilnahme bei den deutschen Meisterschaften derweil endgültig abgesagt. Der Junioren-Weltmeister aus Erfurt laboriert seit Mitte November an einer Sprunggelenkverletzung, die er beim Grand Prix in Gelsenkirchen erlitten hatte. Durch Lindemanns Absage ist der Weg zum Meistertitel praktisch frei für den viermaligen Champion Andrejs Vlascenko (München). Sollte Lindemann seine Verletzung bis zu den Europameisterschaften vom 22. bis 27. Januar in Bratislava auskuriert haben, ist ihm ein Startplatz trotz des DM-Verzichts sicher.
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