WM-Überschuss liegt bei mindestens zehn Millionen Mark: Eiskunstlaufen: "Big Business" in Kanada
zuletzt aktualisiert: 21.03.2001 - 11:26Vancouver (rpo). Die Eiskunstlauf-WM im kanadischen Vancouver sind ein für die Veranstalter einträglicher Wettbewerb. "Wir werden einen guten Gewinn machen", sagt David Dore, OK-Vorsitzender der Welttitelkämpfe in Vancouver, und untertreibt dabei noch gewaltig. Mit einem geschätzten Überschuss von umgerechnet mindestens zehn Millionen Mark können die nordamerikanischen Ausrichter rechnen.
Gespeist wird dieser finanzielle Segen von einer schier unglaublichen Begeisterung für diesen Sport in Kanada. Binnen 48 Stunden waren vor fast einem Jahr alle Kürentscheidungen ausverkauft, selbst beim Training ist der 16.500 Zuschauer fassende GM Place zu mehr als einem Drittel gefüllt, wenn Superstars wie der dreimalige Weltmeister Elvis Stojko das Eis betreten. Insgesamt 253.000 Besucher wird man am Ende der Megaveranstaltung gezählt haben - Weltrekord.
"Eiskunstlaufen ist ein Teil der kanadischen Wintersportkultur. Fast in jeder Stadt gibt es eine oder sogar zwei Eishallen. Jeder zehnte Fernsehzuschauer in unserem Land ist eine Woche lang nur auf's Eiskunstlaufen fixiert", begründet Dore die Attraktivität dieser Sportart. Die TV-Quoten erreichen höhere Werte als so manches Fußball-Länderspiel in Deutschland zwischen Flensburg und Passau.
Tausende von Fans, die bei der Kartenvergabe leer ausgingen, sind trotzdem in die Pazifik-Metropole gereist. Quasi als Trostpflaster offeriert man diesen Anhängern einen Block vom GM Place entfernt ein so genanntes Skatefest. Die Entscheidungen werden original auf eine Großbildleinwand übertragen, die Siegerehrungen sogar live mit anschließender Autogrammstunde wiederholt. Ein prächtiges Feuerwerk beendet jeden Wettkampftag.
Zum Erfolg der WM von Vancouver tragen aber die Hundertschaften von freiwilligen Helfern bei, die ohne Bezahlung eine Woche lang fast rund um die Uhr Busse chauffieren, Getränke servieren oder Sicherheitskontrollen übernehmen. Ihr Anreiz: Jede kanadische Region, die mindestens einen "Volunteer" stellt, erhält für ihre lokalen Nachwuchsläufer und Vereine umgerechnet 35.000 Mark.
Ginge es nur um gute finanzielle Bilanzen, der Weltverband ISU würde alle Weltmeisterschaften in Kanada oder den USA veranstalten. Doch für ISU-Präsident ist es auch wichtig, die Titelkämpfe weltweit zu streuen: "Das muss unsere vorrangige Aufgabe sein, denn wir wollen auf allen Kontinenten präsent sein." Daher wird die WM nächstes Jahr in der japanischen Olympiastadt Nagano ausgetragen, ehe die Welttitelkämpfe 2003 in Washington wieder einen satten Überschuss versprechen.
Für Vancouver ist die WM aber auch ein erster Test im Hinblick auf eine mögliche Bewerbung für die olympischen Winterspiele 2010. Nachdem die Spiele zuletzt zweimal in Europa und einmal in Asien ausgetragen wurden und Turin den Zuschlag für 2006 erhalten hat, stehen die Chancen für Nordamerika glänzend. Mit Rücksicht auf die Kandidatur Torontos für die Sommerspiele 2008 halten sich die Kanadier mit offiziellen Äußerungen dazu allerdings noch zurück. OK-Chef Dore: "Wir warten ab, was das IOC im Sommer entscheidet."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum











