Nur Winkler/Lohse mit vagen Chancen: Eiskunstlaufen: Trübe EM-Aussichten für DEU
zuletzt aktualisiert: 21.01.2001 - 11:17Hamburg (dpa). Ein Paradepaar und viele Sorgenkinder: Mit nur minimalen Medaillenchancen starten die neun Athleten der Deutschen Eislauf-Union (DEU) bei den am Montag beginnenden Europameisterschaften in Bratislava. Einzig die Vorjahresfünften Kati Winkler/Rene Lohse (Berlin) könnten in die Nähe des Treppchens tanzen, doch neben der festen Eistanzhierarchie sprechen auch konditionelle Probleme nach Erkrankungen gegen einen Medaillenplatz. "Wenn wir ein Quäntchen Glück haben, schneiden wir nicht schlecht ab. Wir können aber auch eine volle Bauchlandung machen", beschreibt Präsidentin Angela Siedenberg die Aussichten der DEU, die von Jahr zu Jahr betrüblicher werden.
Nach einer schweren Bronchitis, die Kati Winkler auch nach dem Verzicht auf die deutschen Titelkämpfe noch ans Bett fesselte, wird der Trainingsrückstand der mehrmaligen deutschen Meister zur europäischen Spitze groß sein. Doch die beiden 27 Jahre alten Sportsoldaten haben nach dem guten Saisonstart Blut geleckt: Über die erstmalige Qualifikation für das Grand-Prix-Finale der sechs besten internationalen Paare Mitte Februar haben sie sich riesig gefreut. Und nun liebäugelt das Duo, das mit einem fetzigen Charleston und verruchten Strapsen schon Furore machten, mit Edelmetall. "Es ist alles möglich, ich möchte sie aber nicht unter Druck setzen", sagt Siedenberg. Als zweites deutsches Paar reisen die Geschwister Stefanie und Thomas Rauer (Essen) in die Donau-Stadt.
Einen Befreiungsschlag traut die Präsidentin dem zweimaligen EM- Vierten Andrejs Vlaschenko zu, der als deutscher Vizemeister nur in die Slowakei reisen darf, weil Stefan Lindemann (Erfurt) noch verletzt ist. Der gebürtige Lette, der vor zwei Wochen an seinen Nerven scheiterte und seinen fünften Meistertitel Silvio Smalun (Oberstdorf) überließ, will erstmals den vierfachen Salchow zeigen. Nur mit einem Vierfachen hat der Vorjahressiebte die Möglichkeit, wieder dichter an die sprunggewaltigen Russen zu laufen. "Die Frage ist, ob er den Kopf frei kriegt", sagt Siedenberg, die dem 26- Jährigen ein "Riesenpotenzial" bescheinigt.
Zum ersten Mal auf internationalem Parkett müssen sich die Oberstdorfer Trainingskollegen Smalun und Susanne Stadlmüller beweisen. Trainer Michael Huth hat beide in die deutsche Spitze geführt, doch dort soll nicht Endstation sein. "Die Halle in Bratislava liegt mir", verkündete der 21-Jährige im Vorfeld, und auch die 16 Jahre alte Stuttgarterin hat ein festes Ziel: "Eine Platzierung unter den ersten zehn wäre ein Traum, dann könnte ich wieder zwei Startplätze bei den Damen herausholen." Mit Sorge schaut Siedenberg auf das Debüt: "Ich hoffe, der Rummel steigt ihr nicht zu Kopf."
Ein Problem mit den Startplätzen gibt es auch im Paarlaufen, doch da sind es zwei zu viel. Weil die DEU ihre Nachwuchsläufer noch nicht ins kalte Wasser werfen will, treten nur die Vorjahreszehnten Mariana Kautz/Norman Jeschke an. Die Berliner sind gehandicapt durch eine langwierige Sprunggelenksverletzung von Mariana Kautz und tragen die langjährige deutsche Paarlauftradition auf ihren Schultern.
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