Rivalität neu entflammt: Eisschnellläuferin Pechstein: "Anni hat Halluzinationen"
zuletzt aktualisiert: 15.03.2002 - 22:32Heerenveen (rpo). Pünktlich zum Auftakt zur Eisschnelllauf-WM in Heerenveen ist das Verbal-Duell zwischen Claudia Pechstein und Anni Friesinger neu entbrannt.
Auslöser ist ein Friesinger-Interview in der Illustrierten "Max", in dem die Inzellerin eine dauerhafte Feindschaft zu ihrer Berliner Rivalin bestätigte und unter Hinweis auf die "dünnen Wände" im Olympischen Dorf erklärte: "Frauen setzen Sticheleien und Hiebe gezielter. Gemeiner". Claudia Pechstein reagierte gelassen auf die Angriffe. "Anni muss Halluzinationen gehabt haben. Ich habe allein im Zimmer gewohnt und doch keine Selbstgespräche geführt. Außerdem war zwischen unseren Zimmern noch ein weiterer Raum."
Zuvor hatte Anni Friesinger bestätigt, dass sie ihre Aussagen gegenüber "Max" voller Überzeugung getan habe: "Ich lüge doch nicht. Ich stehe dazu. Bisher habe ich geschwiegen, aber jetzt mit etwas Abstand musste ich mich noch einmal dazu äußern, was bei Olympia vorgefallen ist", sagte die 25-jährige Bayerin in Heerenveen. In dem Interview hatte sie zudem gesagt: "Meine Haut ist in Salt Lake jedenfalls nicht dicker geworden. Das wird mich immer treffen."
In Heerenveen gingen Friesinger und Pechstein wort- und grußlos aneinander vorbei. Vor 13.000 Zuschauern in der ausverkauften Thialf-Halle hatte Friesinger über 500 m zunächst die Nase vorn. Die von Knieproblemen geplagte Inzellerin startete mit 39,45 Sekunden als Dritte in den Kampf um die 27.500-Dollar-Siegprämie und die Operation Titelverteidigung, lag aber dabei nicht so deutlich wie erwartet vor Pechstein, die in 39,92 Sekunden nur vier Hundertstelsekunden von ihrer Bestzeit entfernt war.
Die zweimalige Olympia-Dritte Jennifer Rodriguez (USA) deutete als Schnellste in 38,59 Sekunden ihre Medaillenambitionen an. Bei den Herren führt nach zwei Disziplinen der favorisierte Doppel-Olympiasieger und Allround-Europameister Jochem Uytdehaage aus den Niederlanden nach der besten 5000-Meter-Zeit von 6:30,27 Minuten vor dem Russen Dimitri Schepel und 1500-m-Olympiasieger Derek Parra aus den USA. Als einziger deutscher Starter im 24-köpfigen Teilnehmerfeld belegt Jan Friesinger, Bruder von Anni Friesinger, im "Halbzeit"-Klassement den 17. Platz, nachdem er über 5000 m in 6:49,76 Minuten nicht über Rang 19 hinauskam.
Claudia Pechstein hatte in Heerenveen keine Erklärung für die neuerlichen Anwürfe. "Ich habe keine Ahnung, was mit ihr los ist", sagte die Weltrekordlerin über 3000 und 5000 m mit einem Lächeln auf den Lippen: "Wir haben uns nirgendwo die Augen ausgekratzt. Olympia ist drei Wochen vorbei, und ich weiß nicht, was das soll. Aber vielleicht ist das ja eine Art WM-Taktik von Anni." Graue Haare wachsen ihr nach den neuerlichen Verbalattacken deshalb nicht. Pechstein: "Das ist mir alles viel zu kindisch."
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