Bestzeit knapp verfehlt: Eisschnelllauf DM: Friesinger düpiert Pechstein
zuletzt aktualisiert: 21.12.2002 - 18:03Inzell (rpo). Das ewige Duell zwischen Anni Friesinger und ihre Rivalin Claudia Pechstein ist um ein Ergebnis reicher. Am Samstag gewann Friesinger überraschend auch über die 3000 Meter. Pechstein sagte am Abend die Starts für den zweiten Tag der deutschen Mehrkampf-Meisterschaften in Inzell ab.
Anni Friesinger hat sich auf ihrer Heimatbahn in Inzell eindrucksvoll zurückgemeldet. Im Duell der Eisschnelllauf-Stars mit der Berlinerin Claudia Pechstein um die deutsche Meisterschaft im Allround-Vierkampf übernahm die 1500-Meter-Olympiasiegerin nach dem ersten Tag klar die Führung. Nach dem erwarteten Erfolg über 500 Meter gewann Friesinger überraschend auch das 3000-m-Rennen. Jeweils Zweite vor Pechstein wurde die Olympiazwölfte Daniela Anschütz aus Erfurt.
"Nach meiner Knie-Operation vom Mai und der Grippe zu Saisonbeginn hatte ich so viel aufzuholen - das hat mich richtig motiviert", meinte Friesinger: "Ich bin total happy." Die 25 Jahre alte Inzellerin hatte nach einem 14-tägigen Rad-Trainingslager erst am 9. Dezember wieder mit dem Eislaufen begonnen. "Mein hartes Training und das Konditionscamp auf Lanzarote haben sich absolut gelohnt", sagte Friesinger, die über 500 Meter in 40,21 Sekunden klar vor Pechstein (3. in 41,35) lag und auf der 3000-m-Distanz in 4:19,34 Minuten die Doppel-Olympiasiegerin von Salt Lake City (4:25, 46) geradezu deklassierte.
"Die Schuhe sind einfach nur Scheiße"
Claudia Pechstein, die ihren Vorjahrestitel damit am Sonntag auf den ausstehenden Strecken 1500 und 5000 Meter kaum noch erfolgreich verteidigen kann, haderte lautstark mit ihrem neuen Arbeitsgerät. "Die Schuhe sind einfach nur Scheiße", schimpfte die 30-Jährige stark angesäuert. Die Kufen, die sie in Inzell unter Härtebedingungen einlaufen wollte, hatte Pechstein erst zwei Tage zuvor im Training erstmals unter ihre Füße genommen.
Pechstein wird deswegen am zweiten Tag der deutschen Eisschnelllauf-Meisterschaft im Allround-Vierkampf in Inzell nicht mehr an den Start gehen. Deutschlands Rekord-Olympionikin, die vor den ausstehenden Strecken 1500 und 5000 Meter kaum noch Chancen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung hat, begründete den Verzicht mit den Problemen am Schlittschuh. "Man kann sich nicht so schnell auf einen neuen Schlittschuh einstellen. Und jetzt kann sie sowieso nichts mehr rausreißen", erklärte Pechsteins Trainer Joachim Franke.
Die Olympiazweite Monique Garbrecht-Enfeldt aus Berlin präsentierte sich im Rennen um den Vierkampf-Titel im Sprint erwartungsgemäß hoch überlegen. Die viermalige Weltmeisterin lief eine Woche nach ihrem historischen Vierfach-Erfolg beim Weltcup im chinesischen Harbin in 39,17 Sekunden die beste Zeit über 500 Meter vor ihrer Berliner Klubkollegin Jenny Wolf (40,16). Über 1000 Meter lagen Welten zwischen der in 1:18,81 Minuten siegreichen Garbrecht und der zweitplatzierten Pamela Zöllner (Berlin/1:21,48). Am Sonntag werden beide Strecken jeweils noch einmal gelaufen.
"Für dieses Wetter war es sehr gut"
"Für dieses Wetter war es sehr gut", meinte Garbrecht: "Aber mein Körper funktioniert noch nicht so wie er soll." Nach dem erfolgreichen Asien-Trip und der Zwischenstation Inzell feiert die Weltcup-Führende Weihnachten in Berlin. Bereits am 28. Dezember fliegt die 34-Jährige in ihr Trainings-Domizil nach Salt Lake City zurück, um sich auf den dortigen Weltcup (11./12. Januar) und die Jagd ihren insgesamt fünften Sprint-WM-Titel in Calgary (18./19. Januar) vorzubereiten.
Bei den Männern erwischte der Berliner Jan Waterstradt als 500-m-Sieger in 37,32 Sekunden den besten Start vor Andreas Behr aus Erfurt (37,33), der über 1000 m durch einen weiteren zweiten Platz (1:15,05 Minuten) im Sprint-Vierkampf Kurs Richtung erfolgreicher Titelverteidigung nahm. Diese ist bei den Allroundern greifbar für Anni Friesingers Bruder Jan nach seinem guten Auftakt mit Platz zwei über 500 Meter in 38,16 Sekunden.
Eisschnelllauf in Zahlen
Eisschnelllauf, deutsche Mehrkampf-Meisterschaften Allround und Sprint in Inzell, erster Tag (Nieselregen, 3 Grad):
Allround-Mehrkampf Männer 500 m: 1. Stefan Heythausen (Grefrath) 37,68 Sekunden, 2. Jörg Dallmann (Erfurt) und Jan Friesinger (Inzell) beide 38,16
Frauen 500 m: 1. Anni Friesinger (Inzell) 40,21 Sekunden, 2. Daniela Anschütz (Erfurt) 41,04, 3. Claudia Pechstein (Berlin) 41,35
Sprint-Mehrkampf Männer 500 m, 1. Rennen: 1. Jan Waterstradt (Berlin) 37,32 Sekunden, 2. Andreas Behr (Erfurt) 37,33, 3. Dino Gillarduzi (Inzell) 37,45
Frauen 500 m, 1. Rennen: 1. Monique Garbrecht-Enfeldt 39,17 Sekunden, 2. Jenny Wolf 40,16, 3. Anke Hartmann (alle Berlin) 40,82
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