Weltcup in Seoul: Eisschnelllauf: Garbrecht knapp am Sieg vorbei
zuletzt aktualisiert: 10.12.2000 - 12:31Seoul/Berlin (dpa). Licht und Schatten gab es für die deutschen Eisschnellläufer in Seoul: Während Monique Garbrecht-Enfeldt den Weltcup-Sieg über 1 000 m zwei Mal nur knapp verpasste, muss ihr Vereinskamerad Michael Künzel nach einer schweren Knie-Verletzung passen und vorzeitig die Heimreise antreten. Vor der zweiten Weltcup- Station in Nagano wird er vom Erfurter Bundestrainer Stephan Gneupel begleitet, der in der Nacht auf Samstag in Südkorea eine Nierenkolik erlitt.
Die Weltmeisterin aus Berlin bezwang am Sonntag über 1 000 m trotz der schwierigeren Außenbahn Vortags-Siegerin Chris Witty (USA), musste sich aber in 1:19,11 Minuten der schnellen Japanerin Eriko Sanmiya beugen, die in 1:18,72 als einzige Läuferin unter 1:19 Minuten blieb. "Das Rennen war superspannend, der zweite Platz lässt mich hoffen", war die Hauptstädterin einen Tag vor ihrem 32. Geburtstag auch mit ihren beiden zweiten Rängen, die mit jeweils 1 000 Dollar Prämie belohnt wurden, zufrieden. "Sanmiya war auch im Vorjahr zum Auftakt stark und hat dann die Form nicht bis zum Saisonende konservieren können", meinte die dreifache Weltmeisterin Monique Garbrecht.
Über 500 m verpasste die Berlinerin, die im Vorjahr beide Weltcups für sich entschieden hatte, durch einen Stolperer nach 80 Metern den Sprung auf das Treppchen und wurde in 39,24 Sekunden wie am Vortag Vierte. "Da fehlt mir noch eine Winzigkeit zur Form der Vorsaison", bekannte sie. "Ich ärgere mich nicht über die Platzierung, sondern über den Fehler, der mir eine bessere Zeit verbaute. Aber Seoul hat gezeigt: Ich bin vorn dabei und bleibe auf Tuchfühlung", so Garbrecht. Die 500-m-Siege gingen bei nicht optimalen Eis-Bedingungen in der Taeneung-Halle jeweils an Olympiasiegerin Catriona LeMay-Doan aus Kanada, die in 38,80 und 38,99 die 39-Sekunden-Grenze knackte.
Die Erfurterin Sabine Völker, die am Samstag mit Platz drei über 1 000 m überzeugt hatte, musste sich am zweiten Tag mit den Rängen sechs (500 m) und sieben (1 000 m) zufrieden geben. Dabei fehlte an der Bande ihr Coach Stephan Gneupel, der sich seit der Nacht auf Samstag mit Nierenkoliken herumplagte. "Ich gehe kein Risiko ein und lasse mich jetzt erst mal in der Heimat durchchecken", so der Thüringer Erfolgscoach, der bis zum März auch Eis-Königin Gunda Niemann-Stirnemann betreut hatte.
Auch Deutschlands schnellster Sprinter Michael Künzel muss am Montag unverrichteter Dinge die Heimreise antreten und kann in Nagano nicht starten. Seine Knie-Prellung vom Freitag war am Sonntag noch nicht abgeklungen, so dass die Verantwortlichen gleichfalls kein Risiko mit Blick auf die Saison-Höhepunkte im kommenden Jahr eingehen wollten. Durch den Ausfall des Berliners klaffte zwischen der Weltelite und den beiden verbliebenen Deutschen eine Riesen-Lücke. So war der 20. Platz (36,79) des Erfurters Andreas Behr noch die beste Platzierung. "Bei den Männern muss sich einiges tun, um wenigstens den Anschluss an die Spitze wieder herzustellen", kritisierte Bundestrainer Joachim Franke.
Die Siege gingen am Sonntag an Olympiasieger Hiroyasu Shimizu (Japan/35,59) über 500 m und den Kanadier Mike Ireland (1:11,62) über 1 000 m, der damit auch die Führung im Gesamt-Klassement übernahm. Über 500 m behauptet der sechsmalige Weltcupsieger Jeremy Wotherspoon (Kanada) durch seinen Samstag-Erfolg (35,89) die Führung. Die 1 000 m hatte am Samstag der Einheimische Jae-Bong Choi (1:11,64) unter dem Jubel der nur wenigen Zuschauer für sich entschieden.
Ergebnisse vom Weltcup der Sprinter in Seoul:
2. Tag: Herren, 500 m: 1. Hiroyuki Shimizu (Japan) 35,59 Sekunden, 2. Mike Ireland (Kanada) 35,73, 3. Jeremy Wotherspoon (Kanada) 35,76, 4. Janne Hänninen (Finnland) 36,19, 5. Koniomi Haneishi (Japan) 36,20, 6. Toyoki Takeda (Japan) 36,22
Stand im Weltcup (nach zwei Rennen): 1. Wotherspoon 170 Punkte, 2. Hänninen 140, 3. Ireland 130, 4. Takeda 125, 5. Shimizu 122 6. Jan Bos (Niederlande) 86
Herren, 1 000 m: 1. Mike Ireland (Kanada) 1:11,62, 2. Adne Söndral (Norwegen) 1:11,71, 3. Jeremy Wotherspoon (Kanada) 1:11,80, 4. Jae-Bong Choi (Südkorea) 1:11,82, 5. Kyu-Hyuk Lee (Südkorea) 1:11,84, 6. Hiroyasu Shimizu (Japan) 1:12,22, ... 27. Jan Waterstradt (Berlin) 1:14,39, 31. Andreas Behr (Erfurt) 1:14,56
Stand im Weltcup (nach zwei Rennen): 1. Ireland 180 Punkte, 2. Choi 160, 3. Wotherspoon 120, 4. Lee 120, 5. Söndral 112, 6. Janne Hänninen (Finnland) 86,...28. Waterstradt 9
Damen, 500 m: 1. Catriona LeMay-Doan (Kanada) 38,80, 2. Eriko Sanmiya (Japan) 39,10, 3. Swetlana Schurowa (Russland) 39,18, 4. Monique Garbrecht- Enfeldt (Berlin) 39,24, 5. Andrea Nuyt (Niederlande) 39,45, 6. Sabine Völker (Erfurt) 39,49
Stand im Weltcup (nach zwei Rennen): 1. LeMay-Doan 200, 2. Schurowa und Sanmiya je 150, 4. Garbrecht 120, 5. Nuyt 95, 6. Völker 77
Damen, 1 000 m: 1. Eriko Sanmiya (Japan) 1:18,72, 2. Monique Garbrecht-Enfeldt (Berlin) 1:19,11, 3. Chris Witty (USA) 1:19,41, 4. Andrea Nuyt (Niederlande) 1:19,60, 5. Maki Tabata (Japan) 1:19,63, 6. Catriona LeMay-Doan (Kanada) 1:19,88, 7. Sabine Völker (Erfurt) 1:19,95, ... 13. Marion Wohlrab (Pfaffenhofen) 1:21,15, 25. Christina Zummack (Berlin) 1:22,60, 31. Jenny Wolf (Berlin) 1:23,66
Stand im Weltcup (nach zwei Rennen): 1. Sanmiya und Witty je 170 Punkte, 3. Garbrecht-Enfeld 160, 4. Völker und Nuyt je 110, 6. Le May-Doan 90, ... 14. Wohlrab 44, 27. Zummack 9
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