Halbfinale von Stuttgart erreicht: Elsner fegte Novak vom Platz
zuletzt aktualisiert: 21.07.2000 - 16:44Stuttgart (dpa). Die Traumreise des Daniel Elsner beim Tennis- Turnier in Stuttgart geht weiter: Der 21 Jahre alte Münchner fegte am Freitag den favorisierten Tschechen Jiri Novak in 53 Minuten förmlich vom Platz. Nach dem 6:2, 6:1 steht der kesse Profi zur Überraschung aller Experten im Halbfinale.
Hier trifft der Bezwinger von Vorjahressieger Magnus Norman (Schweden) nun auf den Sieger der Begegnung Karol Kucera (Slowakei) - Franco Squillari (Argentinien). "Normal ist das nicht", kommentierte Elsner seine Siegesserie. "Ich habe heute alles probiert, und alles hat geklappt." Jetzt hat er bereits 46 300 Dollar sicher - sein bisher höchstes Preisgeld.
Für Elsner könnte das 22. Weissenhof-Turnier die Initialzündung sein, doch noch im Tennis-Zirkus durchzustarten. "Mein bestes Match war das vielleicht nicht, aber mein wichtigstes", hatte der frühere Junioren-Finalist von Wimbledon 1997 bereits am Donnerstag nach seinem Coup gegen Norman, die Nummer eins des Champions Race, geahnt. Wodka und ein Joint waren ihm im vergangenen Jahr im Leistungszentrum Hannover zum Verhängnis geworden, jetzt trainiert er auf eigene Kosten bei Boris Beckers ehemaligem Betreuer Günther Bresnik in Wien.
An den einstigen "Bad Boy" erinnert derzeit nur noch das Outfit: Der kahl geschorene Kopf, das exotische Kinnbärtchen und die Stacheldraht-Tätowierung am Oberarm. Als Daviscup-Kapitän Carl-Uwe Steeb meinte, die jungen Spieler sollten sich Elsner zum Vorbild nehmen, grinste der Gelobte vor sich hin: "Auf dem Platz können die sich vielleicht etwas abschauen."
Ziel sind die Top 100
Nach seinen furiosen Auftritten bei seinem ersten ATP-Turnier in diesem Jahr wird Elsner (Nr. 129) einen Sprung in die Top 100 machen. "Wenn Daniel so weiter macht, steht er bald unter den Top 50", prophezeite Steeb und stellte dem gebürtigen Memminger in Aussicht: "Es kann durchaus sein, dass er im nächsten halben Jahr zum erweiterten Kreis des Daviscup-Teams zählt." Spätestens dann dürfte Elsner auch wieder vom Deutschen Tennis-Bund (DTB) gefördert werden. Eine Teilnahme an den US Open hat der Allgäuer jedoch abgeschrieben. Die Meldefrist ist bereits abgelaufen, außerdem hat er sich dem Bundesligisten Grün-Weiß Mannheim verpflichtet.
Gegen den letztjährigen Halbfinalisten Novak legte Elsner los, als sei er noch bei einem Challenger-Turnier und ging gleich mit 2:0 in Führung. Im zweiten Satz spielte er wie schon zeitweise gegen Norman wie im Rausch und führte gar 5:0. Nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Tommy Haas hat der Außenseiter, der mit einer Wildcard ins Hauptfeld gekommen war, endgültig die Rolle des Publikumslieblings übernommen. Wo sein Siegeszug endet? "Jetzt will ich auch das Turnier gewinnen", antwortete Elsner und korrigierte sich schnell: "Äh, das Match morgen."
Im Halbfinale trifft er auf den an Nummer fünf gesetzten Franco Squillari (Argentinien). Der 24 Jahre alte French-Open-Halbfinalist und zweifache Sieger des Turniers in München gewann das Viertelfinale gegen Karol Kucera (Slowakei) mit 7:5, 6:1.
Rainer Schüttler (Bad Homburg) hat den Einzug ins Halbfinale dagegen verpasst. Der 24 Jahre alte Daviscup-Spieler unterlag im Viertelfinale dem ungesetzten Australier Andrew Ilie 3:6, 4:6. Der 24-Jährige aus Melbourne trifft am Samstag in der Runde der letzten vier auf den Ukrainer Andrej Medwedew oder Gaston Gaudio (Argentinien). Medwedew hatte das Turnier am Weissenhof 1992 gewonnen.
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