Jede Menge Lob von Steeb: Elsner: "Kann mit den Besten mithalten"
zuletzt aktualisiert: 23.07.2000 - 12:23Stuttgart (sid). Das "Märchen vom Weissenhof" endete für Daniel Elsner im Halbfinale, doch seine sportliche Wiedergeburt hat gerade erst begonnen. "Ich habe gesehen, dass ich mit den Besten der Welt mithalten kann. Das gibt viel Selbstvertrauen. Ich werde weiter hart arbeiten, denn ich erwarte noch einen großen Sprung nach oben", erklärte der 21 Jahre Allgäuer nach seiner 6:7 (6:8), 6:7 (5:7)-Niederlage gegen French-Open-Halbfinalist Franco Squillari (Argentinien) beim ATP-Turnier in Stuttgart. Der zweifache München-Sieger Squillari traf am Sonntag im Finale auf seinen Landsmann Gaston Gaudio.
Elsner bescherte sein Halbfinal-Coup ein Preisgeld von 46.300 Dollar - immerhin knapp doppelt so viel wie bislang insgesamt in seiner von extremen Höhen und Tiefen geprägten Profikarriere. "Ich wollte unbedingt ins Finale. Aber wenn man körperlich so platt ist, macht man die Big Points eben nicht", meinte Elsner, der im ersten Tiebreak einen Satzball vergab: "Ich muss einfach noch geduldiger werden."
Daviscup-Teamchef Carl-Uwe Steeb prophezeit dem früheren Junioren-Weltmeister, der bereits vor drei Jahren als "neuer Becker" gefeiert wurde, eine vielversprechende Zukunft: "Wenn Daniel so weitermacht, wird er am Ende des Jahres unter den Top 50 stehen. Dann ist er natürlich auch für meine Mannschaft ein Thema." Zumal die Hoffnungsträger Tommy Haas und Nicolas Kiefer kräftig kränkeln.
Wie "Phönix aus der Asche" katapultierte sich der beim Deutschen Tennis Bund (DTB) in Ungnade gefallene Elsner mit schlagkräftigen Argumenten in den Blickpunkt. Dass der Erfolg vom Weissenhof eine Eintagsfliege bleibt, glaubt der Shootingstar nicht. "Ich habe gesehen, was mit harter Arbeit möglich ist. Ich habe mich im Gegensatz zu früher nicht unter Druck gesetzt, war immer locker und hatte Erfolg", so "Else", der seit Herbst 1999 beim früheren Becker-Coach Günther Bresnik in Wien trainiert.
Auf seinem Weg ins Halbfinale besiegte Elsner unter anderem den Titelverteidiger und Branchenführer Magnus Norman (Schweden) sowie den spanischen Sandplatzspezialisten Francisco Clavet. "Eigentlich kann ich noch gar nicht realisieren, was hier passiert ist", meinte Elsner, der jetzt erstmal abtauchen und eine mehrwöchige Turnierpause einlegen will. In den kommenden Wochen will er sich auf sein Engagement beim Bundesligisten Grün-Weiss Mannheim konzentrieren.
Seine wenig schmeichelhafte Vergangenheit als "enfant terrible" dürfte ihn vermutlich vor dem Abheben bewahren. Bereits vor drei Jahren wurde der lebensfrohe Memminger dank seiner Erfolge im Juniorenbereich - Gewinner der Australian und French Open (1997) sowie der US Open (1996) - als potenzieller Becker-Nachfolger gehandelt: "Ich hatte im Hinterkopf, dass ich der Beste bin. Ich war überzeugt, dass ich bei den Challenger-Turnieren alle weghaue."
Doch statt mit Siegen machte der Tattoo-Träger durch exzessive Party-Besuche auf sich aufmerksam. Aus disziplinarischen Gründen musste er im vergangenen Jahr das Leistungszentrum des DTB in Hannover verlassen, nachdem er mit Wodka, Joint und zwei Mädchen quasi "in flagranti" erwischt wurde. Die Besinnung folgte und mit ihr der Umzug nach Wien. Bei Challenger-Turnieren in der Provinz erkämpfte sich Elsner in den vergangenen Monaten wichtige Punkte für die Rangliste.
"Daniel hat sich aber als Persönlichkeit weiterentwickelt. Er macht keinen Blödsinn mehr", erklärt sein Coach Martin Ruthner die Wandlung vom Saulus zum Paulus. Seinen Sieg gegen Norman feierte der konditionsstarke Elsner denn auch ganz brav im Hotelzimmer, "bis ich vor dem Fernseher eingeschlafen bin".
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