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EM-Übertragung
ARD und ZDF beschweren sich bei Uefa wegen TV-Zensur

Pressestimmen zur Fangewalt in Marseille
Pressestimmen zur Fangewalt in Marseille FOTO: afp
Paris. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) zensiert während der Europameisterschaft alle Spiele. Das "Weltsignal" zeigt meist nur Traumtore, jubelnde Fans und schwitzende Trainer. Krawalle auf den Tribünen, Flitzer und Böller hingegen bleiben vielen Zuschauern verborgen. Von Jan Mies

Die EM wirkt dadurch wie eine heile Welt, die sie gar nicht ist. Das ZDF hat sich jetzt über die TV-Zensur der europäischen Fußball-Union (Uefa) beschwert. "Natürlich haben wir die Erwartung, dass auch angesichts der brisanten gesellschaftspolitischen Lage alle relevanten Szenen im Weltsignal der Uefa enthalten sind", sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz. "Dazu gehören nicht nur die Spielszenen, sondern auch alles, was abseits passiert. Diese Erwartungshaltung haben wir auch klar formuliert."

Auch das Erste wurde aktiv. "Wir haben die Uefa aufgefordert, uns solche Bilder kurzfristig zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus werden wir alles daran setzen, derartige Vorfälle mit eigenen Teams und Kameras zu dokumentieren - wie es uns am Samstag ja auch gelungen ist", sagte ARD-Teamchef Jörg Schönenborn.

Zwar könnten die deutschen Sender - aus Frankreich übertragen ARD, ZDF und später Sat.1 - theoretisch bei jedem EM-Spiel bis zu zehn eigene Kameras aufstellen. Das rentiert sich vor allem bei deutschen Spielen.

"Da können wir deshalb alle journalistisch relevanten Szenen zeigen", sagte Gruschwitz. Bei den Öffentlich-Rechtlichen gebe es keine Zensur. Bei den Übertragungen aus den deutschen Bundesliga-Stadien werden keine Bilder herausgeschnitten. Wenn beispielsweise Pyrotechnik brennt, ist das meist auch zu sehen. Bei den EM-Spielen sind die TV-Anstalten aber von der Uefa abhängig.

Als am Samstag nach dem Hochrisiko-Spiel zwischen England und Russland auf den Tribünen des Stade Velodrome die Ausschreitungen begannen, als Familien voller Angst vor der Hooligan-Gewalt flüchten mussten, gab es deshalb davon im deutschen Fernsehen ganz wenig zu sehen.

Offiziell geht es der Uefa, die das TV-Signal für viele Millionen Euro verkauft, darum, den Randalierern keine Bühne zu bieten und möglichen Nachahmern kein Vorbild zu liefern. Das war am Samstag, als in der Fanzone von Marseille mehrere Tausend Russen und Engländer in der ohnehin schon aufgeheizten Stimmung das Spiel vor der Großbildleinwand verfolgten, auch hilfreich. Die Gewalt aus dem Stadion hätte sich schnell auf Fans ohne Ticket übertragen können. In der südfranzösischen Stadt hatte es zuvor blutige Ausschreitungen gegeben.

Dennoch bleibt die Frage, wie weit die Zensur gehen darf. Als am Sonntag im Pariser Prinzenpark ein kroatischer Fan glückselig auf den Platz stürmte und den Treffer von Luka Modric gegen die Türkei mit seinen Idolen feierte, war das im Fernsehen für den Bruchteil einer Sekunde zu sehen. Passiert ist nichts, spätestens in der Wiederholung hätten die Bilder niemandem geschadet - wohl aber offenbart, welche Sicherheitslücken es in den Stadien gibt. Das gefällt dem europäischen Fußball-Verband selbstverständlich überhaupt nicht.

(sid)
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