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Düsseldorf
England siegt bei Southgates Debüt

Düsseldorf. Ein Sprücheklopfer ist der 46-Jährige nicht, aber vielleicht doch mehr als nur eine Notlösung für den Trainerposten der Fußball-Nationalmannschaft. Christoph Daum feiert einen Kantersieg mit Rumänien.

Mit blauem Anzug und Krawatte stand Gareth Southgate an der Außenlinie im Londoner Wembley-Stadion und wirkte wie eine Mischung aus Geschäftsmann und Diplomat. Fast diplomatisch kommentierte Englands Interimstrainer sein Debüt. "Ich hätte mir schon einen höheren Sieg gewünscht. Ich wollte, dass mein Team angreift und sehr schönen Fußball spielt. Da ist mit Sicherheit noch Luft für Verbesserungen", sagte Southgate nach dem 2:0 im WM-Qualifikationsspiel gegen Malta.

Mehr als 80.000 Fans waren zum ungleichen Duell gekommen und verabschiedeten Spieler und Coach nach dem bescheidenen Auftritt mit freundlichem Beifall. Nicht nur äußerlich wirkte der bisherige U21-Trainer Southgate wie ein Gegenentwurf zum Vorgänger Sam Allardyce. Der musste wegen eines heimlich gefilmten Gesprächs mit pikanten Aussagen nach nur einem Spiel wieder gehen. Von den keineswegs zimperlichen Medien auf der Insel wurde er als "schnodderig", "frech" und "überheblich" charakterisiert.

Von Überheblichkeit war bei Southgate nichts zu merken, eher schon bei seinen Spielern. Die schalteten nach der Pausen-Führung durch Daniel Sturridge per Kopf (29. Minute) und Dele Alli (38.) einen Gang zurück und vergaben mehrere gute Chancen. "In der zweiten Halbzeit haben einige schon an das Spiel in Slowenien gedacht", erklärte der Coach. Der 46-Jährige ist in Deutschland vor allem wegen seines verschossenen Elfmeters im EM-Halbfinale 1996 in England gegen das DFB-Team bekannt.

Gestern diskutierte die ganze Insel über die Zukunft des Ex-Nationalspielers als Teammanager der Three Lions. Während die englische Fußball-Legende Gary Lineker nach dem 2:0 via Twitter ("Gebt ihm den Job!") eine langfristige Beförderung forderte, sah der Guardian ein "farbloses Vorsprechen". Und auch der Independent hielt sich merklich zurück und schrieb von einem "soliden" und "unspektakulären" Start.

Der fEx-Nationalspieler soll das Team der Three Lions zunächst für vier Spiele bis zum Jahresende betreuen. Es wäre aber keine große Überraschung, sollte der Verband (FA) dem ehemaligen Innenverteidiger eine Festanstellung geben. Bei den Spielern kommt der Interimsmann gut an. "Gareth ist ein fantastischer Trainer. Er weiß genau, wie ich denke und fühle", lobte Torschütze Dele Alli.

Der frühere Bundesliga-Coach Christoph Daum feierte in seinem zweiten Pflichtspiel als Nationaltrainer Rumäniens einen Kantersieg. Sein Team gewann in Jerewan 5:0 (4:0) gegen Armenien, das nach einer frühen Roten Karte fast 90 Minuten lang in Unterzahl spielen musste. Die Treffer für die Gäste erzielten Bogdan Stancu (4./Elfmeter), Adrian Popa (10.), Razvan Marin (12.), Nicolae Stanciu (29.) und Alexandru Chipciu (59.). Für Daum war es nach seinem Debüt beim 1:1 gegen Montenegro der erste Pflichtspiel-Sieg als Nationalcoach.

In der selben Gruppe könnte Polen mit Robert Lewandowksi entspannt der Partie morgen gegen das noch punktlose Armenien entgegensehen. Eigentlich. Denn während Polens Presse nach dem Dreierpack des Bayern-Stars beim 3:2 gegen Dänemark vom "besten Stürmer der Welt" schwärmte, ärgerte sich Lewandowski über den Leistungseinbruch nach der Pause. "Ein 2:0 oder 3:0 bedeutet nichts, du musst bis zum Abpfiff konzentriert bleiben", sagte der Torjäger.

Wie schon beim 2:2 in Kasachstan ließen die Polen nach klarer Führung den Gegner zurück ins Spiel kommen. Nach Lewandowskis Toren (20./36.,Foulelfmeter/48.) geriet das Team von Adam Nawalka durch Kamil Gliks Eigentor (49.) und Leipzigs Angreifer Yussuf Poulsen (69.) in Bedrängnis. Polens Arkadiusz Milik (Neapel) erlitt einen Kreuzbandriss zu. Er wird heute in Rom operiert und fällt mehrere Monate aus.

Spanien gewann das "Spitzenspiel" in Albanien durch Tore von Diego Costa (55.) und Duran Nolito (63.) mit 2:0. Italien mühte sich zum 3:2 gegen Mazedonien. Andrea Belotti (24.), Ciro Immobile (75./90.+2) trafen für die Gäste, Ilija Nestrovski (57.) und Ferhan Hasani (59.) hatten die Gastgeber in Front gebracht.

(dpa/sid)
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