Eiskunstlauf-EM: Russe Jagudin wieder auf Titelkurs: Erfurter Stefan Lindemann glänzt als Achter
zuletzt aktualisiert: 08.02.2000Wien (dpa). Im Schatten des überragenden Russen Alexej Jagudin ist Stefan Lindemann aus Erfurt bei den Eiskunstlauf- Europameisterschaften in die Weltklasse gesprungen. Der 19-jährige Schüler überraschte im Kurzprogramm am Dienstagabend in Wien als Achter und läutete damit auch einen internen Machtwechsel ein. Lindemann übertraf den letztjährigen EM-Vierten Andrejs Vlascenko (Füssen), der nur auf einen enttäuschenden elften Platz kam. Weltmeister Jagudin gewann die erste Runde des russischen Dauerduells gegen Ewgeni Pluschenko und peilt nun seinen dritten Titel in Folge an. Der 19-Jährige setzte sich vor 1 500 Zuschauern gegen seinen nationalen Konkurrenten sowie gegen den Ukrainer Dmitri Dmitrenko durch und hat damit die beste Ausgangsposition vor der Kürentscheidung am Donnerstag.
Vlascenko zeigte sich zwar gegenüber seiner desolaten Vorstellung in der Qualifikation stark verbessert, knickte jedoch beim Dreifach- Axel ein. Trotzdem wirkte der viermalige deutsche Meister nach seinem Auftritt sichtlich erleichtert. Den internen Zweikampf mit Lindemann, der bei den deutschen Meisterschaften wegen Vlascenkos Knieverletzung ausgefallen war, hat der Ex-Stuttgarter zumindest vorläufig verloren. "Ich habe einen sehr schönen dreifachen Axel und eine gute Kombination Dreifach-Flip/Dreifach-Toeloop gemacht", freute sich dagegen Lindemann.
Die verbundene Hand erwies sich als kein allzu großes Handicap für Jagudin, der vor zwei Wochen im Training gegen die Bande geknallt war und sich einen Bruch zugezogen hatte. Der Titelverteidiger zeigte eine fabelhafte Kurzkür zur "Nussknacker-Suite" von Tschaikowsky und zeigte einen blitzsauberen vierfachen Toeloop. Sein Dauerkonkurrent Pluschenko (17), der es bisher erfolgreich verhindert hat, dass Jagudin die russische Meisterschaft erringen konnte, kam vor allem vom Ausdruck her nicht an ihn heran.
Die deutschen Eistanzmeister Kati Winkler/Rene Lohse waren zuvor mit einem fünften Platz in den Pflichttänzen schwungvoll in die EM gestartet. Die Berliner lagen gleichauf mit den Israelis Galit Chait/Sergej Sachnowski. Vor dem Originaltanz am Mittwoch und der Kür am Freitag führen die Favoriten Marina Anissina/Gwendal Peizerat aus Frankreich vor den Italienern Barbara Fusar-Poli/Maurizio Margaglio. Die Geschwister Stephanie und Thomas Rauer aus Essen konnten als 15. nach der Yankee Polka und dem Argentinischen Tango zufrieden sein.
Die rothaarige Anissina und ihr Partner mit der blonden Mähne steuern derweil auf ihren ersten EM-Sieg zu. Bei der WM 1999 in Helsinki hatten sie entgegen der Meinung des entrüsteten Publikums den Russen Anjelika Krylowa/Oleg Owsiannikow den Titel überlassen müssen. Die französische Teamleitung hatte damals sogar Protest gegen die Entscheidung der Preisrichter eingelegt. Diesmal fehlen Krylowa/Owsiannikow jedoch, weil die 26-jährige Krylowa wegen eines Bandscheibenvorfalls um die Fortsetzung ihrer Karriere bangen muss.
Die letztjährigen EM-Sechsten Winkler/Lohse hatten nach dem ersten Pflichttanz die Israelis Galit Chait/Sergej Sachnowski an sich vorbei ziehen lassen müssen, kamen dann aber doch auf den fünften Rang. "Ich fand die Polka stabiler, trotzdem haben wir im Tango die höhere Wertung bekommen", wunderte sich Winkler, die mit ihrem Partner "zuletzt viel an den Pflichttänzen gearbeitet hat".
Herren, Stand nach dem Kurzprogramm:1. Alexej Jagudin (Russland) 1,0 Punkte; 2. Ewgeni Pluschenko (Russland) 1,6; 3. Dmitri Dmitrenko (Ukraine) 2,6; 4. Iwan Dinew (Bulgarien) 3,6; 5. Alexander Abt (Russland) 4,4; 6. Witali Daniltschenko (Ukraine) 5,0; 7. Vincent Restencourt (Frankreich) 6,0; 8. Stefan Lindemann (Erfurt) 6,6; ... 11. Andrejs Vlascenko (Füssen) 9,0
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