Das aktuelle Tour-Gespräch: Erik Zabel: "Bin der Stratege des Asphalts"
zuletzt aktualisiert: 01.07.2003 - 11:47Paris (rpo). Nur noch wenige Tage, dann muss auch Erik Zabel wieder in den Sattel steigen, um die 3362,5 km der diesjährigen Tour de France hinter sich zu bringen. Im Interview beschreibt er seine Ziele, seine neue Rolle im Team Telekom und sein Verhältnis zu Jan Ullrich.
Frage: "Herr Zabel, am Wochenende sind Sie zum zweiten Mal deutscher Meister geworden. Was bedeutet es für Sie, im Meistertrikot bei der Tour de France anzutreten?"
Erik Zabel: "Ich sehe das als große Ehre an, wenn man das Meistertrikot beim größten Radrennen der Welt tragen darf."
Frage: "Mit welchen Gefühlen fahren Sie bei Ihrer zehnten Teilnahme zum Tour-Start nach Paris?"
Zabel: "Erstmals seit Jahren freue ich mich wieder auf die Tour. Ich stehe nicht unter Druck und muss auch nicht das Grüne Trikot holen. Ich möchte eine Etappe gewinnen, mehr nicht. Oberstes Ziel ist aber, dass das Team einen Podestplatz in Paris holt."
Frage: "Wer könnte das schaffen?"
Zabel: "Alexander Winokurow ist sehr gut in Form. Das hat er bei seinem Sieg bei der Tour de Suisse zuletzt bewiesen. Hinter Santiago Botero steht noch ein Fragezeichen. Er hatte bei der Deutschland-Tour noch Probleme mit einer Bronchitis."
Frage: "Die Tour feiert ihr 100-jähriges Jubiläum. Was wird diesmal anders sein?"
Zabel: "Die Alpen und Pyrenäen sind die gleichen, aber das Jubiläum wird zu einer noch attraktiveren Fahrweise beitragen. Jeder will sich in Szene setzen."
Frage: "Sie sind nach dem Weggang von Jan Ullrich seit Saisonbeginn Telekom-Kapitän. Wie haben sich Ihre Aufgaben im Team verändert?"
Zabel: "Früher war ich dafür zuständig, Siege einzufahren, heute bin ich für das bestmögliche Resultat des Teams verantwortlich, sozusagen als Stratege des Asphalts."
Frage: "Das scheint gut gelungen. Telekom steht mit 21 Saisonsiegen auf dem dritten Platz der Weltrangliste. Wie ist der Aufschwung zu erklären?"
Zabel: "Im Hotel wird wieder gelacht, ohne dass sich einer auf den Schlips getreten fühlt. Es macht wieder richtig Spaß in dieser Mannschaft."
Frage: "Weltmeister Mario Cipollini wurde für die Tour nicht eingeladen. Ein Vorteil für Sie?"
Zabel: "Im Gegenteil. Mit Cipollini am Start gäbe es ein Team mehr, dass daran arbeiten würde, Ausreißer wieder einzufangen. Damit würden sich auch meine Chancen erhöhen. Außerdem ist es keine Schande, gegen Cipollini zu verlieren. Gegen Cipollini zu gewinnen, ist das Größte."
Frage: "Wer sind Ihre größten Konkurrenten in den Sprint-Entscheidungen?"
Zabel: "An erster Stelle ist der Australier Robbie McEwen als Vorjahressieger des Grünen Trikots zu nennen. Hinzu kommen Stuart O'Grady sowie die jungen Sprinter Alessandro Petacchi und Ivan Quaranta. Auch Olaf Pollack vom Team Gerolsteiner ist nicht zu unterschätzen."
Frage: "Als ehemaliger Teamkollege können Sie die Form von Jan Ullrich gut einschätzen. Wie sind seine Chancen?"
Zabel: "Jan ist hochmotiviert, aber Armstrong wird dieses Jahr kaum zu schlagen sein. Vielleicht ist der zweite oder dritte Platz für Jan möglich."
Frage: "Könnte es möglicherweise eine Zusammenarbeit zwischen Ullrich und dem Team Telekom im Kampf gegen Armstrong geben?"
Zabel: "Sicherlich. Im Radsport ist es häufig so, dass Teams ähnliche Absichten haben. Vielleicht bilden wir eine Allianz mit Ullrich. Wenn Armstrong wegfährt und Jan in der Verfolgung ist, werden wir versuchen, mitzufahren und uns mit ihm in der Führungsarbeit ablösen."
Frage: "Wie ist Ihr Verhältnis heute zu Ullrich?"
Zabel: "Wir pflegen ein normales Verhältnis. Wir unterhalten uns und sind fair zueinander."
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