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Freshfields
Ermittler präsentieren Erkenntnisse über WM-Affäre

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum WM-Skandal
Die wichtigsten Fragen und Antworten zum WM-Skandal
Frankfurt/Main. Reinhard Grindel wird am 15. April aller Voraussicht nach zum neuen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gewählt werden. Das DFB-Präsidium beschloss gestern offiziell die zuvor schon verkündete Einberufung eines Außerordentlichen Bundestages für diesen Termin.

Diese Nachricht kann freilich nicht überdecken, was heute um 13.30 Uhr im Salon 3 und 4 des Steigenberger Hotels ansteht: In den Sommermärchen-Skandal, der um die Jahrtausendwende in dunklen Hinterzimmern begann, soll endlich Licht gebracht werden.

Nach monatelanger Wühlerei in den schmutzigen Akten DFB präsentieren die Ermittler der Kanzlei Freshfields in Frankfurt am Main die Ergebnisse, vor denen die Macher der WM 2006 um Franz Beckenbauer zittern. Immer neue Details über die vermeintlich gekaufte Vergabe des deutschen "Sommermärchens" lassen Schlimmes befürchten. Welche Beweise das Podium auch immer auf den Tisch legt - die vom DFB selbst angestrengte interne Untersuchung ist nicht der Abschluss der WM-Affäre. Es geht um Steuervergehen, verschwundene Millionen-Summen und Betrug.

Im Kern müssen heute drei Fragen beantwortet werden: Wohin sind jene 6,7 Millionen Euro, die 2005 nach bisheriger DFB-Darstellung verschleiert als Rückzahlung für ein angebliches Darlehen an den Weltverband Fifa überwiesen wurden, tatsächlich geflossen? Gab es 2000 vor der WM-Vergabe Bestechungsversuche aus Deutschland? Wer vom DFB wusste von welchen Vorgängen?

Antworten geben wollen Freshfields-Anwalt Christian Duve und die aktuelle und künftige Verbandsspitze mit den Interimspräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball sowie Grindel. Diejenigen, die damals verantwortlich waren, werden fehlen.

Für die DFB-Version, der Verband habe der Fifa im Jahr 2002 6,7 Millionen Euro als Vorleistung für einen WM-Zuschuss von 170 Millionen Euro überweisen müssen und sich deshalb von Beckenbauer-Freund und Ex-Adidas-Boss Robert Louis-Dreyfus das Geld geliehen, gibt es keinerlei Beweise. Weiterhin tauchte in den Aktenbergen ein dubioser Vertragsentwurf für Skandal-König Jack Warner (Trinidad und Tobago) auf, den die aktuelle DFB-Spitze als Bestechungsversuch wertet.

Der Chef des WM-Organisationskomitees Beckenbauer und sein "Schattenmann" Fedor Radmann sagen dazu kaum etwas von Gehalt. Die Freshfields-Ermittlung gilt ohnehin als belastet. Dass über eine interne Ermittlung wiederholt Details durchsickern und ein "Whistleblower" ständig auspackt, stellt die Untersuchung in Frage. Die DFB-Führungsriege ist über diesen Verlauf alles andere als glücklich. Dem Verband drohen der rückwirkende Verlust seiner Gemeinnützigkeit, Strafzahlungen von bis zu 25 Millionen Euro. Ein enormer Imageverlust besteht bereits.

(RP/sid)
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