Streit um Einfluss und Geld: EU will WADA-Beitrag nicht zahlen
zuletzt aktualisiert: 04.12.2001 - 12:04Lausanne (rpo). Mit Auseinandersetzungen um Einfluss und Geld endete am Montag in Lausanne die Sitzung des Stiftungsrates der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). EU-Kommissarin Viviane Reding enthielt sich als einziges der 32 anwesenden Mitglieder bei der Verabschiedung des Etats von 18 Millionen Dollar (21,7 Millionen Euro/39,6 Millionen Mark) für 2002 der Stimme und kündigte an, dass die EU nach dem derzeitigen Stand ihren Anteil von drei Millionen Dollar nicht bezahlen wird.
Die EU-Kommissarin machte die Zahlung erneut davon abhängig, dass Europa ein fünfter Sitz im Stiftungsrat zugestanden wird. Darüber hinaus verlangt Viviane Reding, wie WADA-Sprecher Olivier Niggli am Dienstag auf Anfrage erklärte, bei Entscheidungen des Stiftungsrates eine "Sperrminorität" für Europa. Der wiedergewählte Stiftungsrats- und Exekutivkomitee-Vorsitzende Richard Pound verweigerte dies mit dem Hinweis auf die bei der Gründung am 11. November 1999 verabschiedete Satzung, die für Entscheidungen eine Zwei-Drittel- Mehrheit vorsehe. Im 34-köpfigen Stiftungsrat sind der Sport mit der Olympischen Bewegung und die Regierungen je zur Hälfte vertreten.
Trotz der derzeitigen EU-Verweigerung ist nach einer WADA- Mitteilung der Etat für 2002, der bis 2006 auf 25 Millionen Dollar ausgeweitet werden soll, gesichert. Je 8,5 Millionen werden danach von der Olympischen Bewegung und den Regierungen aufgebracht, der Rest aus anderen Quellen. In Europa sollen für die EU die einzelnen Länder einspringen. "Es ist egal, wo das Geld herkommt", erklärte Pound. Der Kanadier bezeichnete die Etat-Beratungen ungeachtet des Streits mit der EU als "wichtiges Vertrauensvotum für die Mission der WADA, Hilfestellung für eine weltweite Kultur eines Doping-freien Sports".
Als vorrangige Aufgabe der WADA, deren Hauptsitz am 21. August in Tallinn an Montreal vergeben wurde, wurde die Erarbeitung eines einheitlichen Anti-Doping-Codes bezeichnet. Dieser soll spätestens bei einem zweiten Weltkongress gegen Doping im Februar 2003 verabschiedet werden. Der erste Weltkongress hatte im Februar 1999 in Lausanne stattgefunden. Das derzeit gültige Anti-Doping-Reglement wurde unter Federführung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) erarbeitet, das mit seiner Anschubfinanzierung von 25 Millionen Dollar die WADA auf den Weg gebracht hatte.
Die Anti-Doping-Agentur wird nach eigenen Angaben bei den Olympischen Winterspielen im Februar in Salt Lake City mit einem Team von zwölf Experten vertreten sein, das als unabhängiges Gremium alle Aspekte der Dopingkontrollen beobachten wird. Zugleich soll bei den Teilnehmern der Winterspiele verstärkt für das Athleten-Pass-Programm geworben werden. Die WADA kündigte auch eine verstärkte Kooperation mit der Wissenschaft an, um einen vereinfachten Test auf des Blutdoping-Mittel EPO zu entwickeln.
Wie die WADA weiter mitteilte, wird sie sich voraussichtlich in der kommenden Woche in Kanada mit dem Internationalen Fußball-Verband (FIFA) treffen, um den Vertrag über eine Zusammenarbeit zu unterzeichnen. Die FIFA ist der einzige der 35 olympischen Sportverbände, der sich bisher einer Mitarbeit in der WADA verweigert hat. Ziel der WADA ist es unter anderem, unangemeldete Trainingskontrollen auch im Fußball durchführen zu können. "Bei einer Einladung ist die WADA auch bereit, der FIFA als unabhängiger Beobachter bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea zu dienen", heißt es in der WADA-Erklärung.
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