"Jeder wusste, ohne EPO ist nicht viel möglich": Ex-Rad-Profi Rolf Järmann gesteht EPO-Missbrauch
zuletzt aktualisiert: 07.09.2000 - 19:48Zürich (dpa). Der frühere Schweizer Rad-Profi Rolf Järmann hat zugegeben, während seiner Laufbahn das verbotene Doping-Mittel Erythropoietin (EPO) verwendet zu haben. In der Donnerstag-Ausgabe der "Neuen Zürcher Zeitung" bekannte sich der Schweizer zu seinen Ausführungen, die tags zuvor in der selben Zeitung als Auszüge aus dem Buch "Doping, Spitzensport als gesellschaftliches Problem" noch anonym veröffentlicht worden waren.
Järmann schildert in dem Buch, wie er zu Beginn der 90er Jahre erstmals mit EPO konfrontiert worden sei. Lange habe er sich gesträubt, doch irgendwann habe er sich die Grundsatzfrage gestellt: "Höre ich auf oder mache ich weiter und zwar mit reellen Erfolgsaussichten? Jeder wusste, ohne EPO ist nicht viel möglich." Das Mittel habe er sich in der Schweiz in Apotheken besorgt, mit einem ärztlichen Rezept: "Die Apotheker wussten genau, wofür ich das brauchte. Aber die waren froh, dass sie so den Umsatz erhöhen konnten."
Zu Alex Zülle, der 1998 nach dem Skandal bei der Tour de France den Gebrauch von EPO gestanden hatte und in der laufenden Vuelta nach einer Woche im Goldenen Trikot des Führenden komplett einbrach, befand Järmann gegenüber der Tageszeitung "Blick": "Das ist keine Überraschung. Denn ich weiß, mein Freund Alex fährt jetzt sauber - garantiert. Aber ohne EPO kann man nur zehn Etappen auf sehr hohem Niveau fahren. Danach ist der Ofen ausgebrannt." Zu den im eigenen Land stark fahrenden Spaniern meinte Järmann, dass dort die Doping- Kontrollen nicht so strikt seien wie in Italien und Frankreich.
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