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Giro: Heppner weiter im Rosa Trikot: Favorit Casagrande ausgeschlossen

zuletzt aktualisiert: 28.05.2002 - 20:15

Conegliano (rpo). Das rosa Wunder dauert an: Zum neunten und wohl letzten Mal hat Telekom-Veteran Jens Heppner das Rosa Trikot beim 85. Giro d'Italia erfolgreich verteidigt. Damit geht er als Spitzenreiter mit 48 Sekunden Vorsprung vor Cadel Evans aus Australien auf die "Königs-Etappe" in den Dolomiten.

Beim 38. Giro-Tagessieg von Italiens Sprintstar Mario Cipollini nach 3:58:06 Stunden vor dem Spanier Isaac Calvez Lopez am Dienstag auf dem 15. Teilstück über 158 km von Terme Euganee nach Conegliano reichte dem früheren deutschen Meister ein Platz im Hauptfeld, um die auf der sechsten Etappe eroberte Trophäe noch einen weiteren Tag zu behalten.

Überschattet wurde das Teilstück am Abend vom Ausschluss des italienischen Favoriten Francesco Casagrande, der mit 1:07 Minuten Rückstand auf Heppner auf Rang vier lag und mit dessen Angriff auf der Etappe am Mittwoch gerechnet worden war. Die Rennkommissare ahndeten damit die Tatsache, dass der 31-Jährige willentlich den Sturz des anderen Fahrers verursacht habe. Casagrande hatte den kolumbianischen Meister John Fredy Garcia gegen die Absperrung gedrängt. Garcia zog sich bei dem Sturz Gesichtsverletzungen zu und war sogar einige Minuten bewusstlos.

Unbeirrt davon genoss Jens Heppner sein zehntes "Maglia Rosa". "Das ganze ist wie ein Traum. Ich genieße jeden Tag, aber wenn es morgen in die Dolomiten geht, wird meine Zeit vorbei sein", sagte der Thüringer. Das wird der im belgischen Kelmis lebende Geraer am Mittwoch auf dem 16. Teilstück über 163 km von Conegliano mit vier schweren Bergprüfungen bis nach Corvara in Badia kaum behalten können.

Giro-Geschichte vor allem aus deutscher Sicht hat der letzte DDR-Straßenmeister allerdings ohnehin schon geschrieben. Nur zwei Deutsche fuhren vor ihm in der Geschichte der 1909 erstmals gestarteten Italien-Rundfahrt in Rosa. Vor exakt 70 Jahren führte der Berliner Hermann Buse fünf Tage die Gesamtwertung an, 1981 trug Gregor Braun aus Neustadt einen Tag das begehrte Trikot.

Daheim in Cottbus fiebert Danilo Hondo mit seinem Teamkollegen Heppner. "Die Mannschaft fährt sensationell für Papi. Heppe hat uns jungen Fahrern viel Erfahrung mitgegeben. Er ist wie ein Vater. Er weiß, wie man sich durchbeißen muss", sagte der Sprinter, der nach der fünften Etappe wegen des Todes seiner Mutter beim Giro ausgestiegen war.

Am Dienstag hatte Heppner trotz regnerischem Wetter keine Schwierigkeiten, um mit Hilfe seiner Teamkollegen auf dem meist flachen Abschnitt das Feld zu kontrollieren. Auf die Flucht von Thierry Marichal 38 km nach dem Start reagierte das Peloton nicht, als "Einzelkämpfer" holte der Belgier zeitweise über zwei Minuten Vorsprung heraus, wurde aber nach rund 70 km wieder eingefangen.

Vor dem Start hatten sich alle 157 Giro-Fahrer Blutkontrollen unterziehen müssen. Offenbar waren dabei sämtliche Ergebnisse negativ. Zum Doping-Problem legte am Dienstag Giro-Direktor Carmine Castellano dem Internationalen Radsportverband (UCI) ein Dokument mit einer Reihe von Vorschlägen zur Bekämpfung des Übels vor. Punkt eins des Dokuments sieht vor, dass Radsportler, die bei der A-Probe als Dopingsünder positiv getestet wurden, sofort das Rennen aufgeben müssen, ohne auf das Ergebnis der B-Probe warten zu können.

Ergebnisse der 15. Etappe des Giro d'Italia

15. Etappe (Abiano Terme - Conegliano/156 km): 1. Mario Cipollini (Italien) 3:42:49 Stunden (39,072 km/h); 2. Isaac Galvez (Spanien); 3. Alessandro Petacchi (Italien); 4. Steven de Jongh (Niederlande); 5. Zoran Klemencic (Slowenien); 6. Rene Haselbacher (Österreich); 7. Massimo Strazzer (Italien); 8. Christophe Detilloux (Belgien); 9. Igor Astarloa (Spanien); 10. Mathew Hayman (Australien) alle gleiche Zeit

Gesamtstand:

1. Jens Heppner (Gera) 64:29:54 Stunde; 2. Cadel Evans (Australien) 0:48 Minuten zurück; 3. Tyler Hamilton (USA) 1:06

Quelle: RPO Archiv

 
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