Tennis: Bis auf Serena Williams sind die Gesetzten weiter: Favoriten gaben sich keine Blöße
zuletzt aktualisiert: 28.03.2000 - 10:43Miami (dpa). Steffi Graf verließ mit strahlenden Augen den Center Court. Ohne große Probleme hatte sich am Montag (Ortszeit) ihr Freund Andre Agassi mit einem 6:4, 6:3 gegen den Rumänen Andrei Pavel ins Achtelfinale des mit 5,725 dotierten Tennis-Turniers in Miami gespielt.
Wie der Weltranglisten-Erste aus Amerika gaben sich auch die anderen noch im Wettkampf stehenden Favoriten keine Blöße und zogen in die nächste Runde ein - mit einer Ausnahme. Die als Nummer fünf gesetzte US-Open-Gewinnerin Serena Willimas (USA) scheiterte im Achtelfinale mit 6:7 (2:7), 6:1, 3:6 an ihrer stark auftrumpfenden Landsfrau Jennifer Capriati.
So behend wie sich Agassi seiner Pflichtübung entledigte, verschwand er nach dem Matchball aus dem Stadion. Rasch Duschen, schnell noch zur Presskonferenz und dann nichts wie weg mit Steffi. "Nach meinem Durchhänger in Indian Wells spüre ich, wie ich von Spiel zu Spiel stärker werde. Ich bin guter Hoffnung, hier als Sieger das Turnier zu verlassen", sagte der sechsmalige Grand-Slam-Gewinner, der am Dienstag (Ortszeit) im "Spiel des Tages" erst einmal Patrick Rafter bezwingen muss.
Der Australier kämpft wie Lleyton Hewitt und Mark Philippoussis um einen der beiden Einzelplätze für das Daviscup- Viertelfinale kommende Woche gegen Deutschland. "Ich will spielen, deshalb muss ich Andre schlagen", kündigte Rafter an.
Von den deutschen Daviscup-Spielern hatte sich David Prinosil am Montag als Letzter aus dem Crandon Park verabschiedet. Der Amberger verlor mit seinem Doppelpartner Mikael Tillstrom (Schweden) gegen Patrick Galbraith/Brian MacPhie (USA) 1:6, 4:6.
Als einzige Deutsche steht noch Anke Huber im Doppel-Wettbewerb. Die Karlsdorferin siegte mit Barbara Schett (Österreich) gegen Catherine Barclay/Larisa Neiland (Australien/Lettland) 6:2, 6:0. Im Achtelfinale treffen sie auf Amanda Coetzer/Lori Mcneil (Südafrika/USA).
Trotz ihres Ausscheidens rückte Serena Williams ins Rampenlicht. Nach ihre Niederlage hatte die vorjährige US-Open-Gewinnerin erklärt, dass sie an dem am 17. April in Hilton Head Island (South Carolina) beginnenden WTA-Turnier nicht teilnehmen wird.
Als schwarze Sportlerin möchte sie wie andere US-Athleten und Mannschaften auch gegen die in dem US-Bundesstaat noch immer auf öffentlichen Gebäuden gehisste Konföderationsflagge protestieren. Das Banner galt während des Bürgerkriegs den Südstaaten in den 60-iger Jahren des 19. Jahrhunderts für die schwarze Bevölkerung als ein Symbol für Sklaverei, Ausbeutung und Unterdrückung. "Ich kann das nicht unterstützen, und starte deshalb nicht", so Williams.
Für kaum weniger Gesprächsstoff sorgte Anna Kurnikowa, obwohl auch sie ausschied und weiter auf den ersten Turniersieg warten muss. Der russische Männerschwarm besaß gegen die Nummer sieben, Monica Seles (USA), beim 1:6, 6:3, 0:6 nur im zweiten Satz eine Chance. Schlechte Karten hat Kurnikowa auch beim FBI von Miami, das sie wegen "Randalierens in einem Passagier-Flugzeug" anklagen will.
"Ich denke, das war nur ein Missverständnis. Es gab keinen Trouble. Das einzig Wahre ist, dass ich wegen des verspäteten Abfluges meinem Hund eine Pille gab und ihn deshalb aus dem Transportbehälter nahm", sagte der Teenager zu dem Vorfall vom 19. März. Während des Fluges von Dallas nach Florida habe sie sich laut der Stewardessen geweigert, ihren Vierbeiner in die vorgesehene Kiste zu setzen. Der Pilot des Fluges informierte daraufhin das FBI.
Ergebnisse:
Damen-Einzel, Achtelfinale: Lindsay Davenport (USA) - Elena Lichowtsewa (Russland) 6:4, 6:4; Nadejda Petrowa (Russland) - Sabine Appelmans (Belgien) 6:3, 6:2; Monica Seles (USA) - Anna Kurnikowa (Russland) 6:1, 3:6, 6:0.
Viertelfinale: Hingis - Coetzer; Frazier - Seles; Capriati - Testud; Petrowa - Davenport.
Herren-Einzel, 3. Runde: Andre Agassi (USA) - Andrei Pavel (Rumänien) 6:4, 6:3; Wayne Ferreira (Südafrika) - Richard Fromberg (Australien) 6:3, 6:4; Gustavo Kuerten (Brasilien) - Goran Ivanisevic (Kroatien) 7:6 (7:4), 6:3; Tim Henman (Großbritannien) - Mariano Zabaleta (Argentinien) 6:3, 6:3; Marcelo Rios (Chile) - Nicolas Escude (Frankreich) 6:2, 3:6, 6:1.
Achtelfinale: Agassi - Rafter; Henman - Rios; Ferreira - Hrbaty; Pozzi - Kuerten; Gambill - Philippoussis; Hewitt - Kafelnikow; Enqvist - Lapentti; Rusedski - Sampras.
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