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FC Bayern München
Guardiola wird zum Maulwurf-Jäger

München/Düsseldorf. Pep Guardiola war schon Champions-League-Sieger, Fußball-Rundum-Erneuerer, taktischer Revolutionär und Erfinder der Dreifach-Wertschätzung ("top, top, top"). Nun wird Bayern Münchens Trainer auch noch zum Maulwurf-Jäger. Vor der Begegnung mit der TSG Hoffenheim hatte offenbar jemand aus der Kabine geplaudert. So war die Nachricht an die Öffentlichkeit gelangt, dass einige Spieler ein paar Kilo zu viel aus der Winterpause in den Rückrundenauftakt geschleppt hatten. Begeistert von der Plaudertasche ist Guardiola nicht. Überhaupt nicht. Schwer gereizt fragte er gestern in die Medienrunde: "Wo spielt dieser Anonymous? Wo? Ist er Rechtsverteidiger oder Innenverteidiger? Oder spielt er nach vorne? Wo spielt er? Oder vielleicht ist er aus dem Staff? Ich kenne diesen Spieler nicht."

Ein Teil der Münchner Medienvertreter konnte da auch nicht weiterhelfen, ein anderer Teil wollte nicht weiterhelfen. Er durfte sich allerdings in seiner Berichterstattung von höchster Stelle bestätigt fühlen. Der Maulwurf hatte auch über schlechte Stimmung im Team geflüstert. Davon wollte Guardiola aber nichts wissen. Man könne nicht eine derart erfolgreiche Hinrunde spielen, wenn die Mannschaft keine gute Laune habe, sagte er. "Die Stimmung ist gut, richtig, richtig gut." Dass Guardiola derart verärgert reagiert, könnte ein Beleg für das Gegenteil sein.

Der Klub weiß, dass mit Störfeuern bei der Abschiedstournee für den Trainer zu rechnen ist. Natürlich gibt es im Team Spieler, die sich von ihm zurückgesetzt fühlen. Möglicherweise sehen sie die Gelegenheit, mit gezielten Tipps in der Öffentlichkeit für reichlich Getuschel zu sorgen. Solange aber der Siegeszug des Rekordmeisters anhält, bleibt das wirkungslos - von gelegentlichen Ausbrüchen des Trainers abgesehen.

Sollte sich jedoch mal eine Krise in den gemeinschaftlichen Lebensweg stellen, könnten öffentliche Diskussionen für Guardiola gefährlich werden. Auch das weiß die Klubführung. Vereinschef Karl-Heinz Rummenigge will erst gar nicht den Eindruck aufkommen lassen, Guardiola werde in seinen letzten vier Monaten bei den Bayern eine wirkungslose "lahme Ente". Im klubeigenen Magazin stellte er ihm Rückendeckung "bis zum letzten Arbeitstag" in Aussicht, "das können sich alle hinter die Ohren schreiben, die eine Lame-Duck-Diskussion anzetteln möchten". Auch hier ist der Grad der Erregung ein Zeichen für die Anspannung.

Schließlich stehen die Bayern im dritten Jahr mit Guardiola vor großen, selbst formulierten Zielen. Sie wollen mit dem besten Trainer der Welt das bestmögliche Ergebnis. Jupp Heynckes hat es vor knapp drei Jahren vorgemacht. Er gewann die Meisterschaft, den deutschen Pokal und die Champions League. Es war ebenfalls die Abschiedstournee. Einen Maulwurf gab es nicht.

Quelle: RP
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