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WM-Vergaben 2018 und 2022
Fifa-Ethikkommission erhebt Anklage gegen Beckenbauer

Das ist aus den WM-Helden von 1990 geworden
Das ist aus den WM-Helden von 1990 geworden FOTO: dpa, jhe sk_A hak nic
Düsseldorf/Zürich. Franz Beckenbauer ist nicht nur durch die "Spiegel"-Geschichte über angebliche schwarze Kassen und Korruption bei der Vergabe der WM 2006 nach Deutschland ins Gerede geraten. Auch die Fifa-Ethikkommission hat den deutschen Fußball-Kaiser ins Visier genommen. Sie schloss ihre Untersuchungen, die mindestens seit dem Sommer 2014 geführt wurden, ab und erhob gestern Anklage gegen Beckenbauer.

Es geht offenbar um die Vergabe der WM-Turniere 2018 nach Russland und 2022 nach Katar. Darüber hatte im Jahr 2010 das Exekutivkomitee des Weltverbands entschieden, in dem Beckenbauer saß. Wie alle anderen 21 Mitglieder des damaligen Komitees hatte der 70-Jährige bereits vor der Ethikkommission aussagen müssen. Sie bestätigte noch im Juli ein Verfahren gegen den Ehrenpräsidenten des FC Bayern München.

Vor gut einem Jahr hatte sie Beckenbauer bereits einmal mit einer 90-Tage-Sperre belegt, weil er auf einen Anhörungsbogen nicht antworten wollte. Seine Begründung: Der Fragebogen sei auf englisch verfasst. Später antwortete er doch. Durch die Sperre allerdings, die ihm alle Tätigkeiten im Fußball für drei Monate untersagte, reiste Beckenbauer auch nicht zur Weltmeisterschaft nach Brasilien.

Seit längerer Zeit gibt es Anzeichen dafür, dass bei der Vergabe der Turniere an Katar und Russland Korruption im Spiel gewesen sein könnte. Seltsame Zufälle wie die Tatsache, dass der Sohn des Komitee-Mitglieds Michel Platini nach der Abstimmung für Katar einen gut dotierten Job bei den Scheichs bekam, nähren den Verdacht. Platini ist bis heute das einzige Komitee-Mitglied, das offen seine Unterstützung für Katar erklärte. Beckenbauer ließ sich vom russischen Staatskonzern "Gazprom" als Sportbotschafter verpflichten - nach der Wahl Russlands.

Von den 22 Mitgliedern des Exekutivkomitees, das 2010 im Amt war, sind neun Männer gesperrt - teilweise lebenslang. Die prominentesten sind Fifa-Präsident Sepp Blatter und Uefa-Präsident Michel Platini. Die ehemaligen Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner und Mohamed bin Hammam sind auf Lebzeit aus Sportämtern entfernt worden. Issa Hayatou, der bis zum Ende von Blatters Sperre den Weltverband führt, wurde vom Internationalen Olympischen Komitee offiziell gerügt, weil er in eine Korruptionsaffäre um den Sportvermarkter ISL verwickelt war.

Noch hat die Ethikkomission den Inhalt der Anklage gegen Beckenbauer nicht veröffentlicht. Ein Urteil wird der Australier Alan Sullivan sprechen. Sein Kollege in der rechtsprechenden Kammer, der Münchner Richter Hans-Joachim Eckert, gilt als befangen.

(pet)
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