Formel-1-Testtag in Valencia: Schumacher fährt allen Zweifeln davon

zuletzt aktualisiert: 02.02.2010 - 17:38

Valencia (RPO). Michael Schumacher präsentiert sich in Top-Form und fährt allen Zweifeln davon. "Ich fühle mich sehr gut. Ich denke, dass die Zeiten das halbwegs bestätigen", sagte der 41-Jährige im Rückblick auf seinen ersten offiziellen Testtag als Mercedes-Werksfahrer nach drei Jahren Formel-1-Pause. Schumacher hat nichts verlernt - und das hat er sich jetzt auch selbst bewiesen.

"Es hätte natürlich auch sein können, dass ich vielleicht Zweifel habe und einfach nicht mehr mit von der Partie sein könnte. Mit den Zeiten habe ich im Prinzip aber schon bestätigt, dass das nicht der Fall ist. Ob ich dann das letzte bisschen noch habe wie ich es früher hatte, wird abzuwarten sein. Aber auf jeden Fall habe ich dafür jede Menge mehr Erfahrung", sagte Schumacher, der in Valencia schnell, fit und entspannt auftrat.

Sein früherer Teamkollege Rubens Barrichello fühlte sich von Schumachers Auftritt offenbar gleich an seine Zeiten als chancenloser Wasserträger bei Ferrari erinnert und gab dem zweiten Mercedes-Piloten Nico Rosberg gleichen einen Rat. "Sieh zu, dass du da wegkommst", sagte der 37 Jahre alte Brasilianer: "Ich hege keinen Groll. Aber mit dem Wissen, das ich habe, und angesichts dessen, wie schnell Michael war, wird es ein schwieriger Job für Nico."

Rosberg reagierte darauf mit einem Lächeln. "Natürlich ist es eine Herausforderung, gegen den Besten aller Zeiten anzutreten. Aber ich bin auch stark und daher zuversichtlich", sagte er: "Aus Barrichellos Sicht ist es vielleicht zu verstehen, so etwas zu sagen."

Mercedes-Teamchef Ross Brawn, seinerzeit Vorgesetzter von Schumacher und Barrichello bei Ferrari, war nicht überrascht, dass Schumacher so schnell wieder sein altes Tempo erreicht hat. "Es wäre eine größere Überraschung für mich gewesen, wenn das nicht der Fall gewesen wäre. Es war einfach nur die Bestätigung dessen, was wir beide gedacht hatten. Michael sollte absolut wettbewerbsfähig sein", sagte das "Superhirn", unter dessen Regie Schumacher all seine sieben WM-Titel gewonnen hat.

Brawn nahm allerdings auch Rosberg in Schutz, der am Montag sechs Zehntelsekunden langsamer war als der Rekordchampion. "Nicos Zeit ist nicht ganz repräsentativ angesichts der Probleme, die er im Auto mit seiner Sitzposition hatte. Das beeinträchtigt ein bisschen die Beurteilung seiner Leistung. Wir kennen die Benzinmengen beider Fahrer, und ich denke, Nico war gut unterwegs", sagte der Engländer.

Am Dienstag war Rosberg, der erneut Probleme mit der Sitzposition und dadurch mit der Sicht hatte, Fünfter, während Ferrari-Pilot Felipe Massa wie schon beim Auftakt die Bestzeit markierte. Insgeamt zog Rosberg aber ein positives Fazit seines ersten kompletten Testtages, "weil meinen Rhythmus finden konnte".

Auch Schumachers Arzt Johannes Peil war mit dem Auftritt seines Patienten zufrieden. "Das Schönste ist, wenn man feststellt, dass Michael sich voll und ganz auf das Fahren konzentrieren konnte. Es ist so, dass er durch nichts beeinträchtigt war. Er war mit Spaß, mit voller Freude und voller Emotion wieder beim Autofahren. Und dann weiß man, wie es ihm geht", sagte Peil.

Aus dessen Sportklinik in Bad Nauheim steht Schumacher rund um die Uhr ein Physiotherapeut zur Verfügung, der gemeinsam mit ihm direkt im Fahrerlager in einem Luxus-Wohnmobil übernachtet, das Schumacher von seinem Bruder Ralf ausgeliehen hat. Gemeinsam unternahmen die beiden an Schumachers "freiem" Dienstag, als Rosberg die Testarbeit erledigte, bei strahlendem Sonnenschein und rund 12 Grad eine einstündige Runde mit dem Rennrad durch die Berge rund um die Strecke.

Zweifel an Schumachers Gesundheit hat Peil nicht mehr. "Man bereitet sich in diesem Geschäft so intensiv vor, dass man vor so einem ersten Höhepunkt schon ziemlich genau weiß, wo man steht", sagte der Mediziner, der Schumacher im August 2009 wegen der Nachwirkungen der Nackenverletzung noch davon abgeraten hatte, als Ersatz für Felipe Massa einzuspringen: "Es ist auch eine ganz andere Situation. Damals war der Zeitpunkt des Wiedereintritts nicht gewählt, nicht von Michael und nicht von seinen Betreuern. Jetzt konnte man sich in Ruhe vorbereiten. Er hatte vorher Vertrauen in seine Leistungsfähigkeit, und jetzt ist er zurück in der Normalität."


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Quelle: SID/rl

 
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