Düsseldorf (RPO). Es ist kein Geheimnis, dass sich der Spanier Fernando Alonso bei McLaren-Mercedes nicht wohl fühlt. Wenn die Konditionen stimmen, dürfte der zweimalige Formel-1-Champion zu dem Team zurückkehren, in dem er seine größten Erfolge feierte.
Ungewisse Zukunft: Fernando Alonso. Foto: AFP
David Coulthard, ein Schotte, geizt nicht mit Lob. „Wenn ihm das Team so viel Kopfzerbrechen bereitet, finde ich es unglaublich, dass er trotzdem eine so starke Leistung zeigt“, sagt der mit 36 Jahren älteste der 22 aktuellen Formel-1-Fahrer. Fernando Alonso, der sich seine Zeit bei McLaren-Mercedes anders vorgestellt hatte, zeige auf der einen Seite eine emotionale Verwundbarkeit, auf der anderen Seite aber auch eine enorme Charakterstärke.
Zweifel am Spanier waren Ende 2005 aufgetaucht, als der Renault-Pilot am 19. Dezember ankündigte, ab 2007 für McLaren-Mercedes zu fahren - was ihn aber nicht daran hinderte, ein zweites Mal für den französischen Autobauer den WM-Titel zu gewinnen und sich als Champion zu verabschieden. Von der Euphorie und Freude ist nach fast zwei Jahren wenig geblieben.
Seit gut einem Monat nutzt der Spanier jede Gelegenheit, sich über mangelnden Respekt, Gefühlskälte und Lügen auszulassen und McLaren-Chef Ron Dennis anzugreifen. Die Spannungen im Team haben nun dazu geführt, dass der Automobil-Weltverband (FIA) beim Saisonfinale in Sao Paulo einen speziellen Beobachter abstellen will. Der soll sicherstellen, dass Alonso die gleichen Bedingungen hat wie Lewis Hamilton.
Der von Ron Dennis geförderte Formel-1-Neuling, im Fahrerlager als „Papas Liebling“ bezeichnet, führt mit 107 Punkten vor Alonso (103) und Ferarri-Fahrer Kimi Räikkönen (100). Angeblich hat Titelverteidiger Alonso bereits eine Absichtserklärung unterschrieben, künftig wieder für Renault zu fahren. Die spanische Zeitung „AS“ will herausgefunden haben, dass Konzern-Chef Carlos Ghosn die Rückhol-Aktion in Auftrag gegeben hat und Hauptsponsor ING sich mit sieben Millionen Euro am Jahresgehalt des Spaniers von geschätzt 22 Millionen beteiligen wird.
Der Knackpunkt der Gespräche war die Vertragsdauer. Ghosn forderte einen Kontrakt über drei Jahre. Er wollte verhindern, dass Alonso nur ein Jahr bei Renault „parkt“ und dann zu Ferrari wechselt, wo der Platz von Felipe Massa (Brasilien) dann wohl frei wird. Ob die Italiener ihm allerdings den Status des Nummer-1-Fahrers garantieren, so wie sie es ein Jahrzehnt lang bei Michael Schumacher getan haben, ist ungewiss.
Spekuliert wird auch heftig über den möglichen Teamkollegen von Alonso bei Renault. Top-Kandidat ist Heikki Kovalainen. Der Finne hat, nach Anfangsschwierigkeiten, seine Fähigkeiten eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Hoffnungen, vom Test- zum Stammfahrer aufzusteigen, macht sich der Brasilianer Nelson Piquet Junior. Beim Poker mit am Tisch saß offenbar auch Toyota. Angeblich haben die Japaner bis zu 35 Millionen Euro pro Saison geboten. Allerdings hat es Toyota seit dem Formel-1-Einstieg im Jahr 2002 nicht geschafft, ein siegfähiges Auto zu bauen.
Williams, das mit den gleichen Motoren unterwegs ist, hat dem Lieferanten die Schau gestohlen. Und Ralf Schumacher, der in Sao Paulo sein letztes Rennen für Toyota bestreitet und noch einen neuen Arbeitsplatz sucht, ist skeptisch, dass sich so schnell etwas ändern könnte. „Ich sehe diesbezüglich keine Anzeichen. Aber vielleicht liege ich falsch“, sagte der 32-Jährige. Der in Salzburg lebende Kerpener kann sich einen Wechsel zum Team India (bisher Spyker) vorstellen, und er hätte auch Gefallen daran, beim Aufbau eines Teams mitzuhelfen.
Vijay Mallya, ein schwerreicher Inder und seit wenigen Wochen Mitbesitzer des Rennstalls, kennt Schumacher aus seiner Zeit als Sponsor bei Toyota. „Ich schätze Ralf sehr. Aber eine Fahrerpaarung sollte man nicht nach dem Herzen, sondern mit dem Kopf entscheiden“, sagte Mallya. Begeisterung hört sich anders an.
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