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Entscheidung in Spionage-Affäre: Alonso-Wechsel zu Renault am Montag?

zuletzt aktualisiert: 07.12.2007 - 13:43

Düsseldorf (RPO). Aufatmen bei Renault und Zufriedenheit bei FIA-Chef Max Mosley: Nach der Entscheidung des World Motor Sport Council des Automobil-Weltverbandes FIA, Renault trotz des Besitzes geheimer Daten des Konkurrenten McLaren-Mercedes nicht zu bestrafen, wollen die Beteiligten den Fall schnell zu den Akten legen.

Es sei denn, es würden noch einmal neue Beweise auftauchen. Dann könnte die Angelegenheit noch einmal neu aufgerollt werden, stellte die FIA in der fünfseitigen Urteilsbegründung klar.

Diesmal war der Italiener Flavio Briatore mit dem Urteilsspruch zufrieden. Zumal er den Weg für die Rückkehr von Alonso zu den Franzosen ebnen könnte. Die spanische Sportzeitung "AS" folgerte nach dem Urteil, dass der Wechsel jetzt unmittelbar bevor stünde und am kommenden Montag perfekt gemacht wird. Dieser Tag sei der einzige freie Termin im Kalender von Renault-Chef Carlos Ghosn.

Reanult spart durch das Urteil diverse Millionen, Geld für den Alonso-Transfer ist da. Doch Alonso bleibt weiter für andere Rennställe ein Thema, aber die besten Karten dürften nun in der Tat bei Renault liegen.

"Trotz einiger sehr unbefriedigender Elemente kam das World Motor Sport Council zu dem Schluss, dass keine ausreichenden Beweise vorliegen, dass die Informationen in einer Weise genutzt wurden, die einen Einfluss oder Auswirkungen auf die Meisterschaft hatten", begründete die FIA ihren Urteilsspruch.

"Keine Entscheidung ist einfach. Aber mit dieser Entscheidung bin ich absolut einverstanden", sagte Mosley nach der Anhörung am Donnerstag in Monte Carlo. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone, ebenfalls Mitglied des 26-köpfigen World Council, meinte: "Wir sind immer fair."

Möglich ist allerdings, dass man bei McLaren-Mercedes nicht unbedingt dieser Meinung ist. Die Silberpfeile waren in ihrer Affäre um geheime Ferrari-Daten in der ersten Verhandlung ebenfalls straffrei geblieben, obwohl sie wie jetzt Renault nach Meinung des Gremiums gegen Artikel 151c der International Sporting Code (Handlungen gegen den Geist des Sports) verstoßen hatten.

Im September wurde McLaren-Mercedes aber dann doch zur Rekordgeldstrafe von 100 Millionen Dollar (damals 72 Millionen Euro) und dem Abzug aller Konstrukteurspunkte für 2007 veruteilt.

Grund dafür waren fortlaufende Mail- und SMS-Kontakte zwischen Ferrari-Mann Nigel Stepney und dem damaligen McLaren-Chefdesigner Mika Coughlan, in den auch Ex-Weltmeister Fernando Alonso und Testfahrer Pedro de la Rosa (Spanien) eingebunden gewesen sein sollen. Solche fortlaufenden Kontakte hatte es jetzt im Renault-Fall nicht gegeben, wie die FIA erklärte.

Ansonsten waren die Fakten scheinbar ähnlich. 780 Seiten Ferrari-Material standen nun 762 Seiten McLaren-Informationen gegenüber, die der frühere Silberpfeil-Mitarbeiter Phil Mackereth bei seinem Wechsel zu Renault auf 11 Computer-Disketten mitgenommen hatte. Diese Daten waren ins Renault-Computersystem eingespeist und wohl von mindestens neun hochrangigen Teammitgliedern gesehen worden.

Von diesen 762 Seiten hätten aber nur rund 15 Prozent vertrauliche McLaren-Daten enthalten, erklärte die FIA. Dazu wären vier technische Zeichungen von Renault-Mitarbeitern gesichtet worden. Das World Council kam aber zu dem Schluss, dass es keine Beweise dafür gäbe, das diese Informationen in Renault-Entwicklungen eingeflossen seien, beziehungsweise im Fall eines speziellen Dämpfers von den Franzosen überhaupt nicht komplett verstanden worden seien.

So ein Dämpfer wäre von Renault auch nicht verwendet worden. Strafmildernd rechnete die FIA zudem an, dass Renault die Angelegenheit offen in Zusammenarbeit mit dem Verband und McLaren behandelt habe.

Dass vertrauliche Daten des Konkurrenten nicht für einen eigenen Wettbewerbsvorteil ausgenutzt wurden, war auch die Begründung des ersten Freispruchs von der Silberpfeile. Damals hatte Renault-Teamchef Flavio Briatore noch in der Gazzetta dello Sport geschimpft: "Wenn die FIA zugibt, den Besitz von Ferrari-Material durch McLaren nachgewiesen zu haben, warum gibt es dann keine Strafe? Dieses Urteil erinnert mich an Pontius Pilatus."

Quelle: sid

 
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