BMW-Weltfinales: Beeindruckendes Comeback von Zanardi
zuletzt aktualisiert: 25.11.2006 - 14:15Neuss/Valencia (RPO). Ein beeindruckendes Formel-1-Comeback hat der beinamputierte Italiener Alessandro Zanardi am Samstag in Valencia gefeiert. Im Rahmen des Formel-BMW-Weltfinales absolvierte der 40-Jährige in einem auf seine Bedürfnisse umgebauten Formel-1-Auto des BMW-Sauber-Teams insgesamt zwölf Runden.
"Ich bin stolz, dass ich diese Chance bekommen habe. Das Auto ist fantastisch. Es reagiert sehr präzise und läuft wie ein Schweizer Uhrwerk. Das hat mich verblüfft, denn normalerweise braucht es viel mehr Zeit, um an den Details zu feilen", meinte Zanardi und umarmte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen dankbar.
Als erster beinamputierter Rennfahrer saß der 40-Jährige in einem Formel-1-Auto und fuhr auf Anhieb Zeiten, als hätte es die lange Pause nie gegeben. In seiner schnellsten Runde wurde Zanardi in 1:21,63 Minuten gestoppt. "Alex ist auf Anhieb sehr gut zurecht gekommen, was auch an seinen Rundenzeiten abzulesen ist. Man merkt, dass er kein Formel-1-Neuling ist und nichts von seinem Können verlernt hat", sagte Theissen.
Die Münchner hatten einen aktuellen Formel-1-Boliden eigens für Zanardi umgebaut. Gas geben konnte er mit einem Wippschalter, der sich links am Lenkrad befindet. Auf der rechten Hinterseite des Lenkrads ist eine weitere Wippe, mit der Zanardi schaltet. Weil er mit der rechten Hüfte mehr Kraft aufbringen kann, verlegten die Ingenieure das Bremspedal von der linken auf die rechte Seite. Die rechte Prothese des Routiniers wurde wie in seinem BMW-Tourenwagen mit einem Tapeverband am Pedal befestigt. Um den engen Raum im Cockpit noch effektiver nutzen zu können, ließ sich der zweimalige US-Cart-Champion eigens kleinere Prothesen anfertigen.
Zanardi hat in seiner Karriere zwischen 1991 und 1994 sowie 1999 in der Formel 1 für Jordan, Lotus und Williams insgesamt 41 Grand Prix absolviert. Am 15. September 2001 verlor er bei einem schweren Unfall während des Cart-Rennens auf dem EuroSpeedway Lausitz beide Beine - aber nicht seinen Lebensmut.
"Ich habe viele zufriedene Gesichter gesehen, jeder war überrascht, dass es auf Anhieb so reibungslos gelaufen ist. BMW hat mir immer die größte Unterstützung zukommen lassen, besonders in der Tourenwagen-WM. Am Steuer eines Formel-1-Autos zu sitzen, ist jedoch eine ganz andere Welt", verriet Zanardi und machte auch seine besondere Motivation deutlich: "Ich wollte beweisen, dass es für Behinderte keine Hindernisse gibt."
Bereits beim Finale zur Tourenwagen-EM 2004 in Monza hatte Zanardi ein sensationelles Comeback gefeiert und am 28. August 2005 in Oscherleben Motorsport-Geschichte geschrieben, als er als erster körperbehinderter Fahrer ein Rennen (Tourenwagen-WM) gewann. Im ausklingenden Jahr ließ er in Istanbul einen weiteren WM-Sieg folgen.
Im Rahmenprogramm des Formel-BMW-Weltfinales wird Zanardi am Sonntag noch weitere Runden auf der 4,005 Kilometer langen Strecke drehen.
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