Formel 1: Das Loch im Silberpfeil
VON ECKHARD CZEKALLA - zuletzt aktualisiert: 22.02.2012 - 10:08Barcelona/Düsseldorf (RP). Die Öffnung in der Nase des Formel-1-Autos ist neu. Alt ist dagegen die Hoffnung bei Mercedes, endlich zur Spitze aufschließen zu können. "Wir haben gute Arbeit geleistet", sagt Michael Schumacher.
Als Dieter Zetsche im Januar 2010 stolz die neue deutsche Formel-1-Nationalmannschaft präsentierte, sprach er von einem einfachen Ziel: "Wir wollen Weltmeister werden." Da dies in der Königsklasse des Automobilsports nicht so einfach ist, bat der Daimler-Chef um ein bisschen Zeit für den neu formierten Rennstall. Doch offenbar geht es dem 58-Jährigen doch nicht schnell genug.
Am 18. März beginnt in Melbourne die Saison – auch mit Rennen in Asien und den USA, wichtigen Absatzmärkten. Doch "weltweite Präsenz geht nicht weit genug. Sie muss positiv sein, mit Autos, die in der Lage sind, Rennen zu gewinnen", sagte Zetsche vor gut fünf Monaten.
Rennen gewinnen, Titel holen – davon waren Michael Schumacher und Nico Rosberg im Mercedes-Rennwagen weit entfernt. In der vergangenen Saison, als man mutig und radikal beim Entwurf des neuen Autos sich selbst ausbremste, noch weiter als im Premierenjahr. Damals war Rosberg immerhin zweimal Dritter geworden. Mit dem "F1 W03", dessen von Teamchef Ross Brawn als "kontrollierte Aggressivität" bezeichnete Entwicklung im Mai 2011 begann und der gestern zum Auftakt der viertägigen Tests in Barcelona vorgestellt wurde, soll es nun vorangehen. Allerdings, darauf weist man immer wieder gerne hin, habe Red Bull nach dem Kauf des Jaguar-Teams (2005) auch fünf Jahre gebraucht, ehe dann aber zweimal in Folge alle Titel geholt wurden.
"Wir sind so gut vorbereitet wie noch nie", betonte Brawn, dessen Mannschaft in den vergangenen Monaten mit den früheren Technikchefs Bob Bell (Renault), Aldo Costa (Ferrari) und Geoff Willis (Red Bull) verstärkt worden war. "Ich glaube, wir haben ein ganz ordentliches Auto. Aber ich kann nicht garantieren, dass die Konkurrenz nicht ein viel besseres hat", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug in Barcelona.
Während die Konkurrenten ihre neuen Autos bereits Anfang Februar in Jerez präsentierten, waren dort Schumacher und Rosberg noch im leicht aufgepeppten Vorjahresmodell unterwegs. Bei den so gewonnen zehn zusätzliche Entwicklungstagen konnten die in Jerez gesammelten Erkenntnisse (Reifen, Aerodynamik) bereits verarbeitet werden.
Vettel schon wieder der Schnellste
Am vergangenen Donnerstag legten beide Fahrer im "W03" jeweils 50 Kilometer bei Werbeaufnahmen in Silverstone zurück. Am Sonntag spulten sie insgesamt 354 Kilometer in Barcelona ab. Diesen Test hatten sie sich in Jerez aufgespart, wo die Mercedes-Crew bereits nach drei Tagen die Zelte abgebrochen hatte. Als am DIenstagabend in Barcelona am Ende des ersten von vier Tagen abgerechnet wurde, lag Michael Schumacher auf Platz sechs. Allerdings musste er am Nachmittag wegen eines Hydraulikproblems früher als geplant das Auto in der Garage lassen. Schnellster war Weltmeister Sebastian Vettel. Doch noch sagen die Zeiten wenig aus über die Qualität der neuen Boliden, wenngleich nach der ersten Testphase in Jerez bei Ferrari schon wieder nicht allzu zufriedene Gesichter zu sehen waren.
Das Loch vorne in der Nase (die durchströmende Luft soll den Abtrieb, sprich die Bodenhaftung, erhöhen) ist die spektakulärste Neuerung am Silberpfeil, dessen Radstand verlängert und dessen Frontflügel verändert wurden. "Ich bin positiv angetan vom Auto, es gibt aber weder eine Überraschung in die eine noch in die andere Richtung", sagte Schumacher, dessen Test-Job heute von Nico Rosberg übernommen wird. "Wir haben gute Arbeit geleistet. Wie viel sie wert ist, lässt sich erst auf der Strecke feststellen."
Die Zeit des Versteckspiels ist am 17. März vorbei, wenn in Melbourne das Qualifying zum Großen Preis von Australien stattfindet.
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