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Formel 1: Das Teamorderverbot gehört abgeschafft

zuletzt aktualisiert: 09.09.2010 - 10:17

Köln (RPO). Sie ist so alt wie die Formel 1 selbst - und auch genau so lange umstritten: die Teamorder. Lange Zeit war es den Teams in der Königsklasse nicht verboten, ihren Piloten die Reihenfolge auf der Strecke zu diktieren.

Info

Kommentar von
Eckhard Czekalla

Die Mitglieder des World Motor Sport Council haben eine gute Entscheidung getroffen, indem sie die von den Rennkommissaren nach dem WM-Lauf in Hockenheim verhängte Strafe gegen Ferrari nicht veränderten. Teamorder ist zwar in der Formel 1 verboten, sie wird aber praktiziert – nur selten so plump wie von Ferrari. Die Formel 1 ist ein Teamsport, in dem die Fahrer für die Öffentlichkeit zwar die Hauptdarsteller sind, sie aber Angestellte bleiben. Nicht die Teamorder gehört verboten, vielmehr muss das Verbot abgeschafft werden.

Manchmal wurden einfach nur Plätze getauscht, um einem Fahrer mehr WM-Punkte zuzuschieben oder einfach vertragliche Vereinbarungen einzuhalten. In krasseren Fällen ließen sich auch schon mal Fahrer über mehrere Positionen zurückfallen, um ihrem Teamkollegen zu helfen.

Verboten ist die Teamorder in der Formel 1 erst seit 2003. In Paragraf 39.1 des aktuellen sportlichen Reglements der Formel 1 heißt es unmissverständlich: "Teamorder, die ein Rennresultat beeinflusst, ist verboten."

Auslöser für dieses Verbot war ein Platztausch kurz vor der Ziellinie zwischen den Ferrari-Piloten Rubens Barrichello und Michael Schumacher beim Großen Preis von Österreich 2002, als der damalige Ferrari-Teamchef Jean Todt Barrichello per Funk angewiesen hatte: "Let Michael pass for the championship!"

Der Automobil-Weltverband FIA konnte Ferrari damals nicht für den Platztausch an sich bestrafen, verhängte aber wegen Missachtung der Siegerehrungszeremonie (Schumacher holte Barrichello auf die oberste Stufe des Siegerpodestes) eine Geldstrafe von einer Million Dollar, die Hälfte davon für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt.

Grundlage für diese Strafe war der Artikel 151 c des für alle Rennserien gültigen Internationalen Sporting Code. Dort wird "jedes betrügerische Verhalten oder jede Handlung zum Nachteil der Interessen eines Wettbewerbs oder gegen die Interessen des Motorsports im Allgemeinen" als Regelverstoß gewertet. Nach diesem Paragrafen wurde beispielsweise McLaren-Mercedes in der Spionage-Affäre 2007 mit der Rekord-Geldstrafe von 100 Millionen Dollar (damals 72 Millionen Euro) belegt.

Beim Großen Preis von Deutschland am 25. Juli sahen die Rennkommissare auf dem Hockenheimring durch den Platztausch zwischen den Ferrari-Piloten Felipe Massa und Fernando Alonso einen Bruch beider Regeln gegeben, des Paragrafen 39.1 des sportlichen Reglements und des Artikels 151 c des Internationalen Sporting Code.

Sie ließen das Rennergebnis zunächst unangetastet, sprachen aber eine Geldstrafe von 100.000 Dollar (77.500 Euro) aus und verwiesen den Fall zu weiteren Beratungen an das World Motor Sport Council der FIA. Dieses Gremium bestätigte die Geldbuße, verzichtete allerdings auf weitere Sanktionen wie Punktabzüge oder Sperren.

Quelle: SID/chk

 
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