Streit in der Formel 1 geht weiter: Ecclestone: "Die Hersteller sind dumm"
zuletzt aktualisiert: 17.04.2001 - 13:46München (rpo). Trotz mehrfacher Verhandlungen siptzt sich der Kampf um die Machtverhältnissse in der Formel 1 weiter zu. Bernie Ecclestone (Foto) räumt einer Konkurrenz-Serie keine Chancen ein: "Die Hersteller wären dumm, wenn sie glauben, dass dies der beste Weg ist. Sie haben die Lage falsch eingeschätzt. Sie sind in der Formel 1, um ihre Produkte zu verkaufen und nicht, um Rennen zu fahren und Teams zu finanzieren", sagte Ecclestone dem britischen TV-Sender ITV.
Unterstützung erhält Ecclestone von Mercedes-Sportchef Norbert Haug und McLaren-Boss Ron Dennis, die sich gegen die Gründung einer "wilden Serie" aussprachen. "Wir wollen die Formel 1 stabilisieren und nicht kaputtmachen. Wenn ich sagen würde, eine zweite Serie neben der Formel 1 wäre konstruktiv, würde ich lügen. Die bestehende Serie wird nicht zerstört", sagte Dennis. "Es gibt zehn Teams mit einer Hersteller-Verbindung in der Formel 1. Nur Arrows und Minardi haben keine. Wie soll es da eine zweite Formel 1 geben?", meinte Haug.
Formel-1-Zampano Ecclestone sieht sein Lebenswerk dennoch in Gefahr und ist verärgert über die Autohersteller: "Leider habe ich nicht begriffen, was sie wirklich wollen und ob sie eine Beteiligung an meiner Gesellschaft erwerben wollen." Die Hersteller seien unsicher, was passieren werde, wenn er nicht mehr die Kontrolle ausübe, sagte Ecclestone: "Sie wollen nicht in den Händen eines anderen sein."
Für die in der Formel 1 engagierten Unternehmen DaimlerChrysler (Mercedes), Fiat (Ferrari), BMW, Ford und Renault hat der Vorsitzende der europäischen Automobilhersteller (ACEA), Paolo Cantarella, vor kurzem erklärt, eine konkurrierende Serie ins Leben rufen zu wollen. Der Grund dafür ist die Mehrheitsübernahme an der Formel-1-Holding Slec durch die Kirch-Gruppe über EM.TV.
Slec besitzt noch bis 2010 die TV-Rechte an der Formel-1-WM. Die Teams sind vertraglich bis 2007 an die Formel 1 gebunden. Eine konkurrierende Serie könnte also frühestens in sechs Jahren etabliert werden. "Ein Jahr ist schon lange in der Formel 1", sagte Dennis, "aber sechs Jahre sind ein ganzes Leben".
Die Autofirmen befürchten, dass die Kirch-Gruppe die Formel 1 künftig nur noch im Pay-TV live übertragen könnte. Bisher berichten in Deutschland RTL und der Pay-TV-Sender Premiere World direkt von den 17 WM-Rennen. RTL hat noch bis Ende 2003 die Übertragungsrechte. Kirch-Vize Dieter Hahn hatte jedoch mehrfach versichert, die Formel 1 werde nicht im Bezahlfernsehen verschwinden. Offenbar trauen die Autokonzerne diesen Ankündigungen aber nicht.
Italienische Pressestimmen zum Grand Prix von San Marino:
"La Gazzetta dello Sport": "An die Arbeit Ferrari: Ärmel hochkrempeln! Die Enttäuschung von Imola und die Fehler von Brasilien müssen korrigiert werden. Bei Ferrari herrscht roter Alarm. Williams- BMW beendet die Alleinherrschaft von Ferrari und McLaren-Mercedes. Die WM ist wieder offen. Bei den Schumachers feiert wenigstens der schüchterne Ralf. Ralf hat die McLaren beim Start stehen gelassen und ist dann gefahren wie einst Prost, Piquet und Mansell. Ralf ist nicht mehr länger nur das kleine Brüderchen von Michael, der eine rätselhafte Niederlage einstecken musste."
"La Repubblica": "Ferrari ist nicht wiederzuerkennen - ohne Herz erscheint Ferrari wie ein lahmender Esel. Die Enttäuschung von Imola ist beunruhigend. Bitter für Ferrari, aber Michael wird die Niederlage immerhin durch den ersten Grand-Prix-Sieg seines Bruders versüßt. Ralf hat einen Superstart hingelegt."
"Corriere della Sera": "Die große Enttäuschung von Imola. Ferrari im Rückwärtsgang. Schumis schlechter Start und ein technischer K.o. werden Ferrari zum Verhängnis. Ralf Schumachers historischer Sieg bringt Williams-BMW in die WM-Spitze zurück. Jetzt sind die Schumachers die Formel 1-Brüder."
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