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Formel 1 im Zeichen der Trauer: Fahrer: Angst vor Indianapolis

zuletzt aktualisiert: 16.09.2001 - 14:07

Monza (rpo). Die Trauer in Monza vor Augen, die Angst vor dem USA-Grand-Prix im Kopf: Der Befehl der Formel-1-Bosse, trotz der verheerenden Terror-Anschläge in New York und Washington am 30. September in Indianapolis ein Autorennen auszutragen, stößt bei vielen Fahrern auf Unverständnis. "Dass man mitten in den Herd hineinfliegt, kann ich nicht nachvollziehen. Das ist doch ein schlechter Witz. In Indianapolis waren im letzten Jahr 200.000 Zuschauer. Das ist einfach unverantwortlich", kritisierte BMW-Williams-Pilot Ralf Schumacher die Entscheidung.

Trotz aller Gefahren stand eine Absage für Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone nie ernsthaft zur Diskussion. "Wir haben nie in diese Richtung gedacht. Wir haben Verträge, und die müssen wir einhalten", sagte der Engländer im RTL-Interview: "Die Leute in Indianapolis wollen, dass das Rennen stattfindet."

Der Formel-1-Boss sah keine Sicherheitsprobleme in Monza ("Ich wüsste nicht, warum wir zusätzliche Security bräuchten"), und für den Transfer in der USA befürchtet er keine logistischen Probleme. "Der Luftraum ist wieder freigegeben worden. Deshalb sollte es keine Probleme geben", meinte der Engländer. Möglicherweise sollen die gecharterten Frachtflieger in der kommenden Woche von Amsterdam statt von London nach Amerika abheben.

Offiziell folgen die Teams der Entscheidung der FIA, hinter den Kulissen wird aber heftig diskutiert. Spürbar sind die Angst um die persönliche Sicherheit oder die Bedenken, möglicherweise die USA nicht wieder verlassen zu können. Fast jeder scheint darauf zu warten, dass das Rennen von der US-Regierung abgesagt wird. "Natürlich muss das Leben weitergehen. Aber wenn es eine Entscheidung gäbe, nicht zu fahren, wären wir einverstanden", erklärte stellvertretend für viele Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo: "Aber diese Entscheidung muss in den Vereinigten Staaten getroffen werden."

Die Fahrer sind in ihrer Meinung noch gespalten. Während Ralf Schumacher den Trip in die Staaten klar ablehnt, meint Heinz-Harald Frentzen: "Wenn die Amerikaner den Flugraum wieder öffnen, und sie uns haben wollen: Warum sollten wir dann nicht dort fahren." Sein Mönchengladbacher Kollege Nick Heidfeld ist der Meinung, dass eine Entscheidung im Moment nicht möglich sei, weil niemand vorhersagen könne, "wie sich die Situation in den nächsten Wochen entwickelt".

Die Absicht der FIA, mit den Starts in Monza und den USA ein Zeichen zu setzen, bekräftige FIA-Präsident Max Mosley. "Jeder, der den Opfern helfen kann, sollte das tun, genau so jeder, der helfen kann, die Verbrecher zu fassen. Die Pflicht aller anderen ist es, normal weiter zu leben und keine Zugeständnisse an den Terrorismus zu machen oder sich ihm auszuliefern", sagte der Engländer: "Die amerikanischen Behörden werden sicher die geeigneten Maßnahmen getroffen haben, um die Zuschauer bei großen Veranstaltungen zu schützen."

Monza, wo eigentlich eine große Jubelfeier für Weltmeister Michael Schumacher und Ferrari geplant war, stand ganz im Zeichen der Trauer. Die Veranstalter hielten am Sonntag eine Gedenkminute ab, die Teams zeigten ihren Respekt für die Terror-Opfer auf ihre Weise. Ferrari lackierte die Autos schlicht rot mit einer schwarzen Nase, Jordan ersetzte das Post-Logo durch eine US-Flagge, Jaguar färbte die Motorabdeckung schwarz ein, und bei BMW-Williams trugen alle Teammitglieder schwarze Armbinden. DaimlerChrysler spendete 10 Millionen Dollar für die Kinder der Opfer.

Quelle: RPO Archiv

 
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