Bahrain-Rennen abgesagt: Fahrer erleichtert, Presse schimpft
zuletzt aktualisiert: 23.02.2011 - 07:47Düsseldorf/Manama (RP). Salman bin Hamad bin Isa Al Chalifa heißt der Mann, an dem in Bahrain kein Weg vorbei führt. Der Kronprinz des Wüstenstaates ist gleichzeitig stellvertretender Oberbefehlshaber des Militärs und Präsident des nationalen Motorsportverbandes. Wenig überraschend also, dass er das Rennen am Ende persönlich abgesagt hat.
Dem Scheich blieb jedoch kaum eine andere Wahl, als den für den 13. März geplanten Grand Prix aufgrund der anhaltenden Unruhen im Königreich zu streichen. "Wir fühlten uns in der Verantwortung", sagte der Sohn von König Hamad bin Isa Al Chalifa. Die Formel-1-Saison startet nun erst am 27. März in Melbourne .
In den vergangenen Jahren ist viel passiert in der Königsklasse: Spionageaffären, Machtspielchen, absichtliche Unfälle. Ein WM-Lauf war jedoch noch nie in 61 Jahren Formel 1 aus politischen Gründen abgesagt worden. In der sonst nicht immer so harmonischen "Formel-1-Familie" sind sich alle einig und begrüßen die Entscheidung.
"Die Menschen haben dort momentan wirklich wichtigere Themen als die Formel 1", sagte Michael Schumacher. Red-Bull-Teamchef Christian Horner stimmte dem Rekordchampion zu: "Es ist sehr schade, aber es ist die richtige Entscheidung, wenn man bedenkt, was dort passiert." Bisher sind mindestens sieben Menschen bei den Protesten in Bahrain getötet worden.
Bei allem Verständnis für einen Entschluss ohne echte Alternative muss sich Formel-1-Boss Bernie Ecclestone auch Kritik stellen. Besonders die Presse in England prangert die Zurückhaltung des 80-Jährigen an. "Dass die Verantwortlichen in Bahrain von alleine ihren eigenen Großen Preis absagen mussten, damit niemand sonst die Verantwortung übernehmen muss, zeigt, dass der Sport in einem moralischen Vakuum operiert", schreibt der Daily Telegraph.
Ecclestone versichert: Geld spielte keine Rolle
Ecclestone versicherte, Geld habe keine Rolle gespielt. Dennoch wird er die Entscheidung den Bahrainern überlassen haben, um 35 Millionen Dollar Startgeld als Veranstalter der Formel 1 trotzdem zu kassieren. Hätte Ecclestone selbst abgesagt, wäre nichts überwiesen worden.
Hinter dem Ausfall des Bahrain-Rennens steckt eine weitere Erkenntnis: Die Königsklasse des Motorsports entwickelt sich schneller als viele der Länder, in die sie in den vergangenen Jahren gezogen ist. Noch 2003 fanden rund zwei Drittel aller Rennen in Europa statt. Seitdem sind sechs Stationen auf anderen Kontinenten hinzu gekommen. Mit der neuen Strecke in Indien wären 2011 nur noch acht von einst 20 Grand Prixs in Europa ausgetragen worden.
Drastisch äußerte sich die Zeitung Corriere dello Sport aus der Ferrari-Heimat Italien über die neue Formel 1: "Sie hängt vom Geld der asiatischen Wirtschaft ab und spürt die Winde und die Turbulenzen in den Gebieten, in denen es junge oder gar keine Demokratien gibt." Dennoch hält die italienische Presse die Rennabsage für richtig, genauso wie ihre Kollegen aus England. "Dass das Rennen abgesagt wurde, ist peinlich", meint die Times. "Es in Bahrain zu belassen, hätte jedoch weitaus schlimmere Folgen gehabt."
Bei Fahrern und Funktionären war die Erleichterung zu spüren, dass sich die Formel 1 nach politischen Tagen wieder der Saisonvorbereitung widmen kann. "Wir sind am Ende des Tages ein Sport", sagte Sebastian Vettels Teamchef Horner, "wir können jederzeit dorthin zurückkehren." Wann, steht nicht fest. Ein möglicher Termin wäre das Wochenende vor dem Rennen in Abu Dhabi am 7. November.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







