Formel 1: Ferrari sagt Schumacher den Kampf an
zuletzt aktualisiert: 13.01.2010 - 14:36Madonna di Campiglio (RPO). Warme Worte, ein sportliches Lob und eine deutliche Kampfansage: Ferrari trauert dem verlorenen Sohn Michael Schumacher eindeutig nach, rüstet sich aber für ein mögliches Duell mit dem Rekord-Weltmeister um die Formel-1-Krone.
"Es ist schade, dass Michael nicht mehr in Rot fährt, aber das ist seine Entscheidung", sagte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali am Mittwoch in Madonna di Campiglio: "Gut ist, dass Michael ein Interesse an der Formel 1 wieder erweckt hat, das zuletzt verloren gegangen war."
Den 41 Jahre alten Schumacher, der fast 14 Jahre lang als Pilot (1996 und 2006) und Berater (2006 bis Ende 2009) bei Ferrari unter Vertrag stand, sieht er im kommenden Jahr als starken, aber schlagbaren Konkurrenten: "Wenn Michael diese Herausforderung annimmt, dann sieht er die Chance, mit diesem Auto zu siegen. Aber Fernando Alonso hat alle Möglichkeiten, ihn zu schlagen."
Der zweimalige Weltmeister aus Spanien war im Winter von Renault zu Ferrari gewechselt. Seine beste Empfehlung laut Domenicali: "Er hat unter anderem schon Michael geschlagen." Alonso hatte 2005 und 2006, in den letzten beiden Jahren vor Schumachers Rücktritt, den WM-Titel gewonnen.
Die Scuderia sei Schumacher zu großem Dank verpflichtet, ergänzte Domenicali, "er uns aber auch. Deshalb denke ich, dass beide Seiten in der kommenden Saison fair und edel miteinander umgehen werden." Dabei appellierte der Ferrari-Teamchef auch an die Fans: "Sein Verlust hat uns gezeichnet, und alle Anhänger haben seine Entscheidung bedauert. Aber wir dürfen nie vergessen, was Michael für uns geleistet hat."
Dabei sprang Domenicali dem siebenmaligen WM-Champion, der fünf dieser Titel mit Ferrari gewonnen hatte, bei der Vorbereitung auf sein Comeback sogar noch zur Seite. "15 Tage zum Testen für die neue Saison sind zu wenig", sagte er: "Wenn man sieht, dass Michael zurzeit in einem GP2-Auto fahren muss, zeigt das, dass wir etwas tun müssen." Schumacher testet seit Dienstag mit einem Boliden aus der Nachwuchsserie in Jerez.
Im Kampf um die Eroberung des WM-Titels will Domenicali aber alle Freundschaft vergessen. "Wir haben die beste Mannschaft", sagte er selbstbewusst und setzt seine Hoffnungen vor allem auf Alonso. "Was das Talent betrifft, ist er einer der besten", sagte der Teamchef: "Aber selbst der beste Reiter braucht ein gutes Pferd. Ich bin mir sicher, dass wir ihm das richtige Auto bieten können, in dem er zeigen kann, was in ihm steckt."
Vor allem, so bemerkte der Nachfolger des neuen FIA-Chefs Jean Todt mit einer Spitze auf den für geschätzte 15 Millionen Euro Abfindung aus seinem Vertrag entlassenen Kimi Räikkönen, habe Alonso wieder gute Laune ins Team gebracht: "Er bringt eine Menge Enthusiasmus mit. Wir haben jetzt zwei Fahrer mit einer positiven Einstellung. Das war wie frische Luft für uns."
Wie schwer das Erbe Schumachers werden könnte, musste Alonso bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Ferrari-Pilot auf ungewohntem Terrain feststellen. Im italienischen Wintersport-Ort Madonna di Campiglio, wo sich die Scuderia vor jeder Saison der Öffentlichkeit präsentiert, fuhr der eigentlich geübte Skifahrer die schwerste Piste, die so genannte "Schumacher-Streif". Der Kerpener hatte sie stets eindrucksvoll gemeistert und wurde so zum Namensgeber. Alonso stürzte und zerfetzte dabei seinen Skianzug.
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