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WM-Lauf
Baku als Formel-1-Standort umstritten

Formel 1: Baku als Standort umstritten
Ex-Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone FOTO: ap, LB IAS
Baku. Die Formel 1 macht am Wochenende zum zweiten Mal in Aserbaidschan Station. Der Stadtkurs in Baku ist spektakulär, doch der Standort ist selbst bei den neuen Formel-1-Machern umstritten. 

Was Bernie Ecclestone der Formel 1 angetan hat, ist dem langjährigen Alleinherrscher der Motorsport-Königsklasse angeblich erst nach seiner Absetzung bewusst geworden. "Für das, was wir bieten, habe ich den Rennpromotern zu viel Geld abgeknöpft", bekannte der 86-jährige Brite im Frühjahr: "Ich habe einige gute Deals gemacht, wirtschaftlich betrachtet. Aber man muss die Sorge haben, dass die Regierungen im Hintergrund früher oder später sagen: 'Genug ist genug, auf Wiedersehen'."

Vor nicht allzu langer Zeit klang das ganz anders beim früheren Gebrauchtwagenhändler, der den Rennkalender seit der Jahrtausendwende gehörig durcheinander gewirbelt hat. "Ein Gentleman sollte nie über Geld oder die letzte Nacht sprechen", pflegte Ecclestone stets zu sagen, wenn er den nächsten Standort für viele Millionen an den PS-Zirkus gebunden hatte.

Südkorea, Indien oder die Türkei haben sich schon wieder verabschiedet, Malaysia gönnt sich im Oktober zum letzten Mal den teuren Spaß, der für viele Streckenbetreiber in Europa nicht mehr finanzierbar ist. Noch dabei aus der Riege der kontrovers diskutierten Standorte sind Bahrain, China, Russland und seit 2016 auch Aserbaidschan mit der Hauptstadt Baku, die am Sonntag (15.00 Uhr/RTL und Sky) Schauplatz des achten WM-Laufs ist.

Es handelt sich um Staaten, die mit der Formel 1 ihren Ruf aufpolieren wollen und sich die weltweite PR einiges kosten lassen. Die autoritäre aserbaidschanische Führung um Staatschef Ilham Alijew soll rund 30 Millionen Euro an das Formula-One-Management (FOM) entrichten - pro Rennen, und das über zehn Jahre. Die Einnahmenseite in Aserbaidschan sieht dürftig aus, gerade einmal 30.000 Zuschauer ließen sich im Vorjahr auf den Tribünen nieder.

"Ein Grand Prix wie Baku lässt Nordamerika alt aussehen", urteilte Ecclestone dennoch ungerührt. Kritik an der Vergabe in ein Land, das in sämtlichen Ranglisten zur Einhaltung von Menschenrechten und Pressefreiheit weit unten steht und über keinerlei Motorsporttradition verfügt, wischte Ecclestone ebenso rigoros wie selbstentlarvend weg. "Wo sollen wir fahren, wenn wir nur in Länder gehen, in denen es keine Korruption gibt", fragte der Zampano rhetorisch.

Die neue Formel-1-Führung, die Ecclestone direkt nach der Übernahme im Januar auf den Posten des "Ehrenpräsidenten" weglobte, kann mit dem Standort Baku trotz des schönen Rahmens mit einem Mix aus Glaspalästen und historischer Stadtmauer entlang des Kaspischen Meeres wenig anfangen. "Rennen wie Aserbaidschan zahlen zwar hohe Renngebühren, aber sie tun nichts, um die Marke Formel 1 zu stärken", kritisierte Liberty-Media-Geschäftsführer Greg Maffei: "Unser Job ist es, Partner zu finden, die uns gut bezahlen, aber uns gleichzeitig auch helfen, das Produkt zu stärken."

Dieses Potenzial sieht der US-Medienkonzern vor allem jenseits des großen Teichs, Stadtrennen in New York, Las Vegas oder Miami sind die Vision. Generell soll jedes Formel-1-Rennen für Liberty Media mittelfristig ein Mega-Event wie der Super Bowl sein, das traut man Baku trotz der strahlenden Kulisse und teurer Show-Acts im Rahmenprogramm wie den Black Eyed Peas oder Lewis Hamiltons Ex-Freundin Nicole Scherzinger offenbar nicht zu.

Der Rüffel aus Baku folgte prompt. "Mister Maffei hat weniger als ein halbes Jahr mit der Formel 1 zu tun. So etwas zu sagen, ist ignorant", sagte Baku-Streckenpromoter Arif Rahimow und setzte seinerseits die FOM unter Druck: "Wir bezahlen einen Batzen Geld. Wenn beschlossen würde, das Rennen nicht mehr im Kalender zu haben, wäre das für sie ein herber finanzieller Verlust." Die Höhe der Rechnung geht auf Ecclestones Konto.

(sid)
 
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