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Formel 1 in Mexiko
Verstappen und Ricciardo – Red Bulls Geisterfahrer

Ricciardo und Verstappen tragen Horror-Masken
Ricciardo und Verstappen tragen Horror-Masken FOTO: afp, wt
Mexiko-Stadt. Red Bull Racing ist wieder wer, plötzlich machen die Ex-Weltmeister sogar Mercedes das Leben schwer. Das liegt auch an Supertalent Max Verstappen – viel mehr aber am ewig unterschätzten Daniel Ricciardo. Bei der Medienrunde zum Großen Preis von Mexiko erschienen beide in ungewöhnlichem Horror-Outfit.

Schwarze, dicke Ränder um die Augen, eine schwarze Nase und schwarze Wangen, der Rest des Gesichts Weiß: Max Verstappen und Daniel Ricciardo sind bei der Medienrunde vor dem Großen Preis von Mexiko in einem ungewöhnlichen Outfit erschienen. Beide waren als Geister geschminkt. "Jetzt weiß ich, wie sich eine Frau fühlen muss. Eine Stunde hat es gedauert, bis ich fertig geschminkt war", sagte Ricciarco über seinen Look. In Mexiko wird zwischen dem 31. Oktober und dem 2. November das Fest "Dia de los Muertos" (Tag der Toten) gefeiert, ein farbefrohes Fest mit tausenden als Geister und Skelette verkleideten Menschen.

Verstappen hat seinen ganz eigenen Blick auf dieses Saisonfinale. Zwei der besten Piloten der Königsklasse im Mercedes-Duell, Lewis Hamilton jagt Nico Rosberg – doch wäre sein eigener Dienstwagen ein Silberpfeil, so Verstappen, dann würde er selbst jetzt gerade auf den Titel zusteuern.

"Absolut", sagt Verstappen vor dem Großen Preis von Mexiko (Sonntag, 20 Uhr MEZ/Live-Ticker) im Gespräch mit der "Sport Bild": "Ein Rennfahrer braucht dieses Selbstbewusstsein. Und ich glaube das wirklich." Mangelndes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist in der Tat nicht das Problem des jungen Red-Bull-Piloten.

Verstappen ist der Weltmeister der Zukunft

Und Verstappen erhält ja auch viel Aufmerksamkeit. Er hat unzählige Fans, er spaltet mit markigen Worten und harten Renn-Manövern das Fahrerlager. Und eigentlich jeder Experte sieht in dem Niederländer einen Weltmeister der Zukunft.

Bei all der Aufregung um das Supertalent geriet allerdings eines in den vergangenen Monaten ein wenig in den Hintergrund: Verstappen hat bei Red Bull auch noch einen Teamkollegen. Und der ist momentan sogar noch stärker als der Teenager.

Es war bislang irgendwie Daniel Ricciardos Schicksal in der Formel 1, immer ein wenig unterschätzt zu werden. Als der Australier 2014 zu Red Bull Racing kam, überstrahlte sein Teamkollege Sebastian Vettel alles – selbst, als dieser große Probleme mit dem Auto hatte. Und nun teilt sich Ricciardo seit Mai das Team mit dem größten Talent dieses Sports.

Dabei ist auch Ricciardo ein hervorragender Rennfahrer. Wie Verstappen bringt er eigentlich alles mit, ist mit seinen 27 Jahren aber schon viel weiter als der Teenager. So heiter und lustig Ricciardo außerhalb seines Rennwagens ist, so schlau, hart und nervenstark agiert er auf der Strecke – wenn Verstappen in Zukunft wirklich Weltmeister werden will, dann muss er zuallererst an Ricciardo vorbei.

Bislang schaffte er das nicht. Seit dem Großen Preis von Spanien fahren die beiden für ein Team, gemeinsam sind sie mittlerweile so stark, dass sie sogar im Titelkampf zwischen Rosberg und Hamilton noch ein entscheidender Faktor werden könnten.

Ricciardo holte in der gemeinsamen Zeit allerdings 191 Punkte, Verstappen kommt "nur" auf 152 Zähler. Ein Grund ist auch dessen zu oft noch ungestüme Art. Beim US-Rennen am vergangenen Sonntag etwa forderte die Box Verstappen früh zu maßvollem Umgang mit den Reifen auf. Die Antwort: "Ich bin nicht hier, um Vierter zu werden."

Red-Bull-Chef kritisiert Verstappen für aggressive Fahrweise

Bei den Red-Bull-Chefs kam das nicht gut an. "Das muss er lernen", sagte Rennstall-Berater Helmut Marko: "So gewinnst du keine Rennen, so gewinnst du keine Meisterschaften. Er muss die richtige Balance zwischen Attacke und Abwarten finden." Dies sei indes gerade eine Stärke Ricciardos: "Er kann einen sehr guten Speed fahren, ohne den Reifen zu überfordern."

Auch im Umgang mit der Konkurrenz scheint Verstappen bislang etwas zu eigenwillig. Zuletzt sorgte er mit harten Ausbremsmanövern für Diskussionen, der Weltverband FIA änderte nach zahlreichen Beschwerden der anderen Piloten sogar eine Regel. Verstappen zeigte sich dennoch weiter ziemlich gleichgültig. All das könnte irgendwann zum Problem für den jungen Mann werden, glaubt Ex-Pilot Alex Wurz.

Verstappen habe sich "so positioniert, dass er im ganzen Fahrerfeld isoliert ist", sagte der Österreicher dem ORF: "Ich hoffe für ihn, dass es ihm nicht irgendwann zu schaffen macht. Er kann jetzt nicht mehr zurück. Aber er hat auch das Zeug dazu."

(seeg/sid)
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