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Formel 1
Neue Regeln, neue Autos, neue Hoffnung

Die Cockpits für 2017
Die Cockpits für 2017
Düsseldorf. In den vergangenen 59 Formel-1-Rennen saß 51 Mal der Sieger in einem Silberpfeil. Im kommenden Jahr verändert sich das Aussehen der Boliden – und damit auch ihr Fahrverhalten. Dies könnte die Dominanz vom Mercedes beenden. Von Eckhard Czekalla

Seit wenigen Tagen ist Zak Brown (USA) der neue starke Mann bei McLaren. Der ehemalige Chef einer Motorsport-Marketingagentur soll nach dem Abschied von Ron Dennis das kriselnde englische Formel-1-Team wieder auf Kurs bringen. Doch Brown hat auch die Rennserie im Blick, die ungeachtet des zum Schluss dramatischen Ablaufs beim Finale in Abu Dhabi weiter kriselt. Für den 45-Jährigen sind die Fans der Schlüssel zum Erfolg. "Wenn wir mehr Fans bekommen, jüngere Fans, dann haben wir größere TV-Verträge und Sponsoren, die bereit sind, mehr zu zahlen. Die Teams werden gesünder sein, die Veranstalter mehr Eintrittskarten verkaufen", glaubt Brown.

Ein Dorn im Auge sind ihm die hohen Etats mit bis zu 350 Millionen Euro. Diese macht Brown mitverantwortlich für die aberwitzigen Startgebühren. Sie führten dazu, dass Formel-1-Gastspiele für die Rennstrecken zu Zusatzgeschäften werden und die Eintrittspreise - einzige Einnahmequelle der Betreiber - nicht gesenkt werden können.

Monotonie ist in einem auf Geschwindigkeit fixierten Sport ein Killer. "Seriensieger sind nicht gut fürs Produkt", sagte Formel-1-Vermarkter Bernie Ecclestone (86), dessen Geschäftsgebaren nicht schuldlos am Zustand der Königsklasse ist. Die Dominanz von Mercedes ist erdrückend. Seit Beginn der Hybrid-Ära im Jahr 2014 haben die Silberpfeile die WM-Titel bei den Konstrukteuren, bei den Fahrern (Lewis Hamilton/2, Nico Rosberg) sowie 51 der 59 Rennen gewonnen.

Hoffnungen, dass es abwechslungsreicher wird, setzen die Mitbewerber in die neuen Regeln. Die Reifen und das Auto insgesamt werden breiter, der Heckflügel wird niedriger. Dadurch wird die Aerodynamik wichtiger, wenngleich die Power weiter eine große Rolle spielt. Da ist Mercedes top, und beim Antrieb gab es nur kleine Anpassungen. Die Rundenzeiten dürften um bis zu fünf Sekunden sinken, was dem Fan an der Strecke kaum auffallen dürfte. Auch das Tempo in den Kurven wird höher sein wie auch die körperliche Belastung für die Fahrer. Mental seien die Rennen schon anspruchsvoll, aber "ganz ehrlich: Eigentlich müsste ich für die Fahrten gar nicht trainieren", sagte Jenson Button (36). Der Engländer beendete seine Karriere nach 17 Jahren und 305 Starts. Ob die Qualität der Rennen steigt, wird sich zeigen. Skeptiker befürchten, dass ein Überholen durch zusätzliche Luftverwirbelungen noch schwieriger wird.

Sicher ist, dass die großen Teams und großen Hersteller dank finanzieller und personeller Stärke besser mit den Neuerungen fertig werden. Seit Monaten schon arbeiten Ingenieure und Techniker an den Autos. "Es wird sich viel verändern. Das stellt die Uhr für alle in gewisser Weise auf null", meinte Ferrari-Fahrer Sebastian Vettel. "Ich glaube, dass es deutlich enger wird." Red-Bull-Teamchef Christian Horner betont: "Die neuen Regeln sind für jeden wie ein leeres Blatt Papier."

Große Hoffnungen setzt man auch auf den neuen Formel-1-Besitzer Liberty Media. Frühestens 2018, so McLaren-Geschäftsführer Zak Brown, könnten erste Veränderungen greifen. Anders als das Unternehmen CVC Capital Partners, das mit der Formel 1 mehr verdienen wollte als in sie investieren, gehe es dem US-Medienunternehmen um langfristigen Erfolg. Vielleicht ein Hoffnungsschimmer für die Fans in Deutschland. 2015 hatte der Nürburgring kapituliert. 2017 hätte Hockenheim, turnusmäßig in geraden Jahren am Zug, einspringen sollen. "Es gab kein Angebot, das sämtliche wirtschaftlichen Risiken ausgeschlossen hätte", sagte Geschäftsführer Georg Seiler, der ungeachtet der von Ecclestone eingeräumten Zugeständnisse schon lange keine schwarzen Zahlen mehr schreibt.

Quelle: RP
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