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Ein Jahr Liberty Media in der Formel 1
Neuer Eigentümer bringt frischen Wind und strittige Ideen

Großer Preis von Mexiko 2017: Das Rennen
Großer Preis von Mexiko 2017: Das Rennen FOTO: afp, wt
Abu Dhabi . Die erste Saison unter dem neuen Formel-1-Eigentümer Liberty Media geht am Sonntag in Abu Dhabi zu Ende. Der US-Konzern hat frischen Wind in die Königsklasse gebracht, doch nicht alle Ideen stoßen auf Gegenliebe.

Mit der Übernahme durch Liberty Media ist Bewegung in die Formel 1 gekommen. Viele Ideen der neuen Macher um Geschäftsführer Chase Carey, den früheren Star-Ingenieur Ross Brawn und Marketing-Profi Sean Bratches kommen gut an, zahlreiche Teamvertreter gewähren Raum für Experimente - doch am Ende der ersten Saison unter neuer Flagge mangelt es auch nicht an Reibungspunkten.

Der Anfang: Am 23. Januar 2017 segnete der Automobil-Weltverband FIA die vier Milliarden Euro schwere Übernahme der Formel 1 durch den US-Unterhaltungskonzern ab. Am selben Tag setzten die neuen Bosse den langjährigen Promoter Bernie Ecclestone, das wandelnde Sinnbild der alten Formel 1, vor die Tür. "Wenn du dir ein neues Auto kaufst, willst du es auch steuern", sagte der Brite knapp. Seither lässt er kein gutes Haar an den "Königsmördern" und ihren Ideen.

Show: Liberty Media dachte von Beginn an groß: Jeder Grand Prix sollte wie der Super Bowl sein, ein für sich stehendes Mega-Event. Man wolle "die Grenze zwischen Sport und Show durchbrechen", sagte Marketingchef Bratches. Bislang haben viele kleine Maßnahmen Wirkung gezeigt. So dürfen Teams und Piloten nun an der Strecke eigene Videoclips produzieren oder live streamen. Selbst beim Fahrer-Briefing mit Renndirektor Charlie Whiting dürfen die Fans mittlerweile Mäuschen spielen, mehrere Kameras zeichnen alles auf. Zudem ist die Formel 1 seit Ende August im Wachstumsmarkt eSports mit einer Wettkampfserie vertreten. An den Strecken wurden die Fanzonen ausgeweitet, die Fahrer kommen durch ein Spalier wie bei einer Preisverleihung ins Paddock.

Zu viel Show? Besonders beim Großen Preis der USA mussten die neuen Macher aber auch Kritik einstecken: Die Fahrervorstellung durch Box-Ansager Michael Buffer, wegen der zudem das Protokoll geändert wurde, gefiel nicht jedem. In Austin wurde auch das Qualifying nach hinten verlegt, damit mehr Fans das anschließende Konzert von Justin Timberlake besuchen. Der Sport stehe nicht mehr im Mittelpunkt, lautete der Hauptvorwurf.

Ausrichtung: Geht es nach Liberty Media und der FIA, hat das Wettrüsten bald ein Ende. Die Motoren sollen ab 2021 lauter und technisch simpler werden, dazu sollen die "Big Four" Mercedes, Ferrari, Red Bull und Renault durch eine Kostendeckelung in ihren Möglichkeiten begrenzt werden. Carey strebt an, "dass alle eine Chance haben". Am lautesten protestierte Sergio Marchionne, der Ferrari-Boss drohte gar mit Ausstieg: "Wenn wir den Sandkasten so stark verändern, dass man ihn nicht mehr erkennt, möchte ich nicht darin spielen." Ein Angleichen der Wagen? Weniger Motoren pro Saison? Das stößt auch Mercedes-Teamaufsichtsrat Niki Laudas auf: "Die DNA der Formel 1 ist das Gegenteil. Die Entwicklung der Autos ist ein Grundpfeiler." Liberty muss also einen Spagat schaffen: Einerseits neue Teams und Hersteller anlocken, zugleich die Zugpferde halten. Ecclestone löste derartige Probleme unter anderem mit umstrittenen Zahlungen, von denen vor allem Ferrari profitierte. Ein Pendant zum "Bernie Money" würde den Prinzipien der neuen Macher komplett widersprechen.

Expansion: Mittelfristig bis zu 25 Rennen, nach Möglichkeit in Weltmetropolen - für Liberty ist beim Rennkalender noch Luft nach oben. Doch viele Teams ächzen schon jetzt unter den vielen Reisen. Zur möglichen Entlastung brachte Formel-1-Sportchef Brawn zuletzt eine Streichung der Freitagstrainings ins Gespräch.

TV: Unter Liberty Media, selbst mit dem Unterhaltungsriesen Discovery verbandelt, geht der globale Trend hin zu mehr Exklusivität für das Pay-TV. In Großbritannien wird ab 2019 nur noch der Heim-Grand-Prix frei empfangbar sein. Deutschland ist für die Fans noch das Schlaraffenland, RTL (Free-TV) und Sky (Pay-TV) halten seit über 20 Jahren die Rechte für alle Rennen. Die Verträge laufen aber aus, eine Neuordnung könnte kommen. Dabei wünschen sich die Teams, dass ihre Wagen möglichst oft im Free-TV zu sehen sind - von der Reichweite hängen die Preise für die Werbeflächen ab.

(sid)
 
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