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"Haben nicht viel Positives entdeckt"
Fahrer schlagen Alarm - doch der Cockpitschutz muss warten

Formel 1: Fahrer schlagen Alarm - doch der Cockpitschutz muss warten
Die Mehrzahl der Piloten hatte sich vehement für den "Halo" ausgesprochen. FOTO: dpa, nic
Hockenheim. Die deutschen Top-Piloten in der Formel 1 wollen mehr Schutz, sie wollen ihn so schnell wie möglich - doch die Macher schieben das Thema auf die lange Bank: Die Strategiegruppe der Königsklasse hat eine schnelle Einführung des Cockpitbügels "Halo" verhindert. Das teilte das Gremium am Donnerstagabend nach seiner Sitzung in Genf mit.

Die Formel 1 wird damit wohl auch im Jahr 2017 "oben ohne" fahren. Vorerst steht nun die Installation eines nicht näher definierten Kopfschutzes für 2018 auf der Agenda.

"Wir müssen uns die Details genauer anschauen", sagte Formel-1-Boss Bernie Ecclestone der BBC: "Wenn man auf die Pros und Contras schaut, haben wir nicht viel Positives entdeckt." Die Zeit bis zu kommenden Saison sei zudem zu knapp für die Einführung, auch andere Möglichkeiten sollen nun noch einmal eingehend geprüft werden.

Zeitgleich setzte die Strategiegruppe das zuletzt heftig kritisierte Funkverbot mit sofortiger Wirkung fast komplett außer Kraft. Schon ab dem Großen Preis von Deutschland am Sonntag (14 Uhr/Live-Ticke) in Hockenheim dürfen die Fahrer während des Rennens wieder frei mit der Box kommunizieren - diese gute Nachricht für die Piloten dürfte angesichts des nun zu erwartenden Unmuts allerdings fast untergehen.

Denn mit der Entscheidung gegen "Halo" geht die Strategiegruppe mit führenden Vertretern der Teams, des Weltverbandes FIA und des Formel-1-Managements um Ecclestone auf Konfrontationskurs zu den Fahrern, zu den unmittelbar Betroffenen.

Alexander Wurz, Vorsitzender der Fahrervereinigung GPDA, bewertete die Entscheidung aus Genf in einer ersten Reaktion mit Argwohn und zweifelt offenbar auch an einer Einführung 2018. "Die Entscheidung ist viel mehr als eine Abstimmung gegen 'Halo' oder die Verzögerung der Einführung eines Kopfschutzes", sagte Wurz der BBC: "Im Moment sieht es ein wenig danach aus: Erst das Geschäft, dann die Sicherheit."

Noch am Donnerstagnachmittag hatten vor allem Sebastian Vettel und Nico Rosberg den Cockpitschutz im kommenden Jahr als alternativlos bezeichnet und waren geradezu genervt von der anhaltenden Diskussion um vermeintliche Nachteile.

"Natürlich gefällt uns allen nicht besonders, wie der 'Halo' aussieht. Aber nichts rechtfertigt den Tod eines Rennfahrers", sagte Vettel: "Es sind zuletzt viele Unfälle passiert. Und es wäre wohl das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass man eine Lektion erhält und nichts daraus lernt." Eine ablehnende Haltung sei in diesem Sinne "dumm", die Fahrer seien sich da zuletzt weitgehend einig gewesen.

"Wir haben abgestimmt, und 95 Prozent waren dafür", sagte Ferrari-Pilot Vettel. Auch Mercedes-Fahrer Rosberg unterstrich das: "Wir wollen nicht irgendeine Lösung, wir wollen den 'Halo' im kommenden Jahr."

Das Konzept, das nun nicht durchgewunken wurde, umfasst zwei Streben aus Titan, die seitlich am Cockpit nach vorne geführt und in der Mitte von einer Hauptstrebe gestützt werden. Dieser Schutz soll größere Trümmerteile oder Reifen aufhalten und so stark sein, dass er notfalls ein komplettes Auto aushält.

Kritikpunkte gab es einige. So störten sich viele an der für Formel-Autos ungewöhnlichen Optik mit einem Aufbau über der Fahrerkanzel, andere monierten, zu viel Sicherheit lasse die Formel 1 steril wirken. Zuletzt änderte aber sogar der anfangs sehr kritische Lewis Hamilton (Mercedes) seine Meinung.

Die FIA hatte zuletzt eine um 17 Prozent erhöhte Überlebenschance bei verschiedensten Unfallszenarien errechnet und zudem mitgeteilt, dass der "Halo" bereit für die Einführung 2017 sei. Die Mehrheit der Strategiegruppe sah das nun anders.

(old/sid)
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