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Formel 1
Vettels alte, neue Liebe

Porträt: Vettel – der viermalige Formel-1-Weltmeister
Porträt: Vettel – der viermalige Formel-1-Weltmeister FOTO: dpa, pst jai nic
Spa-Francorchamps . Sebastian Vettel sprach von Liebe, von Tradition, von Einzigartigkeit. "Ich musste eigentlich nicht lange überlegen", sagte er zu seiner Vertragsverlängerung bei Ferrari. Zuvor war er im Qualifying zum Großen Preis von Belgien (Sonntag, 14 Uhr, RTL und Sky) auf den letzten Drücker auf Platz zwei gefahren. Von Eckhard Czekalla

Geschlagen wurde er nur von Lewis Hamilton. Der Engländer stellte in 1:42,553 Minuten nicht nur einen neuen Rundenrekord auf, der Mercedes-Star zog mit seiner 68. Pole-Position auch gleich mit Michael Schumacher.

Vettel und Ferrari – eine Geschichte, die noch nicht zu Ende erzählt ist und die seit heute wohl noch mindestens bis Ende 2020 fortgeschrieben wird. Bis dahin verlängerte der Heppenheimer seinen Vertrag. Dabei hatte er noch zwei Tage zuvor behauptet, dass er in den kommenden zwei Wochen nicht mit Neuigkeiten rechnet. Nun saß er da, strahlte in die Runde und freute sich angesichts der Überraschung. Die verkündete Ferrari mit einer gerade mal fünf Zeilen umfassenden Nachricht – immerhin noch eine Zeile mehr als am Dienstag. Da hatten die Roten mitgeteilt, dass der Finne Kimi Räikkönen, mit 37 Jahren der Senior im 20-köpfigen Fahrerfeld, noch eine Saison dranhängen wird.

"Ich liebe dieses Team, diese Marke", betonte Vettel, der nach elf der 20 Rennen die WM-Wertung anführt - 14 Punkte vor Hamilton und 33 Punkte vor dessen Teamkollegen Valtteri Bottas (Finnland). "Ich hatte beim Qualifying einen unerwarteten Helfer", sagte Vettel lächelnd. Räikkönen hatte in der Schlussphase der letzten Runde, nachdem ihm ein Fehler passiert war, Vettel in seinem Windschatten in die erste Startreihe "gezogen" und Bottas auf Platz drei verdrängt.

Seit 2015 sitzt Vettel in einem "Roten Renner". Die vergangene Saison war eine Enttäuschung. 173 Punkte weniger als der Champion Nico Rosberg, Platz drei in der Konstrukteurs-Wertung mit 398 Zählern hinter Mercedes (765) und Red Bull – eine Bilanz, die nicht zum Selbstverständnis der Automarke mit dem springenden Pferd passt.

Doch im Winter wurde in Maranello gute Arbeit geleistet. Vettel, der in dieser Saison vier der elf Rennen gewann, kann endlich von seinem fünften WM-Titel träumen. Es wäre der erste für Ferrari seit 2007, als sich Räikkönen im intensiven Zweikampf der damaligen McLaren-Fahrer Hamilton und Alonso im letzten Saisonrennen mit einem Punkt Vorsprung den Titel sicherte. In der Konstrukteurs-Wertung ist Ferrari mit 318 Zählern in Schlagdistanz zu den Silberpfeilen (357), die nach vier Jahren der Alleinherrschaft wieder Druck spüren.

Ehe die Fünf-Zeilen-Meldung, deren Inhalt Vettel nach Schätzungen eine Einnahme von rund 120 Millionen Euro bringt, publik wurde, gab es Spekulationen, der Heppenheimer und Mercedes könnten gemeinsame Sache machen. Toto Wolff dementierte in Francorchamps vehement. "Es gab keine Vertragsgespräche", sagte der Mercedes-Sportchef. Niki Lauda, Oberaufseher des Teams, hatte zuvor erzählt, dass er "mal kurz mit Sebastian gesprochen habe. Je besser der Ferrari wurde, desto geringer war die Wahrscheinlichkeit, dass er gehen möchte. Also haben wir das vor einigen Monaten direkt gestoppt". Für die einen ein Vertragsgespräch, für die anderen eine lockere Konversation während eines Grand-Prix-Wochenendes.

Sei's drum! Fakt ist, Vettel bleibt zunächst bei Ferrari. Die Italiener haben ihm mit dem SFH70 ein Auto gebaut, mit dem er konkurrenzfähig, siegfähig und ein Titelkandidat ist. Statistiker haben errechnet, dass er in seinen neun kompletten Jahren in der Formel 1 stets in der zweiten Saisonhälfte besser war. Ganz nett, aber WM-Punkte in der aktuellen Saison gibt es dafür nicht.

Kimi Räikkönen freut sich auf ein viertes Jahr an der Seite seines Kumpels Vettel, auch wenn ihm wohl wieder nur die – gewiss nicht unterbezahlte - Rolle des zweiten Mannes bleiben wird, und er auf mögliche Siege verzichten muss wie zuletzt in Ungarn, als er auf dem Hungaroring als Bollwerk gegen Hamilton den Doppel-Erfolg absichern musste. "Es ist kein Geheimnis, dass wir gerne zusammenarbeiten", erklärte er: "Es ist nicht nur für uns gut, sondern auch für das Team. Ich treffe keine Entscheidungen, ich fahre das Auto. Aber ich bin sehr glücklich."

Glücklich wollen sie auch am Sonntag nach dem Rennen auf dem Ardennenkurs sein, auf dem die Silberpfeile wegen ihres stärkeren Motors als Favoriten gelten, wo sich Ferrari aber durchaus Chancen ausrechnet und das Wetter schon für viele Überraschungen sorgte.

 
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