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Formel 1
Funkverbot aufgehoben, Cockpitschutz abgelehnt

Formel 1: Funkverbot aufgehoben, Cockpitschutz abgelehnt
Das Halo-Konzept umfasst zwei Streben aus Titan, die seitlich am Cockpit nach vorne geführt und in der Mitte von einer Hauptstrebe gestützt werden. FOTO: dpa, nic
Hockenheim. Die Strategiegruppe der Formel 1 hat am Donnerstag bei ihrer Sitzung in Genf über vier Regeländerungen diskutiert, die teilweise bereits beim Großen Preis von Deutschland in Hockenheim (Sonntag, 14 Uhr/Live-Ticker) greifen. 

COCKPITSCHUTZ Obwohl bei den meisten Fahrern die anfängliche Skepsis gegenüber dem Halo-Konzept in deutliche Zustimmung umgeschlagen ist, hat die Strategiegruppe gegen die Einführung des Cockpitschutzes zur kommenden Saison gestimmt. Erst 2018 soll nach jetzigem Stand eine - allerdings noch nicht näher definierte Art des Kopfschutzes - an den Autos installiert werden.

Der Halo bleibe die bevorzugte Lösung. Jedes Team wurde allerdings dazu verpflichtet, im freien Training bei den nächsten Läufen in Belgien und Italien den Halo mindestens einmal zu testen.

Das Halo-Konzept umfasst zwei Streben aus Titan, die seitlich am Cockpit nach vorne geführt und in der Mitte von einer Hauptstrebe gestützt werden. Zuletzt hatte der Automobil-Weltverband FIA eine um 17 Prozent höhere Überlebenschance durch den "Heiligenschein" bei den verschiedensten Unfallszenarien errechnet.

Ferrari-Pilot Sebastian Vettel hatte sich am Donnerstag mit deutlichen Worten noch einmal für die baldige Einführung stark gemacht. "Nichts rechtfertigt den Tod eines Rennfahrers. Wir haben die Chance, die Sicherheit zu verbessern, und alles andere wäre dumm", sagte Vettel. Bei der Strategiegruppe, bestehend aus Vertretern der Teams, dem Formel-1-Management um Promoter Bernie Ecclestone und der FIA, überwogen dennoch die Bedenken.

BOXENFUNK Das "Radio Gaga"-Rennen von Baku, in dem Weltmeister Lewis Hamilton (England/Mercedes) und Ex-Champion Kimi Räikkönen (Finnland/Ferrari) voller Ratlosigkeit über Fahrzeugeinstellungen "Mayday" funkten, hat das restriktive Funkreglement in der Formel 1 über Nacht zu einem Zankapfel gemacht. Niemand wolle Fahrer hören, die mit den zahlreichen Knöpfen an ihrem Lenkrad überfordert sind und dennoch keine Hilfe von der Box erhalten dürfen, so der Tenor der zahlreichen Kritiker.

Schon ab dem Großen Preis von Deutschland in Hockenheim gehören die Restriktionen fast komplett der Vergangenheit an: Während des Rennens gibt es beim Funk keine Limitierungen mehr, der Boxenfunk ist nur noch während der Einführungsrunde eingeschränkt, damit die Fahrer durch ihre Ingenieure keine Hilfe beim Startprozess erhalten.

STRECKENBEGRENZUNGEN Noch nicht abgesegnet, aber bereits auf den Weg gebracht, ist die Aufweichung der Interpretation der Streckenbegrenzungen. Demnach dürfen die Piloten künftig wieder mit allen vier Reifen neben der Strecke fahren, ohne automatisch eine Strafe fürchten zu müssen. Rennleiter Charlie Whiting erklärte allerdings am Freitag, im Training und Qualifying von Hockenheim werde in jedem Fall noch nach dem alten Modus gefahren.

KEIN SAFETY-CAR-START BEI REGEN Das Safety Car soll künftig beim Start nicht mehr zum Einsatz kommen. Auch hier steht allerdings das letzte Wort noch aus. Der Safety-Car-Start wurde in dieser Saison in Monaco und Silverstone bei nasser Strecke aus Sicherheitsgründen praktiziert. Viele Formel-1-Vertreter beklagten aber, dass dies zulasten der Spannung gegangen sei, die sich normalerweise auf den Start kapriziert.

(sid)
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