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Entscheidung im Titelrennen
Nico Rosberg - Formel-1-König oder ewiger Zweiter?

So wird Rosberg in Abu Dhabi Weltmeister
So wird Rosberg in Abu Dhabi Weltmeister
Abu Dhabi/Köln. Für WM-Spitzenreiter Nico Rosberg heißt es beim Saisonfinale in Abu Dhabi: Titel oder Tränen. Auch wenn fast alle Statistiken und Wahrscheinlichkeiten für den Wiesbadener sprechen, bleiben Zweifel.

Nico Rosberg blickt entschlossen und fokussiert. Unter hymnischen Klängen geht der Formel-1-Star im Schwimmbecken auf Zeitenjagd, holt sich beim Boxen den letzten Schliff für das wichtigste Rennen seiner Karriere. "In jedem von uns steckt dieser Hunger", kommentierte Rosberg den Hochglanz-Clip, der wohl nicht ganz zufällig seit Dienstag den YouTube-Kanal des Wiesbadeners ziert.

Auch wenn es sich um ein Werbevideo für einen Sponsor handelt, ist die Botschaft unmissverständlich: WM-Spitzenreiter Rosberg will die letzte Hürde nehmen und sich beim Saisonfinale in Abu Dhabi den ersehnten Titel holen - und zwar auf dem Königsweg. "Ich muss das Rennen wie jedes andere behandeln. Ich werde alles geben, um die Saison mit einem Sieg abzuschließen", sagte der 31-Jährige vor dem WM-Showdown in der Wüste (Sonntag, 14 Uhr MEZ/Live-Ticker).

Der Mercedes-Pilot weiß aber natürlich, dass ihm angesichts eines Zwölf-Punkte-Vorsprungs auf seinen Teamkollegen und einzig verbliebenen WM-Rivalen Lewis Hamilton bereits der dritte Rang genügt, um seinen Kindheitstraum aus eigener Kraft wahr zu machen - und nebenbei zum dritten deutschen Formel-1-Weltmeister nach Rekordchampion Michael Schumacher und Sebastian Vettel zu avancieren. Die nackten Zahlen lassen an diesem Ausgang kaum einen Zweifel: In 96 von 111 möglichen Ergebnis-Konstellationen entthront Rosberg seinen Dauerrivalen Hamilton.

Das weiß natürlich auch der Brite. "Es scheint schier unmöglich zu sein, egal was ich tue. Aber ich kann und werde nicht aufgeben", sagte der 31-Jährige, dem wohl nur ein vierter Sieg in Folge und reichlich Schützenhilfe den vierten Titel nach 2008, 2014 und 2015 bescheren würden. "Man weiß nie, was passiert - egal, wie unmöglich es auch erscheinen mag", sagte Hamilton und beschwor zum wiederholten Mal das Prinzip Hoffnung. Mehr bleibt ihm trotz zahlreicher fulminanter Vorstellungen nicht, weil er häufiger als Rosberg bei den Starts patzte und deutlich mehr Probleme mit der Technik hatte.

Nach seinem Sieg im Regen-Chaos von Brasilien schickte der Brite ein paar psychologische Nadelstiche an Rosbergs Adresse. Es sei "eines der leichteren Regenrennen" gewesen und er hätte "jederzeit eine Sekunde schneller" fahren können, hatte Hamilton nach seinem 52. Grand-Prix-Sieg erklärt. Überhaupt könne er den Verlust der Meisterschaft verschmerzen, schließlich habe er "ja schon drei Titel".

Rosberg dagegen kämpft wohl um seine letzte WM-Chance. Den Titel angesichts eines solchen Vorsprungs im dritten Jahr in Folge an Hamilton zu verlieren, würde seinen Status als "ewiger Zweiter" zementieren. Dass Rosberg ein verdienter Weltmeister wäre, steht allerdings außer Frage.

Mit 23 Grand-Prix-Siegen, 30 Pole Positions und neun Erfolgen in einer Saison können die meisten Formel-1-Weltmeister nicht mithalten. Allein, was bringen sie ihm am Ende einer Karriere, wenn der ganz große Coup ausgeblieben ist? Rosberg selbst schiebt Gedanken an ein Scheitern weit von sich: "Ich habe allen Grund, zuversichtlich zu sein."

(sid)
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