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Formel 1
Mutstrecke in Baku: Männer gegen Memmen

Bilder: Ricciardo kracht in Baku in die Mauer
Bilder: Ricciardo kracht in Baku in die Mauer FOTO: ap, LB
Der spektakuläre Stadtkurs in Baku hat die Formel 1 im Sturm erobert. Unter den Fahrern bildeten sich trotz einhelliger Lobeshymnen aber zwei Parteien. Die "Machos" um Lewis Hamilton verspotteten die Sicherheitsfraktion um Nico Rosberg.

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Männer oder Memmen? In der Formel 1 ist bei der Premiere des Großen Preises von Europa beinahe eine Grundsatzdebatte um die Identität der Motorsport-Königsklasse entbrannt. Erfahrene Piloten wie Nico Rosberg oder Jenson Button wiesen auf potenzielle Gefahrenstellen auf dem spektakulären Stadtkurs in Baku hin - und wurden dafür von Weltmeister Lewis Hamilton abgewatscht.

Geht es nach dem Briten, kann die Formel 1 in ihrer DNA offenbar gar nicht wild genug sein. Mit einer Mischung aus Nonchalance und Arroganz machte sich der Mercedes-Pilot in der aserbaidschanischen Hauptstadt über einige Mitstreiter lustig. "Manche Fahrer jammern über so viele Dinge. Diese Jungs wollen alles topfeben haben, ohne jede Bodenwelle. Sie wollen diesen Strecken das Leben nehmen", sagte der Champion und griff damit unter anderem seinen Stallrivalen Rosberg an.

Bilder: Qualifying in Baku FOTO: dpa

Der im Gegensatz zum Instinktpiloten Hamilton als kopfgesteuerter Fahrer geltende Wiesbadener hatte bereits vor der ersten Trainingseinheit auf die kleinen Auslaufzonen und die heikle Einfahrt in die Boxengasse hingewiesen. "Wir denken in diesem Sport immer an die Sicherheit", sagte Rosberg am Samstag - und sparte nicht mit einer Replik an Hamilton: "Manche mehr als andere."

Rückendeckung erhielt der Weltmeister allerdings von Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone. "Ich denke, Lewis hat Recht. Wer hier nicht fahren will, soll es auch nicht tun. Die Fahrer sollen die Schnauze halten oder nach Hause gehen", sagte der 85-jährige Brite in gewohnt markigen Worten.

Formel 1: Die Quali-Duelle 2016 FOTO: afp, ww/DD/ia

Nicht einmal ein Jahr nach dem Tod von Jules Bianchi lassen solche Aussagen aufhorchen. Der Franzose erlitt beim Großen Preis von Japan 2014 bei einem Unfall schwere Kopfverletzungen und verstarb nach monatelangem Koma im vergangenen Juli.

Hamilton bemühte sich allerdings auch um eine Relativierung seiner Ausage und stellte klar, dass seine Schelte nicht als Aufforderung zum unkontrollierbaren Risiko verstanden werden sollte. Vielmehr habe er auf "die Eigenheiten eines Stadtkurses" eingehen und diese verteidigen wollen.

Tatsächlich garantiert die 6,003 km lange Strecke in Baku mit ihrer Charakteristik ein Spektakel. Spitzengeschwindigkeiten von über 360 km/h sowie zahlreiche brisante Kurven sorgen für einen Drahtseilakt zwischen schnellster Linie und sicherem Aus.

"Baku ist das, was wir in der Formel 1 brauchen", lobte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff den Kurs überschwänglich, "denn echtes Racing gibt es nicht auf einem Supermarktparkplatz."

Entscheidend sei aber, wie man mit der Enge der Strecke umgehe, die nach Ansicht des Österreichers "keine Fehler verzeiht". Hamilton hat einen solchen im Qualifying gemacht - und dafür nicht nur mit Startplatz zehn, sondern auch mit einigem Spott bezahlt.

Immerhin hatte der dreimalige Weltmeister im Vorfeld bekannt, weder sonderlich viel Zeit im Simulator verbracht noch eine Streckenbegehung gemacht zu haben: "Das bringt mir nicht viel."

(sid)
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