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Comeback mit Zukunftsängsten
Formel 1 in Deutschland liegt auch in den Händen der Fans

Formel 1 in Deutschland liegt auch in den Händen der Fans
Nur noch für dieses Jahr und für die Saison 2018 hat Hockenheim einen Vertrag mit Bernie Ecclestone, nach jetzigem Stand wird es danach erst mal keinen neuen geben. FOTO: dpa
Köln. Nach einem Jahr ohne Heimspiel fiebern die deutschen Piloten dem Großen Preis am Hockenheimring entgegen – und müssen sich zugleich um die Zukunft sorgen. Denn es könnte eines der letzten Deutschland-Rennen für lange Zeit sein.

Nico Rosberg empfindet "riesige Vorfreude" auf ein "legendäres" Rennen, Sebastian Vettel nennt den Hockenheimring sein "Wohnzimmer" – nach einem Jahr ohne Heimauftritt fiebern die deutschen Formel-1-Piloten der Rückkehr entgegen. Doch im Hinterkopf müssen sie sich um die Zukunft sorgen.

Denn das Comeback des Großes Preises von Deutschland am Sonntag (14 Uhr/Live-Ticker) könnte zugleich eine Abschiedsveranstaltung sein. Auf absehbare Zeit ist es wohl das vorletzte Gastspiel der Königsklasse - wenn es ganz schlecht läuft, dann ist es sogar das letzte.

Nur noch für dieses Jahr und für die Saison 2018 hat Hockenheim einen Vertrag mit Bernie Ecclestone, nach jetzigem Stand wird es danach erst mal keinen neuen geben. Der Grund: Seit Jahren schon tobt ein Verdrängungswettbewerb um die Plätze im Formel-1-Kalender, und die deutschen Strecken treten dabei mit stumpfen Waffen an.

Baku zahlt horrende Summen

Georg Seiler entfährt ein leiser Seufzer, wenn er über die Mitbewerber sprechen soll. Staatlich finanzierte Exoten wie Baku zahlen horrende Summen für die Ausrichtung eines Rennens, "für uns gibt es so einen öffentlichen Topf eben nicht", sagt der Geschäftsführer des Hockenheimrings dem SID: "Wir müssen die Formel 1 ohne Zuschüsse stemmen, wir sind auf die Fans angewiesen." Das mäßige Zuschauerinteresse ist daher existenzbedrohend.

Spricht man in diesen Tagen mit den Beteiligten, schieben sie dieses Thema am liebsten trotzig beiseite. "Warum sollen wir jetzt so weit denken?", fragt etwa Rosberg, "wir haben erst mal ein tolles Rennen vor uns." Denn der Grand Prix soll ein Erfolg werden, und dazu braucht es positive Nachrichten.

Das recht ambitionierte Ziel von 60.000 Zuschauern haben sich die Veranstalter gesetzt, zu Wochenbeginn waren 52.000 Tickets für den Rennsonntag abgesetzt. Damit ist schon jetzt der schwache Wert von 2014 erreicht, auch die Zahlen von 2012 (56.000) dürften übertroffen werden.

Dafür gibt es Gründe. Es sei ein Comeback-Effekt zu verzeichnen, sagt Seiler, "und der WM-Kampf ist spannend. Rosberg fährt im Mercedes um den Titel, Vettel hat sein erstes Heimspiel mit Ferrari." Wegen Youngster Max Verstappen hoffe man zudem auf viele niederländische Fans.

Familientickets sind ein Erfolg

Doch das Grundproblem bleibt: Seit Jahren fällt es schwer, die deutsche Jugend zu begeistern. "Die Basis der Motorsportzuschauer wird älter", sagt Seiler, "deshalb geht es darum, junge Fans zu gewinnen." Hockenheim hat Familientickets eingeführt, diese sind ein Erfolg, doch das Heranziehen neuer Fans ist ein langfristiges Projekt.

Und die Entscheidung über die Zukunft muss relativ kurzfristig fallen. 2017 dürfte es kein Rennen geben, der Nürburgring wäre an der Reihe, doch die Betreiber hatten schon im vergangenen Jahr frustriert abgewunken. "Wir würden gerne wieder einen Großen Preis ausrichten", sagt Geschäftsführer Mirco Markfort dem SID, "dafür müssen jedoch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. Die Formel 1 um jeden Preis können und wollen wir uns nicht leisten."

2018 soll dann laut Seiler planmäßig in Hockenheim gefahren werden, doch Zweifel bleiben. Vieles hängt wohl vom wirtschaftlichen Ergebnis 2016 ab. Und befragt man Seiler zu der Zeit nach Vertragsende, dann werden seine Antworten immer knapper. "Natürlich" wolle Hockenheim den "Imagefaktor" Formel 1 behalten, "aber es muss eben auch wirtschaftlich passen."

Und da liegt das Problem. Den aktuellen Vertrag hat Ecclestone mehrfach als "schlecht für mich" bezeichnet, er will auch in Deutschland mehr verdienen. Auf Zugeständnisse des Briten darf man kaum hoffen. Die Zukunft der Königsklasse in Deutschland liegt damit vor allem in den Händen der Fans.

(sid)
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