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Jean Todt wird 70
"Let Michael pass for the Championship"

Formel 1: Jean Todt schrieb mit Michael Schumacher Geschichte
Michael Schumacher feierte unter Jean Todt seine größten Erfolge in der Formel 1. FOTO: ap
Düsseldorf. Das Ziel ist fast schon in Sichtweite, nur noch wenige Kilometer trennen Rubens Barrichello beim Großen Preis von Österreich 2001 vom zweiten Platz. Der Brasilianer sitzt im Ferrari mit der Startnummer 2, die Startnummer 1 versucht vergeblich, an ihm vorbeizukommen. Weltmeister Michael Schumacher hat an diesem Tag einfach nicht den nötigen Speed, aber er bekommt Hilfe im erbitterten Kampf um Punkte für seinen insgesamt vierten WM-Titel. Teamchef Jean Todt schaltet sich ein und funkte Barrichello an: "Let Michael pass for the Championship."

Dieser Satz, mit dem Todt Barrichello vor den Ohren der Weltöffentlichkeit schamlos zugunsten Schumachers einbremste, ist untrennbar mit dem kleinen Franzosen verbunden. Es hat seiner Karriere nicht geschadet, denn was immer der heutige FIA-Präsident Jean Todt anfasste, gelang. Das war nicht nur bei Ferrari so, wohin er Michael Schumacher 1996 lotste und so eine Ära begründete. Am Donnerstag wird Jean Todt 70 Jahre alt.

Bei der Rallye wurde Todt groß

Seine Motorsport-Laufbahn begann er 1966 als Beifahrer in der Rallye-WM, die eigene Karriere als Fahrer brach er nach etlichen erfolglosen Versuchen schnell wieder ab. 1981 wechselte Todt aus dem Auto an den Kommandostand von Peugeot und startete damit so richtig durch. Vier Titel in der Rallye-WM, vier Siege bei der Dakar-Rallye und zwei bei den 24 Stunden von Le Mans waren aber nur die Ouvertüre für sein eigentliches Lebenswerk: Die Wiederbelebung von Ferrari.

Der am 25. Februar 1946 in Pierrefort als Sohn polnischer Einwanderer geborene Todt übernahm 1993 in Maranello die Leitung der Sportabteilung. Damals lahmte das "Cavallino Rampante", das stolze springende Pferd im Ferrari-Wappen, mächtig, und der neue Chef verbot in einer ersten eher unpopulären Maßnahme den Rotwein an den Rennwochenenden. Wenig später schuf Todt bei der Scuderia das Dream Team mit Technikchef Ross Brawn, Chefdesigner Rory Byrne und eben Michael Schumacher.

Unter Todts kluger Regie beendete Schumacher mit dem Fahrertitel 2000 die 21-jährige Durststrecke der Italiener. Ferrari war das Maß der Dinge, Schumacher fast unschlagbar, vier weitere Fahrertitel machten den Kerpener zum Rekordweltmeister. Todt erklomm die Karriereleiter in einem atemberaubenden Tempo, er wurde Geschäftsführer und Generaldirektor des Gesamtkonzerns und rechte Hand von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo. Auch der Spaß kam nicht zu kurz: Gemeinsam mit Schumacher war Todt 2008 in der Realverfilmung "Asterix bei den Olympischen Spielen" dabei – natürlich als Teamchef von "Michael Schumix".

Todt galt schon früh als gewiefter Stratege und Politiker, von 1975 bis 1981 vertrat er die Interessen der Fahrer in der Rallye-Kommission der FIA-Vorgängerorganisation FISA, von 1981 bis 1993 die der Konstrukteure. Von 1993 bis 2009 saß er als Vertreter von Ferrari im World Motor Sport Council der FIA, ehe er im Oktober 2009 zum Präsidenten des Automobil-Weltverbandes gewählt wurde.

Sein Sohn Nicolas aus erster Ehe ist übrigens längst in den Spuren des Vaters unterwegs: Der 38-Jährige ist der Manager von – Rubens Barrichello ...

(seeg/sid)
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