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"Für diesen Tag gebetet"
Hamilton feiert, Ricciardo hadert mit peinlichem Fauxpas

Bilder: Hamilton feiert ausgelassen mit Pokal und Justin Bieber
Bilder: Hamilton feiert ausgelassen mit Pokal und Justin Bieber FOTO: ap, MDB
Lewis Hamilton sprang mit Anlauf in die Arme seiner jubelnden Mechaniker, dann warf er den Siegerpokal wieder und wieder euphorisch in die Luft: Nachdem sich der Weltmeister in Monaco mit seinem ersten Sieg seit sieben Monaten im Duell mit dem ungeliebten Stallrivalen Nico Rosberg zurückgemeldet hatte, kannte die Freude keine Grenzen.

Nach einem Boxen-Fauxpas landete der Australier Daniel Ricciardo nur auf Rang zwei, doch der Red-Bull-Pilot hatte Hamilton einen harten Kampf geliefert - WM-Spitzenreiter Rosberg wurde dagegen nur Siebter, während es Ferrari-Star Sebastian Vettel auf Platz vier schaffte.

"Ich bin jetzt ziemlich sprachlos. Ich habe für einen Tag wie heute gebetet. Es hat lange gedauert, wieder zu gewinnen", sagte der extrem erleichterte Hamilton nach zuletzt schweren Monaten mit vielen Rückschlägen: "Ich möchte meinem Team für dieses unglaubliche Auto danken."

Der 31-Jährige, der den 44. Sieg seiner Karriere feierte, profitierte allerdings auch von technischen Problemen Rosbergs, dessen Bremsen lange nicht auf Temperatur kamen. "Ich habe mich gefühlt, wie auf rohen Eiern da draußen", sagte der Deutsche: "Dann habe ich noch Zeit durch die Stopps verloren, und wenn man in Monaco einmal hinten hängt, dann war es das." Erst auf der Zielgeraden verlor er dann den sechsten Platz noch an Nico Hülkenberg (Emmerich) im Force India.

Großer Preis von Monaco: das Rennen FOTO: dpa, ss hm nb

Der peinliche Fauxpas der Red-Bull-Boxencrew ermöglichte Hamilton endgültig den Sieg. Diese hatte beim zweiten Stopp nicht die richtigen Reifen für den lange Zeit führenden Ricciardo (Australien) bereitstehen. "Ich wurde in die Box gerufen, sie hätten bereit sein müssen", sagte er: "Ich war hier der Schnellste unter allen Bedingungen und bin trotzdem nur Zweiter. Das ist Mist, ich hatte viel Pech."

Hamilton nahm das Geschenk an und landete saisonübergreifend erstmals nach acht Rennen wieder vor Rosberg. In der Gesamtwertung führt Rosberg nach dem sechsten von 21 Saisonläufen mit 106 Punkten trotzdem noch vor dem dreimaligen Champion Hamilton (82), der vor dem nächsten Rennen in Kanada (12. Juni) allerdings auf 24 Zähler heranrückte. "Ich denke nicht die ganze Zeit an Nico. In der WM ist jetzt noch ein langer Weg zu gehen", sagte Hamilton. Dritter ist Ricciardo (66), Sebastian Vettel (60) liegt auf dem fünften Rang.

Nachdem an der Mittelmeerküste wegen starken Regens hinter dem Safety Car gestartet wurde, zog Ricciardo schnell davon und baute seinen Vorsprung vor den Silberpfeilen auf mehr als zehn Sekunden aus. Überraschend kam das nicht, denn der 26-jährige Ricciardo hatte seine starke Verfassung mit der Pole Position am Samstag bereits angedeutet.

Bilder: Das Monaco-Zeugnis der deutschen Piloten FOTO: ap, MDB

Ricciardo kam entgegen, dass Rosberg aufgrund seiner Technik-Probleme nicht folgen konnte. Seit 2013 hatte er dreimal in Serie im zweitkleinsten Staat der Erde gewonnen, musste seinen deutlich schnelleren Dauerrivalen Hamilton auf Anweisung des Teams jedoch in Runde 16 vorbeiziehen lassen. Er verlor den Anschluss und hatte keine Chance auf seinen fünften Saisonsieg. Auch Vettel fuhr der Spitze nur hinterher und musste Rang drei überraschend Sergio Perez im Force India überlassen.

Ricciardo hielt Hamilton zwar lange auf Abstand, doch in der Box verlor er schließlich ohne eigenes Verschulden die Führung. Als er auf Trockenreifen wechseln wollte, standen diese nicht bereit, er musste mehrere Sekunden tatenlos zuschauen und Hamilton zog am Ausgang der Boxenausfahrt haarscharf vorbei.

Anschließend entwickelte sich ein packendes Duell. Immer wieder attackierte Ricciardo, Hamilton hielt mit allen Mitteln dagegen. Beim vergangenen Rennen in Spanien war der dreimalige Weltmeister noch in der ersten Runde ausgeschieden, nachdem er mit Rosberg kollidiert und ins Kiesbett gerutscht war.

Hamiltons erster Sieg seit Oktober 2015 war Balsam für seine Seele. Immer wieder hatte er zuletzt Pech oder technische Probleme. Auch am Samstag im Qualifying streikte sein Bolide kurzzeitig und Hamilton zeigte sich davon extrem genervt: "Das ist ja schon zur Normalität geworden." Als er etwas mehr als 24 Stunden später jubelnd ins Ziel fuhr, war das jedoch vergessen.

(sid)
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