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Formel 1
Die Sorgen bleiben trotz berauschender Eindrücke aus Mexiko

Bilder: Vettel bejubelt dritten Sieg im Ferrari
Bilder: Vettel bejubelt dritten Sieg im Ferrari FOTO: afp, RAB
Sao Paulo. Wenn Weltmeister Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Co. in diesen Tagen den Flieger nach Sao Paulo besteigen, dann scheint die Krise der Königsklasse Lichtjahre entfernt. Vor dem Rennen am Sonntag (17 Uhr/Live-Ticker) ist die Formel 1 noch immer berauscht von den Eindrücken des WM-Laufs in Mexiko zwei Wochen zuvor. "Perfekt" und "unglaublich" fand etwa Niki Lauda das Spektakel vor fast 135.000 Zuschauern, "es war das Beste, was ich jemals erlebt habe", sagte der Aufsichtsratschef des Mercedes-Teams.

Mit einem fast trotzigen Gefühl geht die Formel 1 daher in die letzten Wochen der Saison, Mercedes-Technikchef Paddy Lowe fasste es in Worte. "Es war der Beweis, dass die Formel 1 noch immer in großartiger Verfassung ist", sagte der 53-Jährige. Und in der Tat gab es in den vergangenen Monaten durchaus Grund zur Hoffnung.

Noch im Sommer hatte die Krise ihren Höhepunkt erreicht. Herbe Kritik wegen langweiliger Rennen war ein ständiger Begleiter, eine teilweise niederschmetternde Fan-Umfrage zeigte den Verantwortlichen, wie groß die Probleme wirklich sind. Doch seither durfte die Formel 1 ein wenig Luft holen.

Hamilton stürmte zwar souverän zum nächsten WM-Titel, sportlich ist schon zwei Rennen vor Schluss alles entschieden. Dennoch waren die WM-Läufe meist unterhaltsam, dafür sorgte auch der wiedererstarkte Vettel. Und der Deutsche im Ferrari nährt auch die Hoffnung auf eine bessere, eine spannendere Zukunft.

Gelingt der Scuderia im Winter ein ähnlicher Leistungssprung wie vor der aktuellen Saison, dann könnte es wirklich etwas werden mit dem heiß ersehnten WM-Duell zwischen Vettel und Hamilton, zwischen Rot und Silber. Allein diese Aussicht lässt die Herzen der Fans höher schlagen.

Formel 1 feiert tolles Comeback in Mexiko

Zudem halfen der Formel 1 zuletzt stimmungsvolle Momente an Traditionsstrecken wie Silverstone, Monza und Suzuka sowie das stets spektakuläre Nachtrennen von Singapur. Und der Höhepunkt folgte in Mexiko. Die zahlreichen Fans waren nah an der Strecke, sie bereiteten der Königsklasse nach mehr als zwei Jahrzehnten ein triumphales Comeback.

Dort habe es wieder Formel 1 "zum Fühlen und Anfassen" gegeben, sagte Lauda, er hatte auch noch einen Tipp für die kriselnden Strecken parat: "Kopiert dieses Rennen. Man hat gesehen, wie gut man es organisieren kann."

Doch genau hier liegt eines der Probleme, die auch für 2016 und darüber hinaus viel Anlass zur Sorge geben: Mexiko wird eher zu den Ausnahmen gehören. Das Rennen lebte auch vom Enthusiasmus der Fans in einem traditionsreichen Formel-1-Land, und den kann man nicht kopieren. Im Gegenteil steuert Bernie Ecclestone auch im kommenden Jahr neue Ufer an – Formel-1-Begeisterung bei der Premiere in Aserbaidschan ist derzeit schwer vorstellbar, die Identitätskrise ist hausgemacht. Zudem sind die TV-Quoten in fast allen wichtigen Märkten weiterhin rückläufig.

Und auch intern gibt es zahlreiche Probleme. Die Zukunft des Big Players Red Bull ist angesichts der ungelösten Motorenfrage noch immer ungewiss. Schon die Mittelklasse-Teams wirtschaften zudem weiterhin am Existenzminimum – aus diesem Grund liegt der EU-Kommission eine Beschwerde wegen Verletzung des europäischen Wettbewerbsrechts vor. Das nächste Kapitel im Kampf der Kleinen gegen Ecclestone.

Und ganz nebenbei besteht weiter Ungewissheit über die zukünftigen Besitzer der Serie. Ecclestone hatte vor einem Monat den Verkauf noch für dieses Jahr angekündigt, Neues gab es seither nicht. Und es scheint durchaus möglich, dass der Brite bloß den Markt aufwecken wollte – weil die Formel 1 derzeit eben doch niemandem die veranschlagten sieben Milliarden Euro wert ist.

(sid)
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