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Baku wird zum Wegweiser
Nächster Silberknall oder erster Vettel-Kracher?

Das Kanada-Zeugnis der deutschen Piloten
Das Kanada-Zeugnis der deutschen Piloten FOTO: dpa, vxh cs
Baku. Die Fahrer-WM in der Formel 1 ist vor der Premiere des Europa-Grand-Prix in Baku wieder völlig offen. Lewis Hamilton sitzt WM-Spitzenreiter Nico Rosberg im Nacken, dahinter lauern Ferrari und Red Bull auf ihre Chance.

Es ist erst wenige Tage her, da war Nico Rosberg nach eigenem Bekunden "ziemlich angepisst". Auch sein Boss Toto Wolff wollte "darüber reden". Gemeint war die erneute Berührung zwischen den Mercedes von Rosberg und Weltmeister Lewis Hamilton beim Großen Preis von Kanada. Zeit zum Abkühlen der Gemüter und zu einem ruhigen Gespräch gab es seit dem vergangenen Sonntag kaum. Denn in der Formel 1 geht es derzeit Schlag auf Schlag.

Bereits am Sonntag (15 Uhr MESZ/Live-Ticker) geht der Zweikampf der WM-Favoriten bei der Premiere des Großen Preises von Europa in Aserbaidschan in die nächste Runde. Dahinter haben die Ferrari um Sebastian Vettel sowie die Red Bull den Abstand deutlich verringert. Kurzum: Auf dem engen Stadtkurs in Baku winkt eine spannende und erbitterte Zeitenjagd. "Ich möchte den WM-Kampf für mich entscheiden, nicht nur Zweiter werden", kündigte Rosberg an, dessen Polster auf Hamilton nach vier Auftaktsiegen von 43 auf neun Punkte geschrumpft ist.

"Kanada lief leider nicht nach Plan", sagte der Wiesbadener mit Blick auf die für ihn verhängnisvolle Kurve eins. Vettel hatte die Silberpfeile beim Start überholt, Rosberg wollte außen an Hamilton vorbei, es kam zum leichten Kontakt. Hamilton blieb Zweiter und gewann das Rennen, Rosberg fiel weit zurück und kam nur als Fünfter ins Ziel. Defensiver will er es auch dieses Mal nicht angehen: "Ich werde meine Herangehensweise deswegen sicher nicht ändern oder zurückstecken."

Hamilton hat das Momentum auf seiner Seite

Während es in Rosberg brodelt, hat Hamilton das Momentum eindeutig auf seiner Seite. Die technischen Probleme vom Saisonstart sind vergessen. Der Barcelona-Crash wurde ihm teamintern nicht angelastet, auch in Kanada blieb die Mercedes-Führung neutral.

Nach zwei Siegen in Folge ist das Selbstvertrauen des Champions wieder auf Normalmaß - also gigantisch. "Siege sind unser Leben. Dafür arbeiten wir jeden Tag, davon träumen wir jede Nacht. Ich kann Baku kaum erwarten", sagte der 31-Jährige.

Ein weiterer Erfolg, maximal Platz drei für Rosberg, und Hamilton wäre bereits nach dem achten von 21 Läufen wieder WM-Spitzenreiter. Doch ganz so einfach wird es wohl nicht. Der Kurs in Baku bietet mit einer 2,2 km langen Geraden und verwinkelten Nadelöhren entlang der Stadtmauer einen radikalen Kontrast. Safety-Car-Phasen scheinen programmiert, zumal niemand die Strecke kennt.

Dass alle mit Stand null angereist sind, könnte den Mercedes-Verfolgern noch mehr in die Karten spielen. Vettel war in Kanada absolut siegfähig, allein eine zu konservative Reifenstrategie brachte ihn um den Erfolg. Den erhofft er sich nun in Baku: "Die Karten sind neu gemischt. Das wird eine Fahrt ins Ungewisse. Ich fiebere dem Rennen entgegen", sagte der Heppenheimer.

"Wir sind definitiv näher dran", sagte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko der Sport Bild. Gerade im engen Teil der Strecke dürften der Australier Daniel Ricciardo und der Niederländer Max Verstappen (Niederlande) dank ihres Chassis Vorteile haben. Fraglich ist dagegen, ob die Power des Renault-Motors für den hohen Hochgeschwindigkeitsteil ausreicht.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff jedenfalls rechnet mit heftigem Widerstand: "Der Speed von Ferrari und Red Bull ist ziemlich genau auf unserem Niveau. Die Performance der Teams nähert sich immer weiter an."

(sid)
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