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Formel 1
Rosberg genießt die Rolle als Hamiltons Stimmungskiller

Großer Preis von Deutschland: das Qualifying
Großer Preis von Deutschland: das Qualifying FOTO: afp, pst
Hockenheim. Nico Rosberg hat sich auf den letzten Drücker die Pole Position beim Heimrennen geschnappt. Damit sorgte er bei seinem Mercedes-Rivalen Lewis Hamilton für ordentlich Frust. Von Eckhard Czekalla

Die Mimik der drei Männer auf dem Podium sprach Bände. Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo, der ewig lächelnde Australier, hatte nach seinem dritten Platz im Qualifying zum Großen Preis von Deutschland auch wenig Grund, düster in die Runde zu blicken. Nico Rosberg schien irgendwie bemüht, sich seine Freude nicht zu sehr anmerken zu lassen.

Der in Wiesbaden geborene und in Monte Carlo aufgewachsene Formel-1-Fahrer hatte sich auf den letzten Drücker den besten Startplatz für das morgige Rennen (Start: 14 Uhr, Live-Ticker) gesichert. Lewis Hamilton dagegen gab sich erst gar keine Mühe, seinen Frust zu verbergen.

Vier Sätze umfasste seine längste Antwort auf die Fragen. Ausgerechnet Hamilton, der viel zu reden hat, wenn es gut läuft. Diesmal aber stand er im Schatten seinen Mercedes-Rivalen, und das ärgerte ihn. Zum elften Mal in den zwölf WM-Rennen dieser Saison steht ein Mercedes auf Startplatz eins. Sechsmal saß Hamilton im Silberpfeil, zum fünften Mal nun Rosberg. Nur in Monte Carlo war Ricciardo der Schnellste. Mit nun 27 Pole Positions ist Rosberg nun die Nummer neun in der von Michael Schumacher (68) angeführten Rangliste.

Sechs Punkte Abstand

Doch dies dürfte den WM-Zweiten von 2014 und 2015, jeweils von Hamilton geschlagen, wenig interessieren. Er hat am Sonntag die Chance, sich mit einem Sieg die vor einer Woche in Budapest an den Engländer verlorene Führung zurückzuholen. Sechs Punkte liegt er im Duell der beiden 31-Jährigen zurück. Als Sieger hätte er auf jeden Fall sieben Punkte mehr geholt und ginge damit als Nummer eins in die vierwöchige Sommerpause.

Am Freitag und auch am Samstagmorgen war Rosberg in den insgesamt drei Trainingseinheiten jeweils der Schnellste. Im ersten und zweiten Durchgang des Qualifyings setzte aber Hamilton die Bestzeit. Als bei Rosberg, der sehr schnell unterwegs war, zwei Kurven vor der "das Gaspedal den Geist aufgab", fuhr er sofort an die Box. Rosberg hatte nur noch einen Schuss. Auf den letzten Drücker jagte er über den Kurs, schneller als jeder andere an den zwei Tagen auf dem Hockenheimring. Für das Rennen gab es Entwarnung. Der Fehler dürfte nicht mehr auftreten.

Kleiner Fehler, großer Effekt

Hamilton, gefordert zurückzuschlagen, machte einen kleinen Fehler. Am Ende fehlten ihm 0,107 Sekunden. "Es ist ein gutes Wochenende. Ich hatte auch die Geschwindigkeit, aber habe den Job nicht zu Ende gebracht", kommentierte Hamilton sichtlich angefressen. Gut zwei Stunden später war der dreimalige Champion dann schon wieder lockerer drauf. Er sei nicht niedergeschlagen. Aber natürlich werde keiner gerne vom Teamkollegen geschlagen. "Ich war im Qualifying heute immer schneller als Nico, bis auf das Ende meiner letzten Runde", sagte Hamilton. Dies macht ihm ebenso Mut wie das Wissen, dass der Hockenheimring zu den Strecken zählt, auf denen das Überholen möglich und einfacher ist als etwa zuletzt in Budapest.

Auch in Ungarn stand Rosberg auf der Pole Position. Aber er vermasselte den Start. Damit war das Rennen für ihn gelaufen. Hamilton feierte seinen fünften Erfolg in den zurückliegenden sechs Rennen. Auch diesmal könnte die Antwort auf die Frage nach dem Sieger schon auf den Metern zur ersten Kurve maßgeblich beeinflusst werden. Vor 30 Jahren stand schon einmal ein Rosberg auf der Pole Position. Seinem Vater Keke möchte Nico allerdings nicht nacheifern. Der Weltmeister von 1982 beendet das Rennen am 27. Juli 1986, damals noch auf der 6,797 Kilometer langen Strecke, als Fünfter, wurde damals von Sieger Nelson Piquet (Brasilien) sogar überrundet.

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