| 08.13 Uhr

Formel 1 in Malaysia
Nico Rosberg und die Last des Spitzenreiters

Rosberg macht Crowd-Surfing mit seinem Team
Rosberg macht Crowd-Surfing mit seinem Team FOTO: afp
Sepang. WM-Spitzenreiter Nico Rosberg hat nach drei Siegen in Folge das Momentum auf seiner Seite. Ein Risikofaktor bleibt jedoch: die Startschwäche bei Mercedes. Und dann ist da noch sein größter Konkurrent Lewis Hamilton.

Der Ärger ging schon los, bevor Nico Rosberg überhaupt in Malaysia gelandet war. Ein privater Instagram-Schnappschuss von Töchterchen Alaia auf einer Yacht vor Ibiza rückte Papa Nico ins Zentrum eines beachtlichen Shitstorms. Das Kleinkind trug nämlich keine Schwimmweste - ein Leichtsinn, den die User in den sozialen Netzwerken ganz und gar nicht goutierten. Rosberg wiegelte ab: Alaia sei niemals in Gefahr gewesen, es habe "immer jemand die Hand am Kind".

Er selbst hat nach zuletzt drei Siegen in Folge und bereits acht in dieser Saison zumindest schon ein, zwei Finger am so sehr ersehnten WM-Titel in der Formel 1. Im mit allen Mitteln geführten Titelkrieg der beiden Mercedes-Piloten liegt Rosberg bei sechs noch ausstehenden Rennen in Führung. Mit seinem Sieg Mitte September in Singapur schob sich der Deutsche an seinem ungeliebten Teamkollegen Lewis Hamilton vorbei an die Spitze - gerade mal acht Punkte trennen die beiden Erzrivalen.

Das "Biest" liegt auf der Lauer

Das vielzitierte Momentum ist also eindeutig auf Rosbergs Seite, doch das "Biest" liegt auf der Lauer. Im spektakulären Mercedes-Werbespot "Das Biest der grünen Hölle" inszenierte sich Lewis Hamilton als gnadenloser Jäger im Urwald, der seine Beute so lange hetzt, bis er sie erlegt hat. Wohl nicht nur deshalb bemüht sich Rosberg um verbale Tiefstapelei. "Ich hatte zuletzt einen guten Lauf und genieße den Moment", sagte er vor dem 16. von 21 WM-Läufen in der Tropenhitze von Malaysia: "Das nächste Rennen und das danach können schon wieder ganz anders aussehen. Uns erwarten noch einige harte Wochenenden."

Das umso mehr, da im bisherigen Verlauf der Saison in fast jedem Rennen mindestens einer der beiden Mercedes-Fahrer Probleme am Start hatte. In Singapur war es Hamilton, der einfach nicht vom Fleck kam und damit schon nach wenigen Metern den Sieg aus den Augen verloren hatte. Offenbar nicht lösbare Probleme mit der Kupplung machen dem überragenden Team der letzten Jahre so manchen Strich durch die Rechnung.

Die dennoch auch in diesem Jahr wieder aufgehen wird, denn schon in Malaysia kann Mercedes den Konstrukteurs-Titel unter Dach und Fach bringen, zum dritten Mal nach 2014 und 2015. In der Fahrerwertung kann niemand mehr in das Duell zwischen Rosberg und Hamilton eingreifen - schon seit Wochen steht fest, dass die WM erneut im Showdown der beiden Silberpfeile entschieden wird.

"Physische und mentale Belastung erreicht ihren Höhepunkt"

Und Lewis Hamilton, Weltmeister 2008, 2014 und 2015, ist keinesfalls gewillt, Rosberg freiwillig den Vortritt zu lassen. "Ich weiß allerdings nicht, wann das Pendel wieder in meine Richtung ausschlagen wird", sagte der 31-Jährige, der seit dem Großen Preis von Deutschland im Juli in Hockenheim sieglos ist. Er habe aber "in der Vergangenheit viele gute Ergebisse erzielt, und es gibt keinen Grund, warum ich das in den nächsten Rennen nicht wieder schaffen sollte".

Rosberg ist also gewarnt, und Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hofft vor allem auf den allzeit kühlen Kopf seiner beiden Fahrer. "So langsam erreicht die physische und mentale Belastung ihren Höhepunkt", sagte der Österreicher. Er mahnt zur allgemeinen Ruhe: "Wir befinden uns in einer guten Verfassung, aber wir müssen wachsam bleiben, um den Ball auch über die Linie zu bringen." Oder um das Boot mit Klein-Alaia in den sicheren Hafen zu steuern.

(sid)
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