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Vettel schimpft nach Ferrari-Crash
Rosberg widmet den Sieg seinen drei Frauen

Zeugnis: Wochenende zum Vergessen für Hülkenberg
Zeugnis: Wochenende zum Vergessen für Hülkenberg FOTO: afp
Nach seiner nächsten Galavorstellung sprang Nico Rosberg erst wie ein Rockstar beim Stage-Diving in seine Mechaniker-Truppe hinein, dann zeigte der Mann der Stunde in der Formel 1 große Gefühle.

Seinen beeindruckenden Triumph beim Großen Preis in China widmete der Mercedes Pilot den "Frauen, die in meinem Leben wichtig sind: Meiner Mutter, meiner Frau Vivian und meiner Tochter Alaia. Ich freue mich schon, euch bald wieder zu sehen."

Bei diesen Worten stockte Rosberg leicht die Stimme, der Wiesbadener hat nie einen Hehl daraus gemacht, wie viel Kraft er aus seinem Familienleben schöpft. Und sein kleines Töchterchen scheint ihn auch auf der Strecke zu beflügeln. In Shanghai raste Rosberg souverän zu seinem dritten Sieg im dritten Saisonrennen und baute seine Führung im Kampf um den Titel auf komfortable 36 Punkte aus - dabei profitierte er auch vom Pech des Weltmeisters und WM-Zweiten Lewis Hamilton und einem Crash zwischen den beiden Ferrari-Piloten Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen.

"Das Auto war großartig, ich konnte immer attackieren und mir einen Vorsprung herausarbeiten", sagte Polesetter Rosberg, der nur beim Start einen kurzen Wackler zeigte - aber sich die Führung schnell wieder zurückholte. Damit gilt Rosberg nun endgültig als Top-Favorit auf den Titel. Ginge es nach der Statistik, könnte er den Champagner sogar schon kaltstellen: Immer wenn ein Fahrer die ersten drei Rennen einer Saison gewann, wurde er am Ende auch Weltmeister.

Fotos: Rosberg lässt sich von seinem Team feiern FOTO: dpa, lbb ay

Selbst Vettel musste Rosbergs Dominanz anerkennen. "Nico war in seiner eigenen Welt", sagte der Heppenheimer, der sich nach der Kollision mit Räikkönen noch auf Platz zwei kämpfte, jetzt aber auch schon 42 Zähler hinter dem Silberpfeil-Fahrer zurückliegt. Hamilton - nach technischen Problemen als Letzter gestartet - betrieb als Siebter Schadensbegrenzung.

"Nicos Leistung ist außergewöhnlich. Er gewinnt auf jede verdammte Art, das ist unglaublich", sagte Ex-Weltmeister Niki Lauda. Der Aufsichtsrats-Chef des Teams war sichtlich beeindruckt von der Solofahrt seines Angestellten: "Für mich ist das weltmeisterschaftlich, da kann ich nur meine Kappe ziehen."

Fotos: Die Bilder vom Rennen in Shanghai FOTO: afp, eis

Rosberg sammelte mit seinem saisonübergreifend sechsten Sieg in Serie zudem Argumente für eine Vertragsverlängerung, sein Kontrakt läuft Ende des Jahres aus. "Nico ist absolut fehlerfrei gefahren", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff: "Er hat sich aus allem rausgehalten und es dann sauber nach Hause gefahren."

Vettel schimpfte derweil über den drittplatzierten Daniil Kwjat (Red Bull). Der Russe hatte Vettel mit einem äußerst aggressiven Start unter Druck gesetzt, Vettel wich aus und fuhr dabei Räikkönen ins Auto - und das auch noch ausgerechnet vor den Augen von Ferrari-Chef Sergio Marchionne. "Es ist natürlich das Schlimmste überhaupt, wenn sich zwei Autos mit der gleichen Farbe berühren", sagte Vettel. Und Richtung Kwjat ätzte der Heppenheimer: "Das war lebensmüde. Wenn ich nicht ausgewichen wäre, wären wir alle drei rausgeflogen."

Der Start sei "katastrophal" gewesen, sagte Marchionne mit ernster Miene: "Immerhin waren wir jetzt im dritten Rennen zum dritten Mal auf dem Podium, wir sind zumindest auf dem richtigen Weg." Auch Vettel zeigte sich im Rennen um den Thron in der Königsklasse kämpferisch: "Wir kommen so langsam in Schwung."

Einen sensationellen Lauf hat hingegen Rosberg, der seine Chancen um den Titel aber weiter äußerst diplomatisch einschätzt. "Es sind noch 18 Rennen", sagte der Blondschopf: "Und mein Teamkollege ist der liebe Lewis, dreimaliger Weltmeister - er wird noch wie ein Wahnsinniger Druck machen." Immerhin sprach er von einem "kleinen Vorteil".

Gut möglich, dass Alaia der Grund für diesen Vorteil ist. "Ich hatte das Gefühl, dass mir das Daumendrücken der Kleinen extra viel Glück gebracht hat", sagte Rosberg. Und deshalb hat er wohl auch Vettels Einladung ausgeschlagen, sich am Abend an der Bar zu treffen. Noch in der Nacht flog Rosberg nach Berlin zum Laureus-Award - und zu seiner Familie: "Ich kann es kaum erwarten."

(sid)
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