| 11.11 Uhr

Formel 1 in Kanada
Rosberg will einfach nur nur nach Hause

Großer Preis von Kanada: das Rennen
Großer Preis von Kanada: das Rennen FOTO: afp, wt
Montréal. Nico Rosberg hatte es eilig. Er müsse leider die Strecke so schnell wie möglich verlassen, deshalb seien keine persönlichen Gespräche mehr möglich, teilte Mercedes nach dem Großen Preis von Kanada kurz und knapp mit. Wenig später meldete sich Rosberg per Videobotschaft aus dem Flieger: "Wir heben gerade ab, jetzt geht es erst mal zwei Tage nach Hause."

Vielleicht war es ja tatsächlich nur der Wunsch, so schnell wie möglich zu Frau und Kind zu kommen, vielleicht der Frust, zum dritten Mal nacheinander deutlich das Podium verpasst zu haben. Vielleicht war es aber auch die Wut auf den Feind im eigenen Team und die Sorge vor möglicherweise unangenehmen Fragen dazu.

Das Rennen war nämlich erst wenige Sekunden alt, als ein leichter "Bodycheck" zwischen Rosberg und dem späteren Sieger Lewis Hamilton Erinnerungen an das Desaster von Barcelona weckte. Zwar konnten in Montreal beide weiterfahren, doch Rosberg kostete der Zwischenfall die Chance auf eine vordere Platzierung.

Hamilton gab sich danach so ungewohnt reumütig, dass es schon aufgesetzt wirkte. "Um mich herum waren überall Autos, und dann kam es zu einer unglücklichen Berührung mit Nico", sagte der Sieger und fügte zu Boden blickend noch schnell hinzu, das Wichtigste sei, "dass Nico und ich keinen Schaden davongetragen haben".

Das sagt sich als Sieger leicht, das wird Rosberg vermutlich anders sehen, und das sieht vor allem Mercedes-Teamchef Toto Wolff anders. "Sie haben sich wieder berührt, deshalb müssen wir reden", sagte der Österreicher, und es war ihm anzusehen, was er dachte. Der Vorfall werde auf jeden Fall noch vor dem Europa-Grand-Prix am Wochenende in Baku besprochen, "um herauszufinden, ob es wirklich eine ganz normale Situation im Rennen war".

Die Videoaufzeichnungen legen jedenfalls zumindest die Vermutung nahe, dass Hamilton wild entschlossen war, Rosberg nicht rechts überholen zu lassen, nachdem ihn schon Ferrari-Pilot Sebastian Vettel am Start auf der linken Seite überrumpelt hatte. Der Weltmeister zog hart nach rechts, sein Auto und das von Rosberg lagen nebeneinander auf gleicher Höhe und berührten sich mit den Vorderreifen.

Hamilton fuhr weiter, Rosberg fiel auf Platz neun zurück, sein Rennen war gelaufen. Trotzdem wollte er Hamilton zumindest in der offiziellen Version seines von Mercedes weichgespülten Statements nicht kritisieren: "Es war ein hartes Manöver von ihm, aber das gehört zum Racing dazu."

Am Ende schien es fast so, als sei Mercedes und auch Rosberg selbst der schleichende Plattfuß an seinem Auto in der Schlussphase des Rennens gerade recht gekommen. Rosberg habe bis dahin auf Podiumskurs gelegen, sagte Toto Wolff, und der Pechvogel selbst reflektierte die Situation wie folgt: "Dann hatte ich einen Reifenschaden und musste noch einmal an die Box. Verdammt!"

Noch führt Rosberg, der angeblich mit Ferrari liebäugelt, die WM-Wertung nach seinen vier Siegen in den ersten vier Saisonrennen an. Mit nur noch neun Punkten Rückstand ist Hamilton aber mittlerweile weit mehr als nur der erste der Verfolger. Trotz allem will Mercedes seine Fahrer angeblich nicht einbremsen. "Solange sie sich nicht wieder gegenseitig die Autos kaputt machen, werden wir nur sorgfältig beobachten", sagte Toto Wolff.

Der dreimalige Weltmeister Niki Lauda, Aufsichtsratsvorsitzender des Mercedes-Teams, sieht angeblich nicht mal einen Grund, die Sache überhaupt noch einmal zu thematisieren: "Wir werden niemandem einen Vorwurf machen, weil es nichts vorzuwerfen gibt." So richtig glücklich sah bei den Sternfahrern aber niemand aus.

(sid)
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