Formel 1

Schafft Vettel auf seiner "Lieblingsstrecke" die Wende?

Großer Preis von Japan 2017: Fragen und Antworten FOTO:

Suzuka. Der Ausgang des Rennens in Suzuka ist kaum vorhersehbar, drei Teams dürfen sich Siegchancen ausrechnen. Unter diesen Bedingungen muss Sebastian Vettel die Wende schaffen - sonst hat sich der Titelkampf wohl erledigt.

Die Wende im Titelkampf oder der entscheidende Rückschlag? Alles und nichts scheint in Japan möglich für Sebastian Vettel. Nur auf den Fahrspaß darf er sich dabei verlassen. Suzuka, das sei "die Lieblingsstrecke" schlechthin, sagt der Ferrari-Pilot, "eine vom alten Kaliber. Die Kurven sind wie aus einem Guss, das macht einfach Freude." Doch damit enden die Gewissheiten.

Denn der Ausgang am Sonntag (7.00 Uhr MESZ/RTL und Sky) ist völlig offen. Sechs Fahrer könnten gewinnen, selten ist die Formel 1 in den vergangenen Jahren mit so vielen Siegkandidaten zu einem Grand Prix gereist: Ferrari, Mercedes und Red Bull scheinen allesamt in der Lage, das Rennen zu dominieren.

Das liegt zum einen an den Launen des Silberpfeils, das weiß auch WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton. "Mein Auto ist da ein bisschen wie ich", sagt der Brite grinsend: "Es hat großartiges Potenzial, aber es macht nicht immer das, was es soll." Die Saison dauere nun schon sehr lange, aber Hamilton könne "immer noch nicht abschätzen: Wird mein Auto auf der kommenden Strecke sehr gut oder schwierig sein?"

Vor allem das vergangene Rennen in Malaysia hat in dieser Hinsicht für Verunsicherung gesorgt. Auf einer vermeintlichen Mercedes-Strecke kam Silber überhaupt nicht auf Geschwindigkeit, die Reifentemperaturen waren mal wieder das Problem. In Suzuka wird nun ebenfalls mit relativ viel Abtrieb gefahren, der Asphalt ist zudem rau, und am Rennsonntag dürfte er sich bei erwartetem Sonnenschein stark erwärmen. All das sind Faktoren, die Mercedes eher nicht gefallen.

Es sind aber nicht allein die Schwankungen des Weltmeister-Teams, die der Konkurrenz um Vettel die Chance in Suzuka eröffnen. Ferrari hatte schon zuletzt in Singapur und Malaysia das schnellste Auto im Feld, ein Startcrash und Motorprobleme brachten Vettel jeweils um den möglichen Sieg.

"Wir haben alle Zutaten, das müssen wir nur zusammenbringen", sagt der 30-Jährige, "dann kann ich sogar alle fünf verbleibenden Rennen gewinnen." Gelingt diese ziemlich unwahrscheinliche Serie, dann wäre Vettel in jedem Fall Weltmeister. Der Rückstand von 34 Punkten auf Hamilton ist derzeit gerade noch klein genug, um den Triumph aus eigener Kraft schaffen zu können.

Vettel unter Druck

Das bedeutet allerdings auch, dass der Deutsche schon am Sonntag unter enormem Druck steht, er darf keine weiteren Punkte auf Hamilton verlieren - sonst wären vier Rennen vor Schluss wohl schon alle realistischen Chancen auf den Titel dahin.

Die aktuelle Stärke von Red Bull kann für Vettel dabei Fluch oder Segen sein. Sein Ex-Team lieferte in Malaysia eine eindrucksvolle Vorstellung, Max Verstappen gewann das Rennen souverän. Und das Chassis setzt wie zu den größte Zeiten mittlerweile wieder Maßstäbe in der Formel 1, auf einer Strecke wie Suzuka ein besonders wichtiger Punkt.

Vettel kann dadurch am Sonntag ziemlich viel gewinnen. Steht er ganz vorne und Hamilton landet sogar hinter Red Bull, dann hat Vettel auf einen Schlag einen großen Teil des Rückstands abgebaut. Ist Ferrari am Sonntag allerdings nur dritte Kraft, dann kann Vettel fast alles verlieren. Ein bisschen Roulette in Suzuka also. Aber wenigstens macht es Spaß.

(sid)

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